Vorfall

»Hitler« und »Freies Palästina«: Jüdisches Gebetbuch antisemitisch beschmiert

Foto: privat


Der Betroffene ist Mitarbeiter des deutsch-jüdischen Vereins »WerteInitiative« und möchte anonym bleiben, die Jüdische Allgemeine konnte jedoch ausführlicher mit ihm sprechen. Der Vorfall ist der Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus bekannt.

Der Mann berichtet, er habe einen Machsor, ein jüdisches Gebetbuch für die Feiertage, in einer Buchhandlung in Berlin bestellt. Als er das Buch am vergangenen Montag zu Hause durchblätterte, entdeckte er darin Schmierereien. Neben den hebräischen, für Juden heiligen Texten, standen die Worte »Hitler« und »Freies Palästina«. Außerdem war ein Penis auf eine Seite gekritzelt worden.

Die Frage ist nun, wer die Schmierereien in dem Gebetbuch hinterlassen haben könnte. Als der Betroffene das Buch am Dienstag in der Buchhandlung reklamierte, schienen ihm die Mitarbeiter »glaubhaft besorgt«, sagte er der Jüdischen Allgemeinen. Da er dort noch ein weiteres Buch mit jüdischem Bezug bestellt hatte, das unversehrt blieb, vermutet er, dass das Gebetbuch möglicherweise bereits beschmiert worden sein könnte, bevor es überhaupt die Buchhandlung erreichte.

Möglicherweise schon beim Zulieferer beschmiert

Mitarbeiter der Buchhandlung bestätigten ihm, dass die Gebetbücher unverpackt in den Laden geliefert würden. Dadurch hätte auch ein Zulieferer das Buch beschmieren können, ohne dabei groß aufzufallen. Den Namen der Buchhandlung möchte der Betroffene daher vorerst nicht öffentlich machen.

»Besonders bitter ist, dass ausgerechnet einer unserer Mitarbeiter, der sich täglich für die Zukunft jüdischen Lebens in Deutschland einsetzt, eine solche Erfahrung machen musste«, sagte Elio Adler, Vorsitzender der WerteInitiative, gegenüber der Jüdischen Allgemeinen. Der Vorfall zeige, dass Judenhass sich nicht auf wenige medial sichtbare Ereignisse beschränke, sondern auch im vermeintlich Kleinen zu einer prägenden Alltagserfahrung werden könne. »Umso wichtiger ist, dass die betroffene Buchhandlung den Fall sehr ernst nimmt und dem Verantwortlichen offenbar konsequent nachgehen will. Wir stehen hierzu im Austausch.«

Die »WerteInitiative. jüdisch-deutsche Positionen e. V.« ist ein 2014 gegründeter, gemeinnütziger Verein mit Sitz in Berlin. Als zivilgesellschaftliche und überparteiliche jüdische Stimme setzt er sich für eine sichere Zukunft jüdischen Lebens in Deutschland und Europa ein.

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