Nahost

Bedroht der Huthi-Vormarsch im Jemen den Welthandel?

Ein Frachtschiff nahe der Küste des Jemen (Foto von Juli 2023) Foto: picture alliance / AA

Nach einer Offensive der Huthi-Miliz im Jemen steigt die Befürchtung vor einem weiteren Engpass für den internationalen Seehandel. Die antisemitische Gruppe, deren erklärtes Ziel die Vernichtung Israels ist, kontrolliert nun die gesamte Westküste des Landes und damit einen zentralen Schifffahrtsweg für den Welthandel. Schon einmal konnte die Miliz mit Angriffen im Roten Meer internationale Lieferketten stören. Was bedeutet der Vormarsch diesmal? 

Warum ist das Bab al-Mandab so wichtig? 

Das Bab al-Mandab ist eine Meerenge an der Südspitze der Arabischen Halbinsel und bildet den Eingang zum Roten Meer. An der schmalsten Stelle lediglich etwa 30 Kilometer breit liegt sie etwa 2.200 Kilometer südlich des Suezkanals. 

In normalen Zeiten passieren etwa zehn Prozent des weltweiten Seehandels und 30 Prozent des weltweiten Containerverkehrs die auch als »Tor der Tränen« bezeichnete Meerenge. Bereits Ende 2023 kam der Seeverkehr dort durch Drohungen und Beschuss der Huthi-Miliz massiv unter Druck. 

Lieferketten wurden damals zwar gestört, etwa mussten Automobilhersteller in Europa ihre Produktion teilweise drosseln, da sich die Lieferung von Bauteilen verzögerte. Auch verteuerten sich Schiffstransporte kurzfristig massiv. Aber einen nachhaltigen, signifikanten Effekt auf Preise für Konsumenten konnten Studien durch die Störung nicht nachweisen. 

Die Bedeutung der Meerenge ist durch die Krise an der Straße von Hormus jedoch noch gestiegen: Saudi-Arabien versucht etwa, einen Teil seiner Ölexporte nach Asien über das Rote Meer umzuleiten. Eine zusätzliche Sperrung des Bab al-Mandab würde daher zwei wichtige Wege für Handel und Energietransporte gleichzeitig treffen. 

Ist der Welthandel jetzt blockiert? 

Nein, bisher nicht. Die Huthi werden zwar vom Iran unterstützt, liegen derzeit aber insbesondere mit Saudi-Arabien im Konflikt. Bei einem Treffen in der US-Botschaft im Oman hätten die Huthi Vertretern der USA zugesichert, rund um die wichtige Meerenge Bab al-Mandab im Roten Meer und dem Golf von Aden keine Schiffe der USA und Israels anzugreifen, erfuhr die Deutsche Presse-Agentur diese Woche aus Diplomatenkreisen in Riad.

Die Miliz hatte zuvor eine »Blockade« für saudische Schiffe angekündigt und daraufhin mehrere saudische Schiffe angegriffen oder zu Kursänderungen gezwungen. Aus Daten des Analyseunternehmens Kpler, die der dpa vorliegen, geht ein Rückgang an Schiffspassagen durch die Meerenge hervor: Demnach waren es Mitte Juli im Schnitt noch 46 Transite täglich. Die Zahl fiel auf 33 am Donnerstag. 

Welche Alternative zu dieser Meerenge gibt es? 

Schiffe zwischen Asien und Europa können Afrika südlich über das Kap der Guten Hoffnung umfahren. Diese Route vermeidet das Bab al-Mandab, das Rote Meer und den Suezkanal. Sie ist allerdings erheblich länger und teurer. Der Datenanbieter Windward bezifferte die zusätzlichen Kosten im Juli auf rund zwei Millionen US-Dollar je Fahrt. 

Im Zuge der vergangenen Angriffe der Huthi im Roten Meer hatten viele Reeder auf die längere Route um das Kap der Guten Hoffnung umgestellt. 

Die Reederei-Allianz »Gemini« von Maersk (Dänemark) und Hapag-Lloyd (Deutschland) fährt mit mehreren Liniendiensten durch das Rote Meer statt um das Kap der Guten Hoffnung, und das teils schon seit Monaten. Hapag-Lloyd erwägt gegenwärtig, weitere Fahrten zwischen Europa und Asien durch den Suezkanal umzurouten. Die weltgrößte Reederei MSC kündigte Anfang der Woche an, teils Fahrten durch das Rote Meer wieder aufzunehmen. 

Was bedeutet die Situation für die deutsche Wirtschaft? 

Deutschland ist von der Route durch das Rote Meer deutlich abhängig. Einer vom Bundeswirtschaftsministerium beauftragten Ifo-Studie zufolge passierte 2023 annähernd ein Zehntel der deutschen Importe das Rote Meer. Das Einfuhrvolumen auf dieser Route lag bei 136 Milliarden Euro. 

Lesen Sie auch

Ob mögliche Verwerfungen in der Seepassage die Inflation anheizen würden, ist schwer abzusehen. Nach Einschätzung des dänischen Containerschifffahrtsexperten Lars Jensen hinge das Ausmaß von Preissteigerungen maßgeblich von den transportierten Waren ab. Bei kleinen, teuren Waren wie Markenschuhen gebe es je Paar Auswirkungen im Centbereich, weil Tausende Schuhe in einen Seecontainer gepackt werden könnten. Sperrige Waren wie Kühlschränke verteuerten sich dagegen stärker. 

Steigen in Deutschland wegen der Situation die Spritpreise? 

Analysten verändern seit Monaten regelmäßig ihre Prognosen für Energiepreise. Die volatile Lage des Iran-Kriegs macht solche Schätzungen derzeit schwer. Immer wieder eskalieren Angriffe auf Schiffe in der von den USA und dem Iran umkämpften Straße von Hormus. Die ist besonders wichtig für den internationalen Ölhandel. 

Über die vergangenen Monate hatten ausreichende staatliche Reserven, wie auch Vorräte bei Unternehmen weitere Ölpreissteigerungen gedämpft. Diese gelten nun jedoch als teilweise aufgebraucht. Zudem kommen gerade raffinierte Produkte wie Diesel derzeit kaum von der Arabischen Halbinsel an den Markt. 

Kraftstoffpreise in Deutschland hängen direkt von den Weltmarktpreisen ab. Zu deren Entwicklung zitierte das »Wall Street Journal« Mike Wirth, den Chef des Energieunternehmens Chevron, mit den Worten: »Ich wünschte, ich könnte Ihnen einen Grund nennen, warum sich die Lage bessern könnte. Aber das ist derzeit schwer abzusehen.« dpa/ja

Berlin

Israelis selbst schuld an Empathielosigkeit? SPD-Politiker in der Kritik

Der Sozialdemokrat Lars Castellucci machte am Samstag mit einem X-Post zum versuchten Anschlag auf ein Flugzeug mit israelischen Passagieren von sich reden. Viele sehen darin eine Täter-Opfer-Umkehrung

 05.10.2026

Berlin

Auswärtiges Amt kritisiert Menschenrechtsbeauftragten

In einer Reaktion auf einen X-Post von Bundesbildungsministerin Prien im Zusammenhang mit dem Flydubai-Flug nennt Lars Castellucci Israels Regierung rechtsradikal. Außenminister Wadephul reagiert

 05.10.2026

Der Verfassungsrechtler Steffen Augsberg, Hessens Justizminister Christian Heinz (CDU), der hessische Antisemitismusbeauftragte Uwe Becker und Zentralratspräsident Josef Schuster (v.l.)

Gutachten

Hessischer Gesetzentwurf zur Leugnung des Existenzrechts Israels verfassungskonform

Hessens Justizminister Christian Heinz: »Wir brauchen dringend eine gesetzliche Regelung.« Zentralratspräsident Josef Schuster: Die Politik steht in der Pflicht, dem Antisemitismus in seinem neuen Gewand Einhalt zu gebieten

 05.10.2026

7. Oktober

Rotes Rathaus zeigt Ausstellung zum Hamas-Überfall auf Israel

Der Überfall der Terrororganisation Hamas hat überall in Israel Spuren hinterlassen. Eine neue Berliner Ausstellung beleuchtet die Erfahrungen von Sportlern und Fans rund um den 7. Oktober 2023

 05.10.2026

Recht

Gute Absicht, falsche Umsetzung

Daniel Botmann, Geschäftsführer des Zentralrats der Juden, kritisiert den hessischen Vorschlag für eine Strafbarmachung der Leugnung des Existenzrechts Israels. Er hat aber einen Alternativvorschlag

 05.10.2026

Der Verfassungsrechtler Steffen Augsberg, Hessens Justizminister Christian Heinz (CDU), der hessische Antisemitismusbeauftragte Uwe Becker und Zentralratspräsident Josef Schuster (v.l.)

Initiative

Hessen dringt auf Strafen für Leugnung des Existenzrechts Israels

Die hessische Landesregierung dringt darauf, dass ihr Vorschlag zur Strafbarkeit israelfeindlicher Äußerungen umgesetzt wird. Die Bundesregierung bleibt aber skeptisch. Auch der Zentralrat der Juden ist nicht restlos überzeugt

 05.10.2026

Josef Schuster

Berlin

Zentralrat: Linke muss Mitglieder bei Antisemitismus ausschließen

Der Präsident des Zentralrats der Juden, Josef Schuster, äußert klare Erwartungen an die Linkspartei in Bezug auf den innerparteilichen Kampf gegen Judenhass

 05.10.2026

Magdeburg

BSW: Wählen den AfD-Kandidaten zum Landtagspräsidenten

Am Dienstag kommt der neu gewählte Landtag von Sachsen-Anhalt erstmals zusammen. Die AfD hat die Zusage des BSW für die nötigen Stimmen

 05.10.2026

Berlin

Parteien in der Hauptstadt bereiten sich auf drittes Vorgespräch vor

Nach der Abgeordnetenhauswahl setzen Linke, Grüne und SPD auf ein drittes Vorgespräch. Details bleiben geheim – und keiner weiß, wo das Ganze hinführt

 05.10.2026