Die Vereinigten Staaten haben ihre Luftangriffe auf den Iran in der Nacht fortgesetzt und damit bereits die sechste Angriffswelle in Folge seit dem Scheitern der Waffenruhe geflogen. Nach Angaben des US-Zentralkommandos (CENTCOM) kamen dabei Kampfflugzeuge, Drohnen und Kriegsschiffe zum Einsatz.
Das US-Militär erklärte laut amerikanischen Medien, Ziel der Operationen seien zahlreiche militärische Einrichtungen gewesen. Angegriffen worden seien unter anderem Küstenüberwachungssysteme, Flugabwehrstellungen, militärische Logistik sowie maritime Fähigkeiten Irans. Nach Angaben von CENTCOM sind derzeit mehr als 50.000 amerikanische Soldaten im Nahen Osten stationiert.
Aus dem Iran wurden unterdessen Schäden an ziviler Infrastruktur gemeldet. Staatliche Medien berichteten, ein Flughafen in Iranshahr, ein Eisenbahnknotenpunkt in Bandar Abbas sowie zwei Brücken in der Provinz Hormozgan seien von den Angriffen betroffen gewesen. Nach iranischen Angaben kamen dabei drei Menschen ums Leben, mehrere weitere wurden verletzt. Auch aus der Hafenstadt Buschehr wurde mindestens ein Verletzter gemeldet.
Heftige Explosionen
Bereits am Donnerstagabend hatte das US-Militär eine weitere Angriffsrunde angekündigt. Über den genauen Ort der Einsätze machte CENTCOM zunächst keine Angaben. Die Operation diene dazu, die militärischen Fähigkeiten Irans weiter zu schwächen. Gleichzeitig berichtete das iranische Staatsfernsehen von heftigen Explosionen in Bandar Abbas an der Straße von Hormus.
Das Weiße Haus bekräftigte unterdessen seine harte Linie gegenüber Teheran. Präsident Donald Trump werde nicht zulassen, dass Iran Schiffe in der Straße von Hormus angreife, sagte Präsidialamtssprecherin Karoline Leavitt.
Auch auf See verschärfen die USA ihr Vorgehen. Nach Angaben von CENTCOM gingen US-Marines im Golf von Oman an Bord des Handelsschiffs »M/T Wen Yao«, um die Einhaltung der von Washington wieder verhängten Seeblockade gegen iranische Häfen zu überprüfen. Seit Inkrafttreten der Blockade seien drei Handelsschiffe umgeleitet worden, die versucht hätten, die Maßnahmen zu umgehen.
Angriffe auf mehrere Golfstaaten
Zudem habe das US-Militär einen unter der Flagge Curaçaos fahrenden Öltanker außer Gefecht gesetzt. CENTCOM erklärte, die Straße von Hormus bleibe für die internationale Schifffahrt geöffnet. Ausgenommen seien Schiffe, die gegen die amerikanische Blockade verstießen.
Der Konflikt griff in der Nacht auch auf Nachbarländer über: Iran feuerte eigenen Angaben zufolge Raketen auf Katar, Jordanien, Kuwait und Bahrain ab. In Katar rief die Regierung die Bevölkerung dazu auf, Schutz zu suchen, während Luftabwehrsysteme anfliegende Geschosse abfingen. Auch aus Kuwait wurde die Abwehr iranischer Drohnen gemeldet, in Bahrain heulten die Luftschutzsirenen.
Die Revolutionsgarden erklärten, sie hätten mit ballistischen Raketen einen amerikanischen Stützpunkt in Jordanien getroffen. Als Auslöser nannte Teheran einen amerikanischen Angriff in der Nähe eines Kinderkrebskrankenhauses in Ahvaz im Südwesten des Landes. Das Krankenhaus sei nach den US-Luftangriffen evakuiert worden, teilten iranische Staatsmedien mit. Ein Sprecher des iranischen Außenministeriums bezeichnete das Vorgehen der USA als »barbarisch«. Ein Lehrer aus Ahvaz schilderte gegenüber einer Nachrichtenagentur, die Angriffe seien äußerst heftig gewesen; er habe binnen kurzer Zeit rund ein Dutzend Explosionen gehört.
Trump droht mit Angriffen auf Kraftwerke
Präsident Trump kündigte in einem Interview an, die Angriffe würden in den kommenden Nächten fortgesetzt und in der folgenden Woche eskalieren: Dann seien Kraftwerke und Brücken im Iran an der Reihe, sofern sich Teheran nicht zu Verhandlungen bereit erkläre. Energieanlagen wolle er sich für den Schluss aufheben, kündigte er zugleich an.
Nach einem Bericht des israelischen Fernsehsenders Channel 12 bereitet sich Israel auf eine mögliche weitere Eskalation der Kämpfe zwischen den USA und Iran in der kommenden Woche vor. Israel gehe davon aus, dass die USA künftig verstärkt zivile Infrastruktur ins Visier nehmen könnten – bislang hätten sich die amerikanischen Angriffe vorwiegend gegen militärische Ziele gerichtet.
Dem Bericht zufolge habe Katar zudem einen neuen Vorschlag in Washington und Teheran eingereicht, um die Verhandlungen zwischen beiden Ländern wieder aufzunehmen und die Spannungen zu verringern. Iranische Vertreter sollen den Vorschlag als für ihre Position vergleichsweise günstig einschätzen; Angriffe auf Katar sollen seit Vorlage des Vorschlags ausgesetzt worden sein.
Streit um Gefangenenaustausch
Für zusätzliche Verwirrung sorgte die Freilassung einer amerikanischen Staatsbürgerin: Trump hatte mitgeteilt, die seit Dezember 2024 im Iran festgehaltene Frau habe das Land »in gutem Zustand« verlassen, und sprach von einer »Geste des guten Willens« Teherans. Die iranische Justiz widersprach dieser Darstellung jedoch und erklärte, es sei kein amerikanischer Häftling freigelassen oder ausgetauscht worden. Entsprechende Überprüfungen hätten keinen Hinweis auf eine Freilassung oder einen Austausch ergeben.
Pakistan, das im vergangenen Monat bei der Vermittlung eines Abkommens zwischen Washington und Teheran geholfen hatte, rief unterdessen beide Seiten erneut dazu auf, die Gewalt zu beenden und zu Gesprächen zurückzukehren. im