Washington D.C.

Obama kritisiert Netanjahu-Kurs und warnt vor Eskalation im Nahen Osten

Barack Obama Foto: picture alliance / zz/Dennis Van Tine/STAR MAX/IPx

Washington D.C.

Obama kritisiert Netanjahu-Kurs und warnt vor Eskalation im Nahen Osten

Der frühere Präsident sagt, vor Jahren habe Netanjahu ihm gegenüber ähnliche Argumente für ein militärisches Vorgehen gegen den Iran vorgebracht, wie später gegenüber Trump

 05.05.2026 18:17 Uhr

Der frühere US-Präsident Barack Obama hat sich mit ungewöhnlicher Deutlichkeit zur Lage im Nahen Osten und zur Politik Israels geäußert. In einem Interview mit »The New Yorker« äußert er Zweifel daran, dass der harte Kurs gegenüber dem Iran langfristig im Interesse Israels liegt – und verweist dabei ausdrücklich auf Differenzen mit Premierminister Benjamin Netanjahu.

Obama erklärte, Netanjahu habe ihm gegenüber bereits während seiner Amtszeit ähnliche Argumente für ein militärisches Vorgehen gegen den Iran vorgebracht wie später gegenüber Donald Trump. »Ich denke, meine Prognose war zutreffend«, sagte Obama. Es sei möglich, dass Netanjahu »bekommen hat, was er wollte«. Zugleich stellte er infrage, ob dies »letztlich gut für die israelische Bevölkerung« sei – ebenso wie für die Vereinigten Staaten.

Mit Blick auf die zunehmenden Spannungen im Nahen Osten warnte Obama vor den Folgen einer weiteren Eskalation. Die Drohungen der US-Regierung gegenüber dem Iran kritisierte er indirekt und mahnte, politische Führung müsse sich an grundlegenden Werten orientieren. »Ich glaube, die amerikanische Führung muss einen grundlegenden Respekt für menschliche Würde widerspiegeln – nicht nur im eigenen Land, sondern darüber hinaus«, sagte er.

Rassistische Darstellungen

Wenn diese Prinzipien aufgegeben würden, könne »die Welt auf sehr gefährliche Weise auseinanderbrechen«. Damit spielt Obama auch auf die wachsende Instabilität in der Region an, in der ein offener Konflikt zwischen Israel und Iran weitreichende Konsequenzen hätte.

Auf die vom iranischen Regime und den von ihm unterstützten Terrororganisationen ausgehende Bedrohung für Israel und die Welt ging Obama in dem Interview nicht ein.

Lesen Sie auch

Auch persönliche Angriffe aus dem politischen Umfeld Trumps thematisierte Obama. Der ehemalige Präsident berichtete von wiederholten Diffamierungen und Verschwörungserzählungen, die sich gegen ihn richten. Besonders kritisch äußerte er sich über rassistische Darstellungen, die ihn und seine Familie treffen.

»Ich nehme es nicht persönlich«, sagte Obama, betonte jedoch, dass Angriffe auf Angehörige eine Grenze überschreiten würden.

Obama beschreibt seine Rolle in der aktuellen politischen Lage als bewusst zurückhaltend. Er wolle nicht auf jede Äußerung aus dem Weißen Haus reagieren, da er sonst »kein politischer Führer, sondern ein Kommentator« wäre. Gleichzeitig sehe er sich aber in der Pflicht, bei grundlegenden Fragen – etwa Krieg und Frieden oder demokratischen Prinzipien – Stellung zu beziehen. im

Jubiläum

Fünf Jahre jüdische Seelsorge der Bundeswehr: Militärrabbiner Zsolt Balla zieht Bilanz

Seit dem Start der jüdischen Militärseelsorge vor fünf Jahren wächst ihre Bedeutung in der Truppe. Sieben Militärrabbiner tun inzwischen Dienst. Ein Fazit - mit Blick auf Zeitenwende und deutsche Geschichte

von Karin Wollschläger  23.06.2026

Genf

Iran widerspricht Vance: Keine Einigung zu Atom-Inspektoren

Ein iranischer Botschafter stellt klar: Es gibt noch kein grünes Licht für die IAEA. Auch in Hinblick auf die Verwendung von eingefrorenen iranischen Vermögenswerten äußert er sich anders als der US-Vizepräsident

 23.06.2026

New York

Mamdani nennt pro-israelische Lobbygruppe »Monster«

New Yorks Bürgermeister verteidigt seine Wortwahl. Der demokratische Abgeordnete Josh Gottheimer wirft ihm vor, Judenhass salonfähig zu machen

 23.06.2026

Washington D.C.

Rubio spricht mit Golfstaaten über Iran-Abkommen

Der US-Außenminister hat sich bislang nur zurückhaltend zu Trumps Iran-Deal geäußert. Steht er wirklich dahinter?

 23.06.2026

Luzern/Teheran

Vance: Iran will IAEA-Inspektoren zulassen – Zeitplan offen

Es kommt Bewegung in die Verhandlungen zwischen den USA und dem Iran. Der amerikanische Vizepräsident sagt, wie amerikanische Bauern profitieren sollen

 23.06.2026

Berlin

Debatte um Organspende beschäftigt erneut den Bundestag 

Der Zentralrat der Juden lehnt die sogenannte Widerspruchslösung ab

von Christoph Arens  23.06.2026

Kommentar

Wer kann das noch ernst nehmen?

Immer mehr zeigt sich: Anmoderation und Exekution von Unwahrheiten und falschen Fakten vor einem Millionenpublikum sind kein ärgerlicher Ausrutscher, sondern gezielte Agitation

von Daniel Killy  23.06.2026

Osnabrück

Katar bremst bei VW-Kooperation mit israelischem Rüstungskonzern

Die Übernahme des VW-Werks in Osnabrück durch den staatlichen israelischen Rüstungskonzern Rafael ist noch nicht in trockenen Tüchern. Die Gründe sind offenbar politischer Natur

 23.06.2026

Essay

Fallstricke des Wokeismus

Gegenerzählungen zur westlichen Kolonialgeschichte bilden ein berechtigtes Korrektiv, aber was über Israel verbreitet wird, bedarf grundlegender Korrekturen

von Richard Blättel  22.06.2026