Der Präsident des Zentralrats der Juden, Josef Schuster, zeigt sich vom guten Abschneiden der AfD bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt schockiert. Die Partei wolle »eine Abkehr vom bundesrepublikanischen Konsens«, sagte er laut eines Pressestatements am Sonntagabend. »Ich bin von diesem Wahlergebnis persönlich entsetzt.« Die AfD hat laut ersten Prognosen einen Stimmenanteil von 44 bis 44,5 Prozent, könnte aber eine absolute Mehrheit der Sitze im Landtag knapp verfehlt haben.
Zentralratspräsident Schuster warnt nun vor einer Regierungsbeteiligung der AfD in Sachsen-Anhalt. »Der Schaden, den die sogenannte Alternative für Deutschland jetzt anrichten würde, wenn Sie in Verantwortung gelangt, ist immens.« Er fürchte insbesondere »den Einfluss, den sie durch eine radikal veränderte Bildungspolitik auf so viele Kinder und Jugendliche nehmen werden«. Bildung sei »der wichtigste Grundstein für den Erhalt unserer offenen Gesellschaft und den Kampf gegen Antisemitismus.«
Schuster weiter: »Über die letzten Monate war klar ersichtlich, welche Ziele die AfD verfolgt. Wer sie heute gewählt hat – trotz oder wegen dieser Ziele – trägt die Verantwortung für dieses Ergebnis.«
Den Prognosen zufolge verdoppelt die vom Landesverfassungsschutz als gesichert rechtsextremistisch eingestufte AfD ihren Stimmenanteil auf 44 bis 44,5 Prozent (2021: 20,8 Prozent). Die CDU steuert mit 18,5 Prozent (37,1 Prozent) auf ihr schlechtestes Ergebnis bei einer Landtagswahl in Sachsen-Anhalt zu. Die Linke erhält 9 bis 9,5 Prozent (11 Prozent). Die Grünen liegen bei 8,5 bis 9 Prozent (5,9 Prozent). Die SPD kommt auf 8 bis 9 Prozent (8,4 Prozent). Die FDP fliegt mit 2 bis 2,5 Prozent (6,4 Prozent) aus dem Parlament. Das Bündnis Sahra Wagenknecht steht bei 4,8 bis 5 Prozent.
Den Prognosen zufolge erhält die AfD 39 bis 41 Sitze im Landtag (2021: 23), die CDU 16 bis 17 (40). Die Linke kommt auf 8 bis 9 Mandate (12), die SPD auf 7 bis 8 (9) und die Grünen auf 8 (6). Das BSW erhält laut ARD-Prognose 5 Mandate. ja/dpa