Hannover

Zahl der antisemitischen Vorfälle auf Höchststand

Foto: picture-alliance / dpa

Die Zahl antisemitischer Vorfälle in Niedersachsen ist auf einen Höchststand gestiegen. Die Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus (Rias) dokumentierte im vergangenen Jahr 672 Fälle und damit 17 mehr als im Vorjahr, wie aus dem fünften Jahresbericht hervorgeht.

Nach Einschätzung von Rias hat der Hamas-Angriff auf Israel vom 7. Oktober 2023 das Geschehen nachhaltig verändert. Anders als nach früheren Eskalationen im Nahostkonflikt sei die Zahl antisemitischer Vorfälle anschließend nicht wieder zurückgegangen. Stattdessen beobachte die Meldestelle eine Verstetigung auf deutlich erhöhtem Niveau.

Niedersachsens Justizministerin Kathrin Wahlmann (SPD) sprach von weiterhin großem Handlungsbedarf. Antisemitismus sei keine Randerscheinung und insbesondere seit dem 7. Oktober 2023 in der Gesellschaft weit verbreitet. Israel- und Judenhass seien in allen politischen Spektren erkennbar, auch in vermeintlich progressiven Milieus. Der Schutz jüdischen Lebens bleibe eine Aufgabe staatlichen Handelns.

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Rias erfasste im vergangenen Jahr einen Fall extremer Gewalt, 16 Angriffe und 22 Bedrohungen. Deutlich zugenommen hat die Zahl gezielter Sachbeschädigungen: Sie stieg von 31 auf 44 Fälle. Insgesamt waren 194 Menschen direkt von antisemitischen Vorfällen betroffen. Zudem dokumentierte die Meldestelle 57 Vorfälle an Gedenkstätten und Erinnerungsorten sowie 21 gegen jüdische Einrichtungen wie Gemeinden oder Friedhöfe.

Am häufigsten dokumentierte Rias israelbezogenen Antisemitismus. Auf diese Erscheinungsform entfielen 449 Vorfälle und damit rund zwei Drittel aller Fälle. In 275 Fällen wurde sogenannter Post-Schoa-Antisemitismus festgestellt, etwa in Form von Täter-Opfer-Umkehr oder der Relativierung des Holocausts.

Besonders besorgniserregend sei die zunehmende Verlagerung antisemitischer Vorfälle an Orte, denen Betroffene kaum ausweichen könnten, hieß es. So nahm die Zahl der dokumentierten Vorfälle im öffentlichen Nahverkehr, im Wohnumfeld und am Arbeitsplatz zu. Antisemitismus begegne Jüdinnen und Juden damit in nahezu allen gesellschaftlichen Bereichen.

Die zur Amadeu Antonio Stiftung gehörende Meldestelle erfasst auch antisemitische Vorfälle unterhalb der Strafbarkeit. Laut Rias bilden die registrierten Fälle nur einen Ausschnitt der tatsächlichen Situation ab, das Dunkelfeld bleibe groß. dpa

Kommentar

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