Nahost

Freunde auf Abstand: Moskau, Peking und der Iran-Krieg

Die Präsidenten Vladimir Putin und Xi Jingpin (zwei Bilder vereint) Foto: picture alliance/TASS/Li Xiang

Feierlich besiegelten Kremlchef Wladimir Putin und der iranische Präsident Massud Peseschkian noch im vergangenen Jahr ihr als historisch bezeichnetes Abkommen über eine strategische Partnerschaft. Doch schon im Zwölf-Tage-Krieg im Sommer wurde schnell klar, was sich auch jetzt bei den israelischen und US-Angriffen auf den Iran bestätigt: Russland hilft mit Waffen, aber ein militärischer Beistand ist nicht vorgesehen - weder in dem Abkommen noch ist er realistisch.

Auch China, das wie Russland im UN-Sicherheitsrat die Angriffe verurteilt und zu Verhandlungen aufruft, bleibt Zuschauer in dem Konflikt.

Putin beschränkt sich weitgehend auf Worte der Unterstützung für den Iran, will sich die für Moskau ebenfalls wichtigen Beziehungen im Nahen Osten zu Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten nicht verderben. Zudem verdankt Putin dem Iran-Krieg einen Anstieg der Öl- und Gaspreise, was seiner Kriegskasse für die Invasion in der Ukraine nach den Verlusten zuletzt hilft.

Russische Flugzeuge

Und er hat einen guten Vorwand, dem Freund Iran militärisch nicht beispringen zu können: Die russischen Kräfte sind - auch bei der Waffenproduktion - durch seinen Angriffskrieg gegen die Ukraine gebunden. Dabei half Teheran Moskau gerade in den Anfängen des Krieges vor allem mit Kamikazedrohnen. Nun muss die im Krieg unter Druck stehende Ukraine zusätzlich befürchten, dass ihre westlichen Unterstützer ihre Aufmerksamkeit und Waffen stärker auf den Iran lenken. Auch das gefällt Putin.

Der Nahost-Experte Nikita Smagin sagt, Russland liefere zwar weiter Waffen an den Iran, aber nichts davon falle bei dem jetzigen Kräfteverhältnis in dem Krieg wirklich ins Gewicht. »Im besten Fall kommen die Waffen bei der Unterdrückung von Protesten oder Aufständischen zum Einsatz«, schreibt er in einer Analyse für die Denkfabrik Carnegie. Schon im Januar, als im Iran Tausende Demonstranten getötet wurden, seien russische Waffen zum Einsatz gekommen.

Teheran nutzt vor allem die in der Vergangenheit von Russland gelieferten S-35-Kampfflugzeuge und Flugabwehrsysteme vom Typ S-300 und bekam nach Recherchen Smagins zuletzt neben Scharfschützengewehren vom Typ ORSIS T-5000 auch gepanzerte »Spartak«-Fahrzeuge und Kampfhubschrauber.

Gefahr einer Strahlenkatastrophe

Zwar gelten Russlands wirtschaftliche Interessen im Iran als nicht so gewichtig wie die Chinas. Doch bauen die Russen dort einen zweiten Reaktor für das einzige Atomkraftwerk des Landes in Buschehr. Putin müsse seinen Draht zu US-Präsident Donald Trump und Israels Premier Benjamin Netanjahu nutzen, damit die russischen Mitarbeiter in Sicherheit gebracht werden könnten, sagt der Chef des staatlichen russischen Atomkonzerns Rosatom, Alexej Lichatschow. Er warnt auch vor der Gefahr einer Strahlenkatastrophe wegen der Angriffe auf die Atomanlagen.

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Moskau unterstützt Teheran seit langem bei der friedlichen Nutzung der Atomenergie und hat im Konflikt um das iranische Nuklearprogramm auch immer wieder angeboten, umstrittenes Material aufzunehmen.

China greift im Krieg bislang ebenfalls nicht direkt ein. »Typisch schwach« sei Pekings öffentliche Reaktion, schreibt der China-Experte Tuvia Gering vom Atlantic Council. Die Führung in Peking beschränke sich auf scharfe diplomatische Kritik an den USA und Israel, ohne Teheran militärisch zur Seite zu springen.

Diplomatisch und wirtschaftlich

Iran sei für China einerseits »das verlässlichste antiwestliche Bollwerk und eine Quelle stark verbilligten Öls«, argumentiert Gering. Gleichzeitig habe Peking große wirtschaftliche Interessen in den Golfstaaten. China muss also darauf achten, keinen seiner Partner in der Region vor den Kopf zu stoßen.

Laut Gering verfügen die Chinesen im Nahen Osten auch gar nicht über die Mittel, »um die militärische Dominanz der USA und Israels auszugleichen«. China, so sagen Beobachter, versuche seinen Einfluss eher diplomatisch und wirtschaftlich auszubauen. Gleichwohl hat Peking Teheran politisch aufgewertet, etwa durch die Aufnahme in BRICS, eine Gruppe großer Schwellenländer, und die Shanghai Cooperation Organisation, ein regionales Sicherheitsbündnis. Doch auch von denen ist dieser Tage wenig zu hören. 

Ein rasches Ende der Kämpfe liegt für China vor allem aus wirtschaftlichen Gründen im eigenen Interesse. Entscheidend ist die Lage in der Straße von Hormus, einer der wichtigsten Öltransportrouten der Welt. Die Ökonomin Alicia García-Herrero von der Investmentbank Natixis weist darauf hin, dass die derzeitige Krise für China schwerwiegender sei als der US-Eingriff in Venezuela. Iran allein liefere rund 13 Prozent der chinesischen Ölimporte. 

Strategischer Vorteil

Zusammen mit den Lieferungen aus den Golfstaaten kommt Schätzungen zufolge rund die Hälfte der chinesischen Ölimporte aus der Region. Zwar gelten Chinas strategische Reserven - auch dank russischer Lieferungen - als gut gefüllt. Zudem hat Peking seine Ölkäufe stärker diversifiziert. Doch auf Dauer kann die chinesische Wirtschaft auf diese Mengen kaum verzichten.

Der Nahost-Kenner Ahmed Aboudouh von der Londoner Denkfabrik Chatham House sieht aber zugleich einen möglichen strategischen Vorteil für Peking. Wiederkehrende Eskalationen im Nahen Osten könnten das US-Militär binden und Washington vor Chinas Haustür im Indo-Pazifik ablenken.

In wenigen Wochen steht ein Besuch von US-Präsident Donald Trump in Peking an. Der Konflikt dürfte auch dort eine Rolle spielen. Beobachter fragen bereits, welchen Preis Peking für seine Zurückhaltung verlangen könnte.

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