Sydney

Krankenhaus ändert ungefragt Namen von jüdischem Terroropfer

Am Bondi Beach wurde den Opfern des Terroranschlages vom 16. Dezember an den Tagen danach gedacht. Foto: picture alliance / REUTERS

Nach der öffentlichen Kritik an einem Vorfall im Liverpool Hospital hat sich die Regierung des australischen Bundesstaates New South Wales bei einer jüdischen Frau entschuldigt, deren Identität während eines Krankenhausaufenthalts ohne ihr Einverständnis verändert worden war. Die Frau war beim Terroranschlag am Bondi Beach in Sydney verletzt worden.

Wie nun bekannt wurde, war der Name der Verletzten, Rosalia Shikhverg, während ihrer Behandlung nach einer Kopfverletzung in »Karen Jones« geändert worden. Zugleich sei ihre jüdische Identität aus den Unterlagen entfernt worden. Die Maßnahme wurde nach Angaben der Behörden auf lokaler Ebene getroffen.

Premierminister Chris Minns räumte ein, dass es sich dabei um einen Fehler gehandelt habe. »Die Patientin hätte gefragt werden müssen, bevor eine solche Entscheidung getroffen wird«, sagte Minns. Man werde aus dem Vorgang Lehren ziehen.

Unzureichende Kommunikation

Auch Gesundheitsminister Ryan Park übernahm öffentlich die Verantwortung. »Das ist meine Zuständigkeit, und dafür trage ich die Verantwortung«, erklärte er. Er sprach von Versäumnissen im Umgang mit der Situation und betonte, dass die Kommunikation mit der Betroffenen und ihrer Familie unzureichend gewesen sei. »Nein, es wurde nicht gut genug mit ihr und ihrem Partner kommuniziert. Das erkennen wir an.«

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Nach Darstellung Parks erfolgte die Namensänderung in einer angespannten Lage unmittelbar nach dem Terroranschlag. Mitarbeiter des Krankenhauses hätten in einem »feindlichen und äußerst schwierigen Umfeld« gehandelt und dabei die Sicherheit der Patientin im Blick gehabt. »Die Motivation war Schutz, nicht die Verursachung von Leid«, sagte Park.

Gleichzeitig stellte der Minister klar, dass es keine konkrete Bedrohung gegen Shikhverg persönlich gegeben habe. Der Druck sei allgemeiner Natur gewesen und habe sich aus dem Umstand ergeben, dass ein schwerer Terroranschlag stattgefunden habe, der sich gegen die jüdische Gemeinschaft richtete. »Es ging um die allgemeine Lage, nicht um eine spezifische Drohung«, so Park.

Ängste des Personals

Shikhverg selbst äußerte sich tief verunsichert über den Vorfall. Sie habe sich durch die heimliche Namensänderung verängstigt gefühlt und stelle nun die Frage, ob sich jüdische Australier in Krankenhäusern im Westen Sydneys sicher fühlen könnten. Nach ihrer Einschätzung hatte die Maßnahme weniger mit dem Schutz vor Medien als vielmehr den Ängsten des Personals zu tun.

Diese Sorgen stehen im Zusammenhang mit früheren antisemitischen Vorfällen im australischen Gesundheitswesen. Im vergangenen Jahr waren zwei Pflegekräfte eines Krankenhauses in Bankstown angeklagt worden, nachdem sie israelischen Patienten mit dem Tod gedroht hatten – ein Fall, der die Verunsicherung innerhalb der jüdischen Gemeinschaft weiter verstärkte.

Ryan Park kündigte an, sich gemeinsam mit dem zuständigen Behördenleiter persönlich mit Shikhverg und ihrer Familie zu treffen. Dabei solle auch geprüft werden, ob Abläufe künftig geändert werden müssen. »Wenn es Möglichkeiten gibt, unsere Verfahren zu verbessern, dann werden wir das tun«, sagte er. im

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