Magdeburg

Jüdische Gemeinden in Sachsen-Anhalt kritisieren Hallervorden-Wahlkampf der CDU

Ministerpräsident Sven Schulze mit Dieter Hallervorden in Dessau Foto: picture alliance/dpa

Es ist eine ungewöhnliche Entwicklung, dass sich die Vertretung einer Religionsgemeinschaft im Endspurt eines Wahlkampfes so explizit zu Wort meldet: Nach den umstrittenen Auftritten des Komikers Dieter Hallervorden für die CDU in Sachsen-Anhalt, hat der Landesverband Jüdischer Gemeinden in Sachsen‑Anhalt ein Statement veröffentlicht: »Im Umgang mit Israel und mit dem jüdischen Leben haben alle demokratischen Parteien eine besondere Verantwortung«, ist es überschrieben.

Externer Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt, der den Artikel anreichert. Wir benötigen Ihre Zustimmung, bevor Sie Inhalte von Sozialen Netzwerken ansehen und mit diesen interagieren können.

Mit dem Betätigen der Schaltfläche erklären Sie sich damit einverstanden, dass Ihnen Inhalte aus Sozialen Netzwerken angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittanbieter übermittelt werden. Dazu ist ggf. die Speicherung von Cookies auf Ihrem Gerät nötig. Mehr Informationen finden Sie hier.

Vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt am 6. September erlebe man eine »ungewöhnlich hohe gesellschaftliche Anspannung«, heißt es in der Stellungnahme, ganz Deutschland schaue derzeit auf Sachsen-Anhalt. »Die Einbindung eines Komikers in die Wahlkampagne von Ministerpräsident Sven Schulze, der offen anti-israelische Positionen vertritt und Narrative verbreitet, die die tragischen Ereignisse in und um Israel verzerren, hat bei uns erhebliche Besorgnis ausgelöst.«

Man begrüße zwar Schulzes Aussage zu Hallervordens Anti-Israel-Positionen (»Ich habe dazu eine andere Meinung«), sie mindere aber nicht die politische Wirkung der getroffenen Aussagen. »Sie reicht zur Klarstellung aus unserer Sicht nicht aus.«

Lesen Sie auch

Schulze hatte sich unter anderem in den sozialen Medien bereits am Mittwoch erklärt, dass er Hallervordens Aussagen teilweise für falsch beziehungsweise »grundfalsch« halte. Dabei bezog er sich ausdrücklich auf den Vorwurf des Völkermords gegenüber Israel. Er halte aber an der Gesprächsreihe »Kunst braucht Freiheit« fest. Eine Demokratie müsse auch kontroverse Meinungen aushalten.

Im Statement der jüdischen Gemeinden heißt es weiter: »Wir betonen: Auf dem Rücken Israels und der jüdischen Gemeinschaft dürfen keine politischen Punkte gesammelt werden. Keine Form der Zusammenarbeit oder öffentlichen Nähe zu Personen, die die Tragödie des 7. Oktober relativieren oder anti-israelische Positionen legitimieren, darf für demokratische Parteien akzeptabel sein. Im Umgang mit Israel und mit dem jüdischen Leben haben alle demokratischen Parteien eine besondere Verantwortung. Dies beinhaltet, sich klar von all denjenigen zu distanzieren, die mit diesen Themen spielen, und ihnen argumentativ entgegenzutreten.«

»Wir betonen: Auf dem Rücken Israels und der jüdischen Gemeinschaft dürfen keine politischen Punkte gesammelt werden.« Landesverband Jüdischer Gemeinden in Sachsen‑Anhalt

Gerade in diesen angespannten Zeiten trügen demokratische Parteien, die über viele Jahre ein verlässlicher Garant für den Schutz jüdischen Lebens und die Unterstützung Israels waren und dies auch zukünftig bleiben müssen, eine ganz besondere Verantwortung für ihre öffentlichen Handlungen, so der Landesverband.

Die Stellungnahme endet mit einem Appell: »Wir rufen alle politischen Kräfte dazu auf, an die Zukunft unseres Landes und unserer Gesellschaft zu denken, Verantwortung für ihre Worte und Handlungen zu übernehmen.«

Bei dem Gesprächsformat standen bzw. stehen Hallervorden und Schulze seit Ende Juli viermal gemeinsam mit einer Moderatorin auf der Bühne. Der 90-jährige Kabarettist und Schauspieler hatte diese Auftritte auch für scharfe Kritik am Kurs von CDU und SPD in der Bundesregierung genutzt.

»Völkermord in Gaza«

Auch auf die von ihm bereits früher kritisierte Israel-Politik nimmt er Bezug: In einem Hintergrundvideo zu einer Gesangseinlage von ihm ist kurz ein Foto einer Demonstration mit dem Schriftzug »Stoppt den Völkermord in Gaza« zu sehen.

CDU-Generalsekretärin Franziska Hoppermann hatte dazu laut »Bild« gesagt: »Für die CDU Deutschlands ganz klar: Es gibt keinen Völkermord in Gaza, wir stehen an der Seite Israels und der Ukraine im Kampf gegen den Terror und Aggression.« Sie sagte weiter: »Wir stehen zur Meinungs- und Kunstfreiheit, doch auch hier gibt es Grenzen - mindestens aber muss die Kunst mit deutlichem Widerspruch leben.«

Hallervorden mischt im Wahlkampf mit, um eine AfD-Regierung nach der Landtagswahl am 6. September zu verhindern. Laut der jüngsten Infratest-dimap-Umfrage für MDR, WDR, die »Magdeburger Volksstimme« und die »Mitteldeutsche Zeitung« liegt die AfD mit 41 Prozent weiterhin deutlich vor der CDU (24 Prozent).

Die in Sachsen-Anhalt vom Landesverfassungsschutz als gesichert rechtsextrem eingestufte AfD strebt an, erstmals den Ministerpräsidenten eines Bundeslandes zu stellen. Umfragen bilden grundsätzlich nur das Meinungsbild zum Zeitpunkt der Befragung ab und sind keine Prognosen für den Wahlausgang. ja/epd/dpa

Ugandische Truppen

Nahost

Ugandas Parlament billigt Truppenentsendung nach Gaza

Auf US-Anfrage soll sich ein Kontingent der ugandischen Armee der geplanten internationalen Stabilisierungstruppe anschließen. In Afrika zählt das Land zu den größten Truppenstellern für Friedensmissionen

 07.08.2026

Meinung

Wie Georg Restle die Glaubwürdigkeit des ÖRR untergräbt

Nach dem X-Post des Journalisten hat sich Felix Schotland, Vorstand der Synagogen-Gemeinde Köln, an WDR-Programmdirektorin Andrea Schafarczyk gewandt. Wir dokumentieren das Schreiben im Wortlaut

von Felix Schotland  07.08.2026

Justiz

Israelischer Siedler wegen Tötung eines Palästinensers angeklagt

Der getötete Aktivist setzte sich gegen Siedlergewalt ein und war an dem Oscar-prämierten Film »No Other Land« beteiligt. Jetzt steht der mutmaßliche Täter vor Gericht

 07.08.2026

Dublin

Wegen Israel-Boykott: Irisches Regierungsflugzeug kann nicht mehr im Nebel landen

Beim Kauf der Maschine wurde bewusst auf das System »FalconEye« verzichtet, weil der israelische Rüstungskonzern Elbit Systems an dem Produkt beteiligt ist

 07.08.2026

AfD-Verbot

»Wachkitzeln von Gewalt- und Mordphantasien«

Der Historiker und NS-Forscher Götz Aly, der mit Blick auf die AfD bislang vor überzogenen Vergleichen mit dem Nationalsozialismus und der NSDAP gewarnt hatte, hat offenbar seine Position revidiert

 07.08.2026

Kanada

Bericht: Jüdische Studenten erleben Antisemitismus als alltägliche Realität

Fast alle befragten jüdischen Studenten geben an, innerhalb der vergangenen zwölf Monate mindestens einen antisemitischen Vorfall erlebt oder beobachtet zu haben

 07.08.2026

Miami

Antisemitischer Angriff in Starbucks-Filiale

Laut Polizei schlug eine Frau ihr Opfer mit einem Mobiltelefon. Dann habe sie mit einem Metallstuhl auf den Mann, der eine Kippa trug, losgehen wollen

 07.08.2026

Berlin

Klingbeil: AfD-Verbotsverfahren ernsthaft prüfen

Die Diskussion um ein AfD-Verbotsverfahren erhält neue Dynamik. Was sagt SPD-Chef Klingbeil und wie reagiert die Linke auf seinen Vorstoß?

 07.08.2026

Teheran/Maskat/Washington D.C.

Iran und Oman arbeiten an Hormus-Regelung – Teheran stellt Bedingungen an die USA

Iranischer Vertreter sagen, ein Rahmenabkommen für den Schiffsverkehr sei weit fortgeschritten. Eine sofortige Wiederöffnung der Wasserstraße sei damit jedoch nicht verbunden

 07.08.2026