Berlin

Friedman ruft Grüne zu mehr Widerstand gegen die AfD auf

Michel Friedman Foto: picture alliance/dpa

Die Grünen warnen vor einem Erstarken faschistischer Tendenzen in Deutschland - auch mit Blick auf die nächsten Bundestagswahlen. Der Co-Parteivorsitzende Felix Banaszak sagte bei einem von den Grünen organisierten Kongress in Berlin: »2029 wird wieder gewählt und dann 2033 - genau hundert Jahre wird es dann her sein, dass Macht und Herrschaft und Gewalt erst stillschweigend, vorsichtig, unauffällig und dann brutal beschleunigt an Faschisten übertragen wurde.« Geschichte müsse sich nicht wiederholen, fügte er hinzu, sondern »wir können aus ihr lernen und wir können es besser machen«.

Im Januar 1933 wurde Adolf Hitler Reichskanzler. In den folgenden Monaten konnten die Nazis ihre Macht festigen. Bei der Reichstagswahl im März 1933 wurde die NSDAP stärkste Partei, verfehlte aber mit 43,9 Prozent die absolute Mehrheit. Wenige Tage später verabschiedete der Reichstag das Ermächtigungsgesetz. Hitlers Regierung konnte nun Gesetze ohne das Parlament erlassen.

Noch deutlicher wurde der jüdische Publizist Michel Friedman, der bei dem Kongress nach Banaszak eine mit viel Applaus bedachte Rede hielt. Er sagte mit Bezug auf die AfD, »dass wir in diesem Land eine Partei haben, ich nenne sie nicht mehr Rechtsextremisten, das ist verharmlosend – und bei den meisten Menschen ist das so ein Thema, als wäre das etwas für die Minderheiten«. Die AfD sei »eine Partei, die diese Verfassung zerstören will«. Ihr gehe es darum, wieder eine Systematik in Deutschland aufzubauen, durch die »Menschen ihre Freiheit verlieren, ihre Würde verlieren, ihr Menschsein verlieren«.

Lesen Sie auch

Verbotsverfahren ja oder nein?

Die bequemen, gleichgültigen Demokraten müssten sich darüber klarwerden, »was sie verlieren, wenn die Partei des Hasses gewinnt«, mahnte Friedman. Er sagte: »Die AfD kann Menschen wieder definieren wollen. Wir haben uns doch versprochen, dass in diesem Land nicht mehr politisch möglich sein soll, dass ein Mensch bestimmt, ob ein Mensch ein Mensch ist.« Jeder sei aufgerufen zu intervenieren, wenn ein Schwarzer, ein jüdischer Mensch, ein Muslim, ein behinderter Mensch, ein queerer Mensch, wenn jemand aus dem Kreis der Roma und Sinti nicht mehr als Mensch, sondern nur noch als Vertreter einer Gruppe gesehen werde.

Friedman erinnerte an die Möglichkeit für Bundestag, Bundesregierung und Bundesrat, ein Parteiverbotsverfahren gegen die AfD zu beantragen. Es reiche nicht, sich politisch mit der Partei auseinanderzusetzen. Das Argument, man könne nicht wissen, wie ein Verbotsverfahren ausgehe, sei nicht stichhaltig, denn »wüssten wir, wie ein Verfahren vor dem Bundesverfassungsgericht zu Ende geht, wären wir in einer Diktatur«.

Banaszak rief die Mitglieder seiner Partei auf, in den bevorstehenden Landtagswahlkämpfen in Berlin, Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern näher an die Menschen heranzurücken, mit Energie- und Mieterberatung oder Angeboten, die Spaß machen - von der Fahrradtour bis zum Karaoke-Abend. dpa

Brüssel

EU setzt nach Wahl in Israel auf enge Zusammenarbeit

Nach der Parlamentswahl in Israel stehen Verhandlungen über die nächste Regierung an. Die EU will mit ihr zusammenarbeiten – und zugleich bestehende Meinungsverschiedenheiten offen ansprechen

 28.10.2026

Meinung

Alice Weidel und die AfD-Leaks

Einer Partei, in deren Reihen NS-Verbrechen relativiert werden, dürfen der Schutz jüdischen Lebens und die Pflege der Erinnerungskultur niemals anvertraut werden.

von Michaela Dudley  28.10.2026

Vanessa Emde (Die Linke)

Berlin

So geht es im Streit um Vanessa Emde weiter

Die Linke tut sich schwer, einen Umgang mit der israelfeindlichen Abgeordneten zu finden, die sich über Fraktionsentschlüsse hinwegsetzt. »Hier geht Gründlichkeit vor Schnelligkeit«, heißt es aus der Partei

 28.10.2026

Berlin

Polizei: Aufrufe zu Gewalt verfangen derzeit nicht

Bundesweite Aufrufe zum Protesttag an Halloween: Nach gewaltsamen Demonstrationen in Frankreich stellt sich die Berliner Polizei auf einen Großeinsatz ein. Hinweise auf Plünderungspläne gibt es nicht

 28.10.2026

Nürnberg

Interaktives NS-Dokumentationszentrum öffnet

Nach fünf Monaten Probebetrieb wird das neu gestaltete Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände in Nürnberg am kommenden Mittwoch feierlich eröffnet. Im Zentrum des Ausstellungskonzepts stehen Barrierearmut und ein multimediales Angebot

von Julia Riese  28.10.2026

Reaktion

Laschet: Chancen auf politische Versöhnung in Israel gestiegen

Der Ausgang der Wahl in Israel ist unklar - die Auszählung dauert an. Doch CDU-Außenpolitiker Armin Laschet äußert sich in einer ersten Einschätzung zuversichtlich

 28.10.2026

Washington D.C.

Trump will Ben-Gvir offenbar aus Netanjahus nächster Regierung heraushalten

Angesichts der unklaren Mehrheitsverhältnisse nach der Parlamentswahl könnte der US-Präsident zudem auf eine nationale Einheitsregierung drängen

 28.10.2026

Meinung

Wieder ein »kleiner Geländegewinn«

Die Linken-Abgeordnete Vanessa Emde hat es erneut geschafft, die Regierungsunfähigkeit ihrer Partei zu demonstrieren

von André Anchuelo  28.10.2026

Magdeburg

CDU-Abgeordnete sollten eidesstattliche Erklärung unterschreiben

Seit der Wahl eines AfD-Politikers zum Landtagspräsidenten steht der Verdacht im Raum, Stimmen könnten aus der CDU gekommen sein. Wie die Fraktion damit umgeht

 28.10.2026