Teheran

Persisches Neujahr vom Krieg überschattet

Teheraner bereiten sich am Donnerstag auf das Neujahrsfest, den Norus, vor. Foto: picture alliance / Anadolu

Der Beginn des persischen Neujahrsfests Norus ist in diesem Jahr von Krieg und Konflikten überschattet. Im Iran mit seinen rund 90 Millionen Einwohnern herrscht angesichts der israelisch-amerikanischen Angriffe eine bedrückte Stimmung. Zukunftssorgen, Ungewissheit und Angst dominieren in vielen Haushalten.

Der Beginn von Norus orientiert sich am Frühlingsbeginn auf der Nordhalbkugel, wenn Tag und Nacht gleich lang sind. In diesem Jahr beginnt das persische Neujahr um 15.46 Uhr Berliner Zeit.

Eigentlich ist der März für viele Menschen im Iran die schönste Zeit. Die Städte werden grün, die Sonne kommt zurück, der Frühling beginnt. Dieses Jahr prägen Trümmerhaufen das Stadtbild der Metropolen. Mit Einbruch der Dunkelheit versinken Irans Großstädte in Finsternis. Geschäfte schließen, die Lichter der Metropolen werden ausgeschaltet, während Kampfjets über die Dächer donnern und in der Ferne dumpfe Explosionen erklingen.

Trauer um getötete Demonstranten

»Ich versuche, mit meiner Familie an einem sicheren Ort zu bleiben und einfach zu beobachten, was passiert«, sagt Amir, ein Student in der Hauptstadt Teheran. Er hofft nun auf ein besseres Jahr und politischen Wandel, auf Frieden und Ruhe. »Selbst wenn es keinen Krieg gäbe, trauern wir dieses Jahr auch um die Toten der Proteste«, sagt der 24-Jährige. Die Erinnerungen an die Repressionen gegen die Massenproteste sind noch nah.

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Das jahrtausendealte Fest Norus wird in Zentral-, West- und Südasien gefeiert, darunter im Iran, in Afghanistan und den kurdischen Gebieten, sowie von Millionen Menschen weltweit. Unter den Taliban in Afghanistan gibt es seit der Machtübernahme 2021 keine öffentlichen Feiern mehr. Dieses Jahr wird das Fest dort zudem vom Konflikt mit dem Nachbarland Pakistan überschattet.

Traditionell schmücken Menschen an Norus einen Tisch mit sieben symbolträchtigen Dingen, die im Persischen mit dem Buchstaben »S« beginnen. Auf dem »Haft Sin«-Tisch finden sich unter anderem Münzen, Äpfel, Knoblauch und Gras. Es ist die Zeit, in der Familien zusammenkommen. Seit 2010 ist Norus offiziell als immaterielles Kulturerbe der Menschheit anerkannt.

»Mein Land wird zerstört«

Hanieh ist 28 Jahre alt und arbeitet als Malerin. Trotz des Kriegs hat sie versucht, zu Hause den Brauch am Leben zu halten. Sie sagt, ihre Gedanken seien bei den getöteten Demonstranten und den Opfern des Kriegs. »Mein Land wird zerstört, Gebäude, Museen und Energieinfrastruktur. Das macht mich alles traurig«, sagt sie. Freunden wünscht sie kein frohes neues Jahr, wie sie erzählt. »Ich sage ihnen: Ich wünsche dir ein sicheres Jahr und hoffe, dass wir uns wiedersehen können.«

Hussein, ein Kameramann aus der iranischen Hauptstadt, empfindet Wut, auf Israel und auf die USA. Dieses Jahr fällt der Beginn des Neujahrs auch mit dem Ende des Fastenmonats Ramadan zusammen. Das letzte Freitagsgebet ist Hussein immer wichtig gewesen. »Ich habe mich immer auf das Eid-Gebet mit dem Führer gefreut«, sagt der 28-Jährige. Doch nach der Tötung von Staatsoberhaupt Ajatollah Ali Chamenei will er zu Hause bleiben. »Seit 20 Tagen fühlt sich alles für mich wie die Hölle an.« dpa

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