Washington D.C.

JD Vance verbreitet Verschwörungstheorien zu Israel und Epstein

Der amerikanische Vizepräsident JD Vance Foto: picture alliance / Nathan Howard/Pool Reuters via AP

US-Vizepräsident JD Vance hat mit Aussagen über den verstorbenen Sexualstraftäter Jeffrey Epstein eine neue Kontroverse ausgelöst. In einem Interview im Podcast von Joe Rogan behauptete er laut US-Medienberichten, Epstein habe Verbindungen »zu den höchsten Ebenen« sowohl der amerikanischen als auch der israelischen Geheimdienste unterhalten. Belege für diese Behauptungen legte Vance nicht vor.

Damit griff der Vizepräsident Spekulationen auf, die seit Jahren insbesondere in sozialen Netzwerken kursieren. Für eine Zusammenarbeit Epsteins mit dem israelischen Auslandsgeheimdienst Mossad gibt es bislang keine öffentlich bestätigten Beweise.

Vance verwies in diesem Zusammenhang auf die bekannten Kontakte Epsteins zum früheren israelischen Ministerpräsidenten Ehud Barak. Dabei äußerte er den Eindruck, Epstein habe vor allem Beziehungen zu »linksliberalen Elementen des israelischen Deep State« unterhalten. Zugleich betonte Vance, in den USA habe Epstein parteiübergreifend Kontakte gepflegt. »Er hatte republikanische Freunde, er hatte demokratische Freunde«, sagte der Vizepräsident.

Umfang überschätzt

Im selben Podcast räumte Vance zudem Fehler der Trump-Regierung beim Umgang mit den sogenannten Epstein-Akten ein. »Wir haben die Kommunikation rund um die Epstein-Akten absolut vermasselt«, sagte er. Die Regierung habe zwar Fehler gemacht, jedoch nicht mit der Absicht, Informationen zu verbergen.

Lesen Sie auch

Nach Ansicht des Vizepräsidenten hätten sämtliche verfügbaren Unterlagen von Anfang an veröffentlicht werden sollen. »Ich denke, wir hätten einfach gleich zu Beginn alles veröffentlichen sollen. Wir hätten das so schnell wie möglich tun müssen«, sagte Vance.

Als Ursache für die Verwirrung nannte er unter anderem frühere öffentliche Aussagen der damaligen Justizministerin Pam Bondi. Diese habe den Umfang der verfügbaren Unterlagen überschätzt. Vance betonte allerdings, er glaube nicht, dass Bondi dabei böswillig gehandelt habe. Sie habe vielmehr versucht, auf die politische Stimmung zu reagieren.

Jede denkbare Spur

Die Kritik erfolgt vor dem Hintergrund anhaltender Debatten innerhalb des republikanischen Lagers über den Umgang der Regierung mit den Epstein-Dokumenten. Teile von Trumps Anhängerschaft werfen der Regierung vor, die Aufklärung unnötig verzögert zu haben.

Vance bezeichnete sich selbst als langjährigen Anhänger von Verschwörungstheorien rund um den Fall Epstein. Er sagte, er habe sich mit nahezu jeder denkbaren Spur beschäftigt. »Ich bin einer der O.G.-Verschwörungstheoretiker (O.G. steht für Original Gangster, Anm. d. Red.) zu Epstein«, sagte der US-Vizepräsident im Gespräch mit Rogan. Seiner Ansicht nach seien bereits die Ermittlungen in den Jahren 2007 und 2008 zu eng geführt worden. Sollte es tatsächlich ein größeres Netzwerk gegeben haben, dann sei damals die beste Gelegenheit gewesen, dieses vollständig aufzudecken.

Zugleich verteidigte der Vizepräsident Präsident Donald Trump gegen den Vorwurf, die Freigabe der Akten verhindert zu haben. Trump hätte entsprechende Initiativen des Kongresses stoppen können, habe dies jedoch nicht getan, argumentierte Vance. Gleichwohl räumte er erneut ein, dass die Veröffentlichung der Unterlagen insgesamt zu lange gedauert habe. »Wenn die Leute sagen, wir haben die Veröffentlichung der Epstein-Akten schlecht gehandhabt, dann bekenne ich mich schuldig«, sagte er. im

Kommentar

Ein Tag der Schande

Die Linkspartei, SPD und Grüne haben ihre Sondierungen beendet. Nun wollen sie in Berlin eine Regierung bilden

von Philipp Peyman Engel  17.10.2026

Berlin

Remmo: Koçak hat bei mir im Büro gesessen

Wie eng war der Kontakt des Linken-Bundestagsabgeordneten Koçak zur Großfamilie Remmo? Nach der Berliner Wahl kamen Chatnachrichten ans Licht, die er als Fehler bezeichnete. Gab es auch ein Treffen?

 16.10.2026

Berliner Sondierungen

Özdemir: Berliner Linke hat sich »radikalisiert«

Baden-Württembergs Ministerpräsident Cem Özdemir schaut mit Sorge auf die politischen Geschehnisse in der Bundeshauptstadt. Seiner Ansicht nach hat sich die Berliner Linke radikalisiert

 16.10.2026

Meinung

Keine Wahlen in Palästina: Armutszeugnis für den Westen

Mahmud Abbas hat die Wahlen in den Palästinensergebieten erneut um ein Jahr verschoben und bricht damit seine Zusagen. Wann zieht man in Europa endlich Konsequenzen?

von Jacques Abramowicz  16.10.2026

Bremens Bürgermeister Andreas Bovenschulte (SPD)

Rede des Bundesratspräsidenten

Bovenschulte zu AfD-Verbot: »Prüfen heißt nicht verbieten«

Seine letzte Rede als Bundesratspräsident nutzt Andreas Bovenschulte für einen Appell. Es geht darum, wie weit die Demokratie im Umgang mit der AfD gehen sollte – und warum kein Fehler passieren darf

 16.10.2026

München

Oberrabbiner Goldschmidt: »Wir können nicht immer wegrennen«

Jüdisches Leben in Europa hat eine Zukunft, aber nicht von allein. Dafür braucht es nach den Worten des Oberrabbiners Pinchas Goldschmidt Partner in den Regierungen und in der Zivilgesellschaft

von Barbara Just  16.10.2026

Meinung

Die Berliner Linke und ihr DDR-Vorleben

Linker Antisemitismus, Israelfeindschaft und Genozid-Vorwurf – all das gab es bereits in der DDR unter dem Regime der Linkspartei-Vorläuferin SED

von Steffen Alisch  16.10.2026

Staatsanwaltschaft

Der Bundestag hebt die Immunität von SPD-Abgeordnetem Adis Ahmetovic auf

Ermittler durchsuchen sein Büro und Wohnungen wegen des Verdachts verbotener Absprachen

von Leonard Fischer  16.10.2026

Annäherung

Warum die FPÖ auf ein Gütesiegel aus Israel hofft - Österreichs Rechte knüpfen Verbindungen zum Likud

Noch stehen in Österreich keine Wahlen an. Dennoch will die rechte FPÖ ihr aktuelles Umfrage-Hoch mit einer Strategie untermauern, die verwundert: Die einstige Altnazi-Partei sucht Unterstützung aus Israel

von Markus Schönherr  16.10.2026