Sydney

Australien begeht nationalen Trauertag nach Anschlag auf Chanukka-Event

An einer Gedenkstätte für die Opfer von Bondi Beach erinnern Steine an die 15 ermordeten Juden. Foto: picture alliance / REUTERS

Australien hält heute einen landesweiten Trauertag für die 15 Menschen ab, die bei dem Anschlag auf ein Chanukka-Fest am Bondi Beach in Sydney ermordet wurden. Am Abend (Ortszeit) sollen Millionen Australierinnen und Australier eine Schweigeminute einlegen, Kerzen anzünden und der Opfer gedenken. Es handelt sich um das schwerste Massaker des Landes seit mehr als 30 Jahren.

Um 19.01 Uhr an der australischen Ostküste (09:01 Uhr MEZ) – dem Zeitpunkt der Tat am 14. Dezember – werden die Menschen gebeten, eine Minute innezuhalten. Landesweit wehen die Flaggen auf Halbmast, Kerzen werden in Fenstern und vor Haustüren entzündet.

Der zentrale Gedenkakt findet am Abend im Sydney Opera House statt. Überlebende, Angehörige der Opfer, Rettungskräfte sowie Politiker kommen dort unter dem Motto »Light Will Win« zusammen.

Versprechen an die Welt

Nach Angaben der Ermittler hatten Sajid Akram und sein Sohn Naveed bei der Chanukka-Feier auf der berühmten Strandpromenade das Feuer auf die Besucher eröffnet. Die Tat sei von der Ideologie der Terrororganisation »Islamischer Staat« inspiriert gewesen.

Ministerpräsident Anthony Albanese erinnerte an die symbolische Bedeutung des Tatorts. »Wenn wir an Bondi denken, sehen wir nicht nur einen Strand«, sagte er vor Journalisten. »Wir sehen ihn als Teil unseres Versprechens an die Welt. Eine offene Umarmung, einen berühmten Halbmond aus Sand und Wasser, an dem Platz für alle ist.«

Unter den Opfern befanden sich ein 87-jähriger Holocaust-Überlebender, ein Ehepaar, das versucht hatte, einen der Täter zu stoppen, sowie die zehnjährige Matilda. Bei ihrer Beerdigung sei sie als ein »Sonnenstrahl« beschrieben worden. Albanese sagte über den Tatort: »Das ist ein Ort, an dem nichts zerbrechen sollte außer den Wellen. Aber in jener Nacht ist sehr viel zerbrochen.«

Anstieg antisemitischer Vorfälle

Zugleich würdigte die Regierung den Einsatz von Ersthelfern und Zivilisten. Trotz akuter Gefahr hätten Rettungskräfte Verletzte versorgt, Fremde einander Schutz geboten. Ein Ladenbesitzer, Ahmed al Ahmed, hatte einem der Angreifer eine Waffe entrissen und war damit landesweit bekannt geworden.

Der Premierminister steht seit dem Anschlag unter Druck. Kritiker werfen ihm vor, Maßnahmen gegen Antisemitismus und Extremismus zu lange hinausgezögert zu haben. Nach der Tat stimmte Albanese der Einsetzung einer hochrangigen Untersuchungskommission zu. Diese soll unter anderem das Vorgehen der Sicherheitsbehörden sowie den Anstieg antisemitischer Vorfälle beleuchten.

In dieser Woche verabschiedete das von der Labor-Partei geführte Parlament mehrere Gesetzesverschärfungen. Sie betreffen sowohl den Waffenbesitz als auch Hasskriminalität und Radikalisierung. Vorgesehen sind höhere Strafen, eine Liste verbotener Hassgruppen sowie erleichterte Visa-Ablehnungen und -Entzüge bei Extremismusverdacht.

Zuverlässigkeitsprüfungen für Waffenbesitzer

Im Bereich der Waffenkontrolle plant Australien ein nationales Rückkaufprogramm, strengere Importregeln und ausgeweitete Zuverlässigkeitsprüfungen für Waffenbesitzer. Künftig sollen auch Geheimdienste in diese Prüfungen eingebunden werden.

»Was wir brauchen, ist mehr Menschlichkeit in der Welt, weniger Konflikte – nicht nur hier, sondern überall«, sagte Albanese. »In einer Zeit der Unruhe möchte ich, dass dieses Land ein Licht für die Welt ist.«

Der 50-jährige Sajid Akram, ein indischer Staatsbürger, der 1998 mit einem Visum nach Australien eingereist war, wurde während des Angriffs von der Polizei erschossen. Sein 24-jähriger Sohn Naveed, in Australien geboren, sitzt in Haft und ist wegen Terrorismus und 15-fachen Mordes angeklagt.

Die Sicherheitsbehörden sehen sich inzwischen mit der Frage konfrontiert, ob der Anschlag hätte verhindert werden können. Naveed Akram war bereits 2019 dem australischen Geheimdienst aufgefallen, galt später jedoch nicht mehr als akute Bedrohung. Kurz vor der Tat waren Vater und Sohn auf die südlichen Philippinen gereist, was Spekulationen über mögliche Kontakte zu islamistischen Extremisten auslöste. Die Polizei betont jedoch, die bisherigen Erkenntnisse deuteten darauf hin, dass sie allein gehandelt hätten. im

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