Trauer

Ex-Fed-Chef Alan Greenspan ist gestorben

Alan Greenspan, hier bei einer Anhörung im US-Kongress 1992, war von 1987 bis 2006 Chef der amerikanischen Zentralbank und damit einer der mächtigsten Wirtschaftslenker der Welt Foto: picture alliance / ASSOCIATED PRESS

Der frühere langjährige Chef der US-Notenbank Fed, Alan Greenspan, ist gestorben. »Die Federal Reserve nimmt mit tiefer Trauer den Tod von Alan Greenspan zur Kenntnis«, teilte die Notenbank mit. Der Ökonom wurde 100 Jahre alt. Lange genoss er in einer breiten Öffentlichkeit Kultstatus. Kritiker verweisen aber auf den Finanzcrash 2008, den sie mit seinem Namen in Verbindung bringen.

Er stand für amerikanischen Kapitalismus

18 Jahre lang stand er an der Spitze der Notenbank, die auch für Deutschland und weltweit eine wichtige Rolle spielt. Er rückte 1987 an die Spitze des mächtigen Gouverneursrates und blieb dort bis 2006. Er wirkte in einer Zeit andauernden Wohlstands und wurde zum Symbol für den Kapitalismus amerikanischer Art. Greenspan hielt die Inflation während seiner Zeit als Fed-Chef niedrig. Die »New York Times« schrieb, dass sein Gesicht hinter der dicken Brille auf dem Höhepunkt seines Ruhmes so bekannt gewesen sei wie das eines Filmstars. Zugleich war er jemand, der sich in der Öffentlichkeit oftmals kryptisch ausdrückte.

Es war eine bewegte politische Zeit, durch die Greenspan die Notenbank führte: Zwischen den Ausläufern des Kalten Kriegs, dem Terroranschlag auf das World Trade Center in New York und dem Beginn des digitalen Zeitalters. Vor allem, dass Greenspan den wirtschaftlichen Schwierigkeiten infolge des Anschlags auf das World Trade Center mit seiner Geldpolitik gegensteuerte, rechnen ihm viele bis heute hoch an.

Greenspan hielt Zinssätze vergleichsweise niedrig

Die »New York Times« schreibt über Greenspans Wirken, der Ökonom habe dazu geneigt, die Zinssätze niedriger zu halten, es als traditionelle ökonomische Modelle nahelegten. Mit dem Ansatz schien er demnach zu einem großen Teil seiner Amtszeit richtig gelegen zu haben - vor allem in den späten 1990er Jahren.

Greenspan steuerte das Geldhaus durch Präsidentschaften sowohl von Demokraten als auch von Republikanern im Weißen Haus. Die »New York Times« bezeichnet ihn als Meister des politischen Machtspiels. Er habe Erfahrungen als Politikberater im Präsidentschaftswahlkampf von Richard Nixon im Jahr 1968 gesammelt.

Fed: Greenspan stärkte Glaubwürdigkeit des Hauses

Die Fed betont Greenspans strenge analytische Disziplin bei geldpolitischen Entscheidungen. Diese habe maßgeblich dazu beigetragen, die Glaubwürdigkeit des Hauses zu stärken. Die Fed ist zurzeit immer wieder in den Schlagzeilen, weil US-Präsident Donald Trump Druck auf die Spitze der Notenbank ausübt, damit sie die Zinsen nach seinem Willen senkt. Die Bank stemmt sich bislang gegen diesen Druck und agiert unabhängig.

Kritiker: Fahrlässige Deregulierung des Finanzsektors

Greenspans Wirken wird nicht von allen durchweg positiv gesehen. Sein Name bleibt auch verbunden mit der Finanzkrise 2008. Eine fahrlässige Niedrigzinspolitik und die Deregulierung des Finanzsektors habe den Boden für den Crash bereitet, so der Vorwurf. Greenspan selbst musste das Chaos nicht mehr aufräumen, sondern seine Nachfolger. Er ging 2006 in Rente.

Greenspan, der in New York als Sohn eines Börsenmaklers aufwuchs, starb laut der Journalistin Andrea Mitchell, die für den TV-Sender NBC News tätig ist und mit dem Ökonom verheiratet war, an den Folgen seiner Parkinson-Krankheit. Er sei ehrlich genug gewesen, auch seine eigenen Fehler einzugestehen, hieß es weiter. Kritiker sehen das bis heute anders.

Meinung

Wenn niemand sonst zu Israel steht

Unser Autor ist Schüler auf einem Gymnasium nahe Köln. Mit Entsetzen musste er feststellen, dass Antisemitismus und Israelhass in seiner Klasse weit verbreitet sind. Nun fragt er sich: Wie kann das sein?

von Jan Tersteegen  22.06.2026

Verhandlungen

USA lockern Sanktionen auf iranisches Öl

Nach »produktiven« Gesprächen mit dem Iran setzen die USA Teile ihrer Sanktionen gegen den Iran vorübergehend aus. Die Maßnahme könnte dem Iran Milliarden einbringen und die Energiemärkte beruhigen

 22.06.2026

Debatte

Jüdischer Verein verlangt Schutz für das Tragen religiöser Symbole

Der Fall sorgte bundesweit für Aufsehen: Bei einem Prozess wegen Volksverhetzung in Flensburg musste eine Zuschauerin ihre Davidsternkette ablegen. Der Verein Jüdischer Hochschullehrender fordert nun Maßnahmen von der Justiz

 22.06.2026

Berlin

Mann mit Kippa beleidigt und bespuckt

Laut eines Medienberichts kam es am Samstag in Berlin-Charlottenburg zu einem antisemitischen Vorfall

 22.06.2026 Aktualisiert

Essay

Das Kopftuch und die Freiheit

Die radikalen Kräfte in der muslimischen Community bestimmen zunehmend den Kurs. Wenn dies ohne Gegenwehr von den moderaten Kräften hingenommen wird, ist irgendwann der Kipppunkt erreicht

von Daniel Neumann  22.06.2026

Berlin

Nova-Ausstellung: Interne Unterlagen zeigen Streit um Fördergeld

Die Finanzierung des Projekts war bis zuletzt umstritten. Eine angekündigte Kürzung der Landesförderung in Höhe von mehreren Hunderttausend Euro wurde zurückgenommen

 22.06.2026

Hamburg

Er spionierte Josef Schuster und Volker Beck aus: Däne vor Gericht

Der Mann mit afghanischen Wurzeln soll im Auftrag des Iran spioniert haben

 22.06.2026

Bundeswehr

Fünf Jahre Militärrabbinat

Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) betonte, die Jüdische Militärseelsorge bereichere den Dienstalltag und schärfe die ethische Orientierung der Streitkräfte

 22.06.2026

Berlin

Pantisano entschuldigt sich für Faschismus-Vorwurf gegen CDU

Der neue Linken-Chef hat mit seiner Wortwahl über vermeintlich »faschistische Politik« der Union Empörung ausgelöst. Jetzt rudert er zurück

 22.06.2026