Der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde Halle, Max Privorozki, zeigt sich nach dem guten Abschneiden der AfD bei den Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt zuversichtlich. »Mir macht die mögliche AfD-Regierung keine Angst«, sagte er der Leipziger Volkszeitung und der Sächsischen Zeitung am Freitag. »Ich will erst einmal abwarten, was die Partei tatsächlich umsetzen würde.«
Die vom Verfassungsschutz in Sachsen-Anhalt als rechtsextrem eingestufte AfD hatte bei der Wahl am 6. September 43,8 Prozent der Stimmen erhalten und damit eine absolute Mehrheit der Sitze im Landesparlament nur knapp verfehlt. Eine Regierungsbildung dürfte sich sowohl für die AfD als auch für die mit 17,2 Prozent zweitplatzierte CDU als schwierig erweisen.
Privorozki: Antisemitismus kommt »massiv von links«
Privorozki, der auch im Vorstand des Landesverbandes Jüdischer Gemeinden Sachsen-Anhalt ist, äußerte Verständnis für AfD-Wähler. »Wohin man nur schaut, scheint das Land nicht zu funktionieren«, sagte er im Interview. »Ich glaube nicht, dass diese Partei auch nur eines dieser Probleme lösen kann. Und so wird die Zustimmung für die AfD bestimmt wieder zurückgehen.«
Als das »eigentlich Gefährliche« der AfD sieht Privorozki das Geschichtsbild der AfD. »Die AfD will, dass es im Geschichtsunterricht weniger um den Nationalsozialismus und mehr um positive Aspekte deutscher Geschichte geht.« In der AfD gäbe es zudem »definitiv Antisemiten«, so Privorozki. »Aber die AfD ist nicht die größte Bedrohung für jüdisches Leben. Seit dem 7. Oktober 2023 kommt Antisemitismus auch massiv von links.«
Attentat auf Synagoge Halle jährt sich
Die Synagoge von Halle war an Jom Kippur 2019 Ziel eines rechsextremen Terroranschlags. Dem Attentäter gelang es nicht, in das Gebäude einzudringen, woraufhin er zwei Menschen in der Nähe erschoss.
Heute Abend beginnt erneut Jom Kippur. »Konkrete Drohungen sind in diesem Jahr aber noch nicht bei uns eingegangen«, sagt der Gemeindevorsitzende Provorozki. Doch immer wieder gäbe es online Menschen, die die Tat des Halle-Attentäter gutheißen würden. »Womöglich gibt es immer noch Menschen, die die Tat von damals wiederholen möchten.« ja