AfD-Verbot

»Wachkitzeln von Gewalt- und Mordfantasien«

Götz Aly wurde 1947 in Heidelberg geboren. Sein Vater war der ehemalige Hitlerjugend-Funktionär Ernst Aly. Foto: picture alliance/dpa

Wie die »Frankfurter Allgemeinen Zeitung« (FAZ) am Donnerstag berichtet, hat Götz Aly seine Position zur AfD revidiert. Aly, einer der bekanntesten deutschen Nationalsozialismus-Forscher, hatte noch im August 2025 gegenüber dem »Spiegel« im Hinblick auf die Rechtsaußenpartei vor überzogenen Analogien gewarnt: »Wir stehen hier nicht kurz vor 1933. Derartigen Alarmismus halte ich für falsch.«

Ebenfalls im August 2025 sagte er der dpa: »Ich finde es nicht in Ordnung, die AfD in die Nähe der NSDAP zu rücken.« Zwar sehe er völkische und rechtsradikale Strömungen innerhalb der Partei, Begriffe wie »Nazis« oder »Faschisten« hielten einer historischen Prüfung jedoch nicht stand. Ein Parteiverbot lehnte er ab und plädierte dafür, mit Wählern und Mitgliedern der AfD »so lange reden, wie es einigermaßen sinnvoll ist«.

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Wie die FAZ berichtet, hat Aly mittlerweile jedoch seine Position revidiert. Es sei für den Historiker nun doch in Ordnung oder sogar geboten, ein Näheverhältnis von AfD und NSDAP festzustellen. Auslöser für den Sinneswandel sei die AfD-Wahlkampfveranstaltung am 14. Juli in Dessau-Roßlau gewesen. Dort sprach der Kabarettist Uwe Steimle über Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) und erwähnte in diesem Zusammenhang den Hitler-Attentäter Stauffenberg.

»Bisher habe ich ein AfD-Verbot abgelehnt. Seit dieser Wahlveranstaltung beginnt sich meine Meinung merklich zu ändern.« Götz Aly

In der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung erklärte Aly vor zwei Wochen, das Wechselspiel zwischen Redner und Publikum, die verächtliche Herabwürdigung politischer Gegner sowie das »Wachkitzeln von Gewalt- und Mordfantasien« erinnerten ihn an die rhetorischen Techniken von Hitler und Goebbels. Er fügte hinzu: »Bisher habe ich ein AfD-Verbot abgelehnt. Seit dieser Wahlveranstaltung beginnt sich meine Meinung merklich zu ändern.«

Die FAZ kommentiert dazu, dass ein Parteiverbotsverfahren in erster Linie zwar eine verfassungsrechtliche Frage sei, jedoch politisch die Bereitschaft voraussetze, einen solchen Schritt überhaupt einzuleiten. Dabei spielten Einschätzungen ausgewiesener Fachleute, wie Aly unzweifelhaft einer ist, eine erhebliche Rolle. Wenn einer der bekanntesten deutschen Nationalsozialismus-Forscher seine Position derart ändere, bleibe dies für die politische Debatte nicht folgenlos. ja

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