Leipzig

Dobrindt: Deutsche Drohnenabwehr mit Unterstützung Israels

Bundesinnenministter Alexander Dobrindt (CSU) bei seiner Pressekonferenz am Mittwochabend in Leipzig Foto: picture alliance/dpa

Der Vorfall mit einer Sprengstoff-Drohne am Flughafen Leipzig/Halle war aus Sicht von Bundesinnenminister Alexander Dobrindt ein Anschlagsversuch. Nach seiner Einschätzung handele es sich um ein »hybrides Anschlagsszenario«, sagte der CSU-Politiker am Mittwochabend vor Ort.

»Dass eine Drohne bewaffnet mit Sprengstoff sich hier auf einem Flughafengelände befindet, das ist ein neues Bedrohungsszenario«, so Dobrindt. Mutmaßliche Drahtzieher nannte er nicht. Er sagte, man habe es mit einem Wettbewerb zu tun, der »möglicherweise auch fremde Mächte« mit einschließe, die offensichtlich zu erheblicher Verunsicherung in Deutschland beitragen wollten.

In seiner Pressekonferenz kündigte der Bundesinnenminister auch an, man werde die Herausforderung der Drohnenabwehr auch mit »Unterstützung aus Israel, mit israelischer Technik«, und mithilfe der Ukraine versuchen zu bewältigen. Einzelheiten wollte Dobrindt nicht nennen, damit die Täter keine Rückschlüsse ziehen könne. Man bereite sich in jedem Fall auf »mögliche weitere Bedrohungsszenarien« vor. »Es ist aus der jetzigen Erkenntnis so, dass wir davon ausgehen müssen, dass dieser Sprengstoff militärischer Sprengstoff ist«, sagte er später in den ARD-»Tagesthemen«.

Mit hybriden Angriffen sind in der Regel Angriffe im Verborgenen gemeint, die nicht auf direkte Konfrontation abzielen, sondern Verunsicherung schaffen sollen. Dabei können verschiedene Instrumente wie Sabotage, wirtschaftlicher Druck oder Desinformation zusammenkommen.

Die Drohne mit der Sprengvorrichtung war in der Nacht auf der Start- und Landebahn »Südpiste« am Flughafen Leipzig/Halle entdeckt worden. Sie befand sich nach Angaben aus Sicherheitskreisen nahe einer ukrainischen Transportmaschine vom Typ Antonow AN-124 Condor. Spezialisten der Bundespolizei entschärften die Sprengvorrichtung.

Ein mutmaßlich zweites unbekanntes Flugobjekt sei mit einem Frachtflugzeug zusammengestoßen, nachdem das Flugzeug wegen der zuvor erfolgten Sperrung der Landebahn wieder durchgestartet sei, erklärte das sächsische Landeskriminalamt (LKA). An der Maschine wurden nach der Landung in Hannover leichte Beschädigungen festgestellt.

»Professionelle hybride Bedrohungslage«

Solche hybriden Bedrohungslagen müssten sehr professionell vorbereitet und umgesetzt werden, sagte Dobrindt. Man brauche dafür ein hohes Maß an Technikerfahrung, auch Erfahrung im Umgang mit Sprengstoff müsse vorhanden sein. »Das alles deutet nicht auf amateurhaftes Vorgehen hin. Wir reden hier von einer professionellen hybriden Bedrohungslage, mit der wir uns weiter auseinandersetzen müssen«.

Das ukrainische Luftfahrtunternehmen Antonow errichtet derzeit am Flughafen Leipzig/Halle einen neuen Wartungshangar. Der Bau soll in der ersten Jahreshälfte 2027 fertiggestellt werden. Die Ukrainer sind schon seit 2006 mit einer Wartungsbasis an dem Flughafen vertreten. Infolge des russischen Angriffskriegs haben sie ihre Flotte komplett dorthin verlegt. Sechs Maschinen sind hier stationiert.

Im Juli 2024 hatte es schon einmal einen relevanten Vorfall auf dem Flughafen Leipzig gegeben, als es beinahe zu einem Flugzeugabsturz hätte kommen können. Einem glücklichen Zufall war es zu verdanken, dass ein Paket, das einen Brandsatz enthielt, noch am Boden im DHL-Logistikzentrum Leipzig und nicht während des Fluges in Brand geriet.

Wie an anderen Flughäfen auch musste der Flugverkehr in Leipzig in den vergangenen Jahren nach Drohnensichtungen mehrmals eingestellt werden. Im vergangenen Herbst hatte der Betrieb am Flughafen München wegen Drohnen-Überflügen wiederholt eingestellt werden müssen. In der Folge wurde ein Gemeinsames Drohnenabwehrzentrum zum Austausch zwischen Bund und Bundesländern bei der Bundespolizei eingerichtet, das laut Dobrindt auch im aktuellen Fall aktiv ist.

Ukraine vermutet Russland hinter dem Angriff

Auf die vom Innenministerium zugesagte Ausstattung mit Systemen zur Detektion und Abwehr von Drohnen warten die Flughäfen Berlin, München, Düsseldorf, Stuttgart, Hamburg, Leipzig/Halle und Köln/Bonn allerdings noch, wie der Hauptgeschäftsführer des Flughafenverbands ADV, Ralph Beisel, erklärte.

Frachtflugzeug vom Typ Antonow AN-124 am Flughafen Leipzig/HalleFoto: picture alliance/dpa

Der Botschafter der Ukraine in Deutschland, Oleksii Makeiev, vermutet Russland hinter dem Drohnen-Vorfall. »Ich hoffe, dass auch all die Behörden in Deutschland jetzt die Tatsachen feststellen. Aber wer könnte es noch sein außer Russland?«, sagte er dem Nachrichtensender »Welt TV«.

Die Ukraine habe im Verteidigungskrieg gegen Russland viele Erfahrungen mit Drohnen gesammelt, betonte Makeiev. »Unsere Erfahrung ist einmalig. Und wir bieten unserem strategischen Partner Deutschland diese Erfahrungen vom Militär, von unseren Feuerwehrleuten, von unseren Ärzten an zur Verfügung.« dpa/ja

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