Abu Dhabi

Zugang für IAEA-Inspekteure: Marco Rubio widerspricht Teheraner Regime

US-Außenminister Marco Rubio unmittelbar nach seiner Ankunft in Abu Dhabi am Dienstagabend Foto: picture alliance / Eric Lee/Pool REUTERS via AP

US-Außenminister Marco Rubio hat bei einer Pressekonferenz in Abu Dhabi die nächsten Schritte im Umgang mit dem Iran, die Sicherheitsinteressen der Golfstaaten und mögliche Folgen eines Abkommens angesprochen. Nach Gesprächen mit der Führung der Vereinigten Arabischen Emirate betonte Rubio, die USA wollten die Positionen ihrer Partner berücksichtigen. »Wir sind hier, um ihnen zuzuhören, mehr als dass wir reden«, erklärte er laut einer vom US-Außenministerium zur Verfügung gestellten Abschrift des Inhaltes der Pressekonferenz.

Im Mittelpunkt stand die Frage, ob Teheran den angekündigten Zugang für Inspekteure der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) tatsächlich akzeptiert habe. Zuvor hatten iranische Vertreter erklärt, einer solchen Regelung nicht zugestimmt zu haben. Rubio widersprach dieser Darstellung. »Wir wissen, worauf wir uns geeinigt haben«, sagte der Außenminister. Er wisse nicht, warum Iran andere Aussagen mache. »Sie werden mit ihrer internen oder innenpolitischen Situation umgehen müssen. Aber wir wissen, was sie zugesagt haben – und jetzt werden sie es entweder tun oder nicht tun.«

Falls Iran die Vereinbarungen umsetze, werde der Prozess fortgesetzt, erklärte Rubio. Sollte Teheran dies nicht tun, werde US-Präsident Donald Trump Entscheidungen treffen müssen.

»Phänomenale Zusammenarbeit«

Rubio hob zugleich die Beziehungen zu den Golfstaaten hervor, die er während seiner Reise besucht. Die Partnerschaft mit den Vereinigten Arabischen Emiraten bestehe bereits seit vielen Jahren und habe sich weiterentwickelt. »Ich kenne niemanden, der in den vergangenen sechs Monaten stärker an der Seite der Vereinigten Staaten gestanden hat«, sagte Rubio über Abu Dhabi. Die Zusammenarbeit sei »phänomenal« gewesen.

Bei den Gesprächen in der Region gehe es vor allem darum, die Einschätzungen der Partner einzuholen. Besonders nach den jüngsten Entwicklungen bei Gesprächen in der Schweiz wolle Washington sicherstellen, dass die Perspektiven der Verbündeten in weitere Entscheidungen einflössen. »Wir wollen ihre Gedanken hören«, sagte Rubio.

Lesen Sie auch

Auf die Frage, ob die Golfstaaten den geplanten Friedensrahmen mit Iran unterstützten, erklärte der Außenminister, alle US-Partner wollten Frieden. Entscheidend seien jedoch die Details. Der Konflikt mit Iran bestehe seit 47 Jahren, daher könne niemand erwarten, dass er innerhalb kurzer Zeit gelöst werde. »Es gibt einen Rahmen und eine Grundlage, auf der wir echte Fortschritte machen können«, sagte Rubio. In den vergangenen 72 Stunden sei wichtige Vorarbeit geleistet worden, doch es bleibe noch viel zu tun.

»Große Chancen«

Auch wirtschaftliche Perspektiven für den Iran nach einer möglichen Einigung sprach Rubio an. Ein Wiederaufbaufonds für das Land sei jedoch noch weit entfernt. Sollte die iranische Führung sich entscheiden, »ein Land zu sein und keine revolutionäre Bewegung, die Terror exportiert«, könnten sich große Chancen ergeben, sagte er. Dazu könnten auch ausländische Investitionen gehören, wie sie andere Staaten der Region erhalten hätten. »Es wird nicht unsere Investition sein. Es wird kein Geld unserer Regierung sein«, stellte Rubio klar.

Die Gespräche über die Zukunft des Libanon müssten getrennt von einem möglichen Iran-Abkommen betrachtet werden, sagte Rubio. Der Libanon sei ein souveräner Staat mit einer eigenen Regierung. Die USA würden deshalb direkt mit der libanesischen Führung verhandeln. Gleichzeitig verwies Rubio auf den Einfluss Irans über die Hisbollah. Die Unterstützung Teherans für die Organisation sei ein Thema, das auch in Gesprächen mit Iran angesprochen werde.

Mit Blick auf iranische Stellvertretergruppen und Raketenangriffe in der Region erklärte Rubio, diese Fragen würden ebenfalls Teil der Gespräche sein. Ein vollständiges Ende der Feindseligkeiten sei nicht möglich, solange vom Iran unterstützte Gruppen Raketen und Drohnen abfeuerten oder Terroranschläge verübten. Er nannte dabei unter anderem die Angriffe der palästinensischen Terrororganisation Hamas und die Aktivitäten der Hisbollah. Die Problematik sei nach seiner Einschätzung durch die Vereinbarungen grundsätzlich abgedeckt und werde zu einem passenden Zeitpunkt verhandelt.

Zum Schluss äußerte sich Rubio zur Straße von Hormus und der freien Schifffahrt. Dabei verwies er auf internationales Recht. »Kein Land darf Gebühren oder Maut für eine internationale Wasserstraße verlangen«, erklärte er. Dies gelte weltweit und werde auch für die Straße von Hormus erwartet. im

Nahost

Test für den Pakt

Was bedeuten die jüngsten Huthi-Angriffe für das Verteidigungsabkommen, das Saudi-Arabien mit Pakistan und der Türkei unterzeichnet hat?

von Reinhard Schulze  10.10.2026

Das eingeschaltete Blaulicht ist auf dem Dach von einem Einsatzfahrzeug der Polizei am 28.02.2026 bei einem Polizeieinsatz zu sehen.

Deutschland

Berlin-Kreuzberg: Aushänge gegen Judenhass - Jugendliche greifen Geschäftsinhaber an

Der Staatsschutz ermittelt

 10.10.2026

Kino

Ich habe »Naza« gesehen, und es ist ein übles Stück Propaganda

Es ist erschreckend zu sehen, wie große Teile der Filmwelt sich gerade selbst zu nützlichen Idioten der Hamas degradieren, indem sie ihr von Lügen und Blut getränktes Narrativ übernehmen

von Philipp Peyman Engel  10.10.2026

Eklat in Halle

AfD-Mann Tillschneider will an Anschlags-Gedenken teilnehmen

Aktivisten der Jüdischen Studierendenunion Deutschland verhinderten, dass der Landtags-Vizepräsident die Synagoge betrat

von André Anchuelo  09.10.2026

Meinung

Nein, Frau Pillay hat den Friedensnobelpreis nicht verdient!

Die Südafrikanerin hat Israel vorverurteilt und Antisemitismus in den Reihen ihrer Kommission nicht ernstgenommen. Ihre Auszeichnung durch das Nobelpreiskomitee ist ein großer Fehler, meint der Direktor von UN Watch

von Hillel Neuer  09.10.2026

Sachsen-Anhalt

Zentralratspräsident Josef Schuster: Tillschneider »verhöhnt die Opfer« von Halle

Der rechtsextreme Politiker hatte am Freitag versucht, am Gedenken für die Opfer des Anschlags von Halle teilzunehmen

 09.10.2026

Oslo

Israel-Kritikerin Navanethem Pillay erhält den Friedensnobelpreis

Für ihren Einsatz gegen Menschenrechtsverletzungen und für das Völkerrecht: Mit dem Friedensnobelpreis wird in diesem Jahr die südafrikanische Juristin Navanethem Pillay geehrt

 09.10.2026

Magdeburg

Landtagspräsident Rausch plant außenpolitische Initiativen

Mit Tobias Rausch ist erstmals ein AfD-Politiker zum Präsidenten eines deutschen Landtags gewählt. Während noch über die Hintergründe seiner Wahl diskutiert wird, plant der 35-Jährige bereits außenpolitische Initiativen

 09.10.2026

Essay

Drei Jahre nach dem 7. Oktober: Die Grenzen universitärer Selbstgewissheit

Antisemitismus ist an Universitäten längst kein Ausnahmeproblem mehr. Drei Jahre nach dem 7. Oktober stellt sich deshalb eine unangenehmere Frage: Was haben Universitäten über sich selbst gelernt?

von Frederek Musall  09.10.2026