Innerhalb der republikanischen Partei bahnt sich ein Machtkampf um die Nachfolge Donald Trumps an – und immer mehr jüdische Konservative positionieren sich bereits jetzt gegen Vizepräsident JD Vance. Grund für den Vertrauensverlust sind wiederholte Vorstöße Vances gegen israelische Regierungsvertreter, seine Offenheit gegenüber antiisraelischen Verschwörungstheorien sowie sein beharrliches Schweigen zu Tucker Carlson, dem einflussreichen Kommentator, der sich zunehmend israelfeindlich positioniert. Die Jewish Telegraphic Agency (JTA) berichtete.
Vance gilt parteiintern nach wie vor als aussichtsreichster Kandidat, um Trump 2028 als republikanischer Kandidat zu beerben. Für jüdische Republikaner stellt sich damit die Frage, wen sie unterstützen sollen, sobald Trumps zweite Amtszeit endet. Viele von ihnen finden ihre Antwort in einer anderen Figur: Außenminister Marco Rubio.
Wie stark die Stimmung in jüdisch-konservativen Kreisen bereits gekippt ist, zeigt sich dem JTA-Bericht zufolge am Beispiel von Shabbos Kestenbaum. Der durch seinen Kampf gegen Antisemitismus an US-Universitäten bekannt gewordene Aktivist hatte schon im Mai, bei einer Gala der RJC (Republican Jewish Coalition), ein Stimmungsbild von »99 zu 1« zugunsten Rubios gezeichnet, korrigierte sich dann aber selbst nach oben: Realistisch sei das Verhältnis eher »100 zu 0«. Die überwältigende Mehrheit jüdischer MAGA-Wähler, Spender und politischer Entscheidungsträger stehe weiterhin geschlossen hinter einer Rubio-Kandidatur, erklärte Kestenbaum jetzt. Er selbst werde ihn »mit Freude« wählen.
Harte Linie gegenüber Iran und IStGH
Rubio, der 14 Jahre als Senator im Kongress war, hat sich durch seine unerschütterliche Unterstützung Israels und seine kompromisslose Haltung gegenüber dem Iran Sympathien in weiten Teilen der jüdisch-republikanischen Wählerschaft erarbeitet. Er zeigte sich offen dafür, von der Biden-Regierung verhängte Beschränkungen gegen gewaltbereite israelische Siedlergruppen im Westjordanland aufzuheben, und kündigte diese Woche an, den Internationalen Strafgerichtshof – der unter anderem gegen Ministerpräsident Benjamin Netanjahu einen Haftbefehl erlassen hat – zerschlagen zu wollen. Die RJC lobte diesen Vorstoß auf der Plattform X ausdrücklich als »Führungsstärke«.
Auch die rechtsgerichtete Aktivistin Laura Loomer zählt zu Rubios Fürsprecherinnen. Sie verwies auf seine harte Haltung gegenüber israelfeindlichen Demonstranten, darunter die von ihm befürwortete Rücknahme hunderter Studentenvisa im vergangenen Jahr. Auf X schrieb sie, man werde nun endlich »die Pro-Hamas-Schläger los«, und bezeichnete Rubio als Führungspersönlichkeit, die sich nicht scheue, gegen »hier nicht hingehörende islamistische Einwanderer« vorzugehen. In einem weiteren Beitrag sagte sie voraus, Rubio werde eines Tages Präsident sein.
Rubios enge Verbindungen zur pro-israelischen Gemeinschaft reichen laut JTA weit zurück: Sein wichtigster Förderer während seiner Zeit im Parlament Floridas war Norman Braman, ein bedeutender Spender für jüdische Anliegen. Seine proisraelische Haltung entspricht damit einem Muster, das bei kubanisch-amerikanischen Politikern häufig zu beobachten ist, die in Israel einen Verbündeten gegen den Kommunismus sehen. Enger politischer Weggefährte in der floridianischen Legislative war zudem der jüdische Abgeordnete Adam Hasner.
Lob für Rhetorik und internationale Auftritte
Kritiker Israels, die ihrerseits Verschwörungserzählungen über Juden und den jüdischen Staat verbreiten, werfen Rubio inzwischen vor, eher israelischen als amerikanischen Interessen zu dienen, und unterstellen, seine Kandidatur werde von Israel vorangetrieben.
Neben seiner proisraelischen Positionierung wird Rubio von jüdisch-konservativen Kommentatoren auch für seine rhetorische Wirkung gelobt, insbesondere für eine Rede bei der Münchner Sicherheitskonferenz, die der Commentary-Redakteur Seth Mandel als »bemerkenswert« bezeichnete.
Auch aus den Reihen der republikanischen Großspender kommt Rückenwind für Rubio. Eric Levine, der sowohl im RJC-Vorstand sitzt als auch als einflussreicher Fundraiser der Partei gilt, sprach – ausdrücklich in privater Funktion – von »überwältigendem Rückhalt« für Rubio, und zwar über die jüdische Wählerschaft hinaus. Seine Verbindung zu Rubio reicht dabei weit zurück: Bereits 2016 hatte Levine dessen erste Präsidentschaftskampagne früh finanziell unterstützt und ihn als seinen damaligen Wunschkandidaten bezeichnet. Was ihn bis heute überzeuge, sei die Kombination aus außenpolitischem Profil und rhetorischer Stärke: Rubio sei »immer ein außerordentlich effektiver Fürsprecher« der amerikanisch-israelischen Partnerschaft gewesen.
Vances Rückhalt hingegen schwindet – nicht nur in jüdischen Kreisen. Mehrere hochrangige Trump-Berater drängen darauf, nicht den Vizepräsidenten, sondern Rubio 2028 als Kandidaten aufzustellen. Der republikanische Großspender Ken Griffin erklärte vergangene Woche, er werde in einer Vorwahl 2028 Rubio gegenüber Vance den Vorzug geben. Selbst an Wettmärkten steigen Rubios Chancen kontinuierlich. im