Berlin

Bezirk prüft Entzug der Zulassung von antisemitischem Influencer als Berufsbetreuer

Der Berliner Bezirk Marzahn-Hellersdorf Foto: picture alliance/dpa

Auf Instagram verbreitet ein Berliner Influencer antisemitische Inhalte, stellt die Zahl der während des Holocaust ermordeten Juden infrage und bedient sich immer wieder klassischer Verschwörungserzählungen. Gleichzeitig arbeitet der Mann nach Recherchen des »Tagesspiegel« als registrierter Berufsbetreuer für den Berliner Bezirk Marzahn-Hellersdorf. Nun prüft die zuständige Behörde, ob ihm die berufliche Zulassung entzogen werden muss.

Rund 60.700 Menschen folgen Haris E. inzwischen auf Instagram. Dort bezeichnet er sich als »Freizeitjournalist« und veröffentlicht regelmäßig Beiträge über Israel, Gaza und den Nahostkonflikt. Mit seriöser Berichterstattung haben viele seiner Veröffentlichungen laut Bericht wenig zu tun. Stattdessen finden sich in seinem Account zahlreiche antisemitische Darstellungen und Aussagen, die den Holocaust verharmlosen oder die historische Faktenlage infrage stellen.

Besonders auffällig sind dem »Tagesspiegel«-Bericht zufolge mehrere Videos, in denen E. die Zahl der während der Schoa ermordeten Juden thematisiert. In einem Beitrag mit dem Titel »6 Millionen Zahlendreher« stellt er die wissenschaftlich belegte Zahl von etwa sechs Millionen jüdischen Opfern der nationalsozialistischen Vernichtungspolitik infrage. Dazu verwendet er unter anderem die Darstellung einer israelischen Flagge.

Antisemitische Stereotype

In einem weiteren Video stellt E. einen englischsprachigen Artikel aus dem Jahr 2016 einer Zahl von rund 100.000 noch lebenden Holocaust-Überlebenden gegenüber. Daraus konstruiert er einen Zusammenhang mit der Zahl der ermordeten Juden und kommentiert: »Da konnte man sich nicht auf eine Story einigen.«

Auch andere Beiträge bedienen sich antisemitischer Stereotype. Auf seinem Instagram-Account war über längere Zeit ein sogenanntes Story-Highlight zu sehen, dessen Bild einen Juden mit übergroßer Hakennase zeigte. Daneben stand das Wort »Israel« und ein Herzsymbol.

In weiteren Videos tritt E. verkleidet als ultraorthodoxer Jude auf und setzt diese Figur mit Israelis gleich. In einem dieser Beiträge greift er zudem die antisemitische Verschwörungserzählung auf, Juden hätten etwas mit den Anschlägen vom 11. September 2001 zu tun. Die Figur behauptet in dem Video, stets gearbeitet und nie krank gewesen zu sein – mit einer Ausnahme: Am 11. September habe sie »zufällig frei« gehabt.

»Lediglich Satire«

Der Influencer wurde mit den Vorwürfen und den konkreten Inhalten seiner Veröffentlichungen konfrontiert. Eine Stellungnahme dazu gab er dem »Tagesspiegel« nicht ab. Kurz nach der Anfrage veröffentlichte er allerdings ein weiteres Video, in dem er sich dagegen verwahrte, als Antisemit bezeichnet zu werden. Bei seinem Instagram-Auftritt handele es sich lediglich um Satire, erklärte er.

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Auch die Reaktionen unter seinen Beiträgen sind teilweise massiv antisemitisch. In den Kommentarspalten finden sich unter anderem Holocaustleugnung und die Relativierung der Zahl der ermordeten Juden. Ein Nutzer schrieb: »Hätte der Maler aus Österreich Erfolg mit allem gehabt, hätte das heilige Land Palästina keine Probleme.« Gemeint ist Adolf Hitler.

Besonders brisant ist der Umstand, dass E. nicht nur als Influencer auftritt. Nach Recherchen des »Tagesspiegel« ist er als Berufsbetreuer beim Bezirksamt Marzahn-Hellersdorf registriert und betreibt dort ein eigenes Betreuungsbüro.

Eignung oder Zuverlässigkeit

Der Bezirk äußert sich aus Gründen des Datenschutzes nicht konkret zu der Person. Gleichzeitig erklärte eine Sprecherin gegenüber dem »Tagesspiegel«, dass in vergleichbaren Fällen ein Verfahren eingeleitet werde, wenn Zweifel an der persönlichen Eignung oder Zuverlässigkeit eines Berufsbetreuers aufkommen.

Dabei wird der Betroffene zunächst angehört. Parallel können die Erkenntnisse an das Landeskriminalamt weitergegeben werden. Anschließend entscheidet die zuständige Behörde auf Grundlage der Anhörung und der Ergebnisse der Prüfung über einen möglichen Widerruf der Registrierung.

Sollte sich herausstellen, dass ein Berufsbetreuer nicht mehr über die erforderliche persönliche Eignung oder Zuverlässigkeit verfügt, kann seine Registrierung widerrufen werden. In diesem Fall würden auch die zuständigen Betreuungsgerichte informiert. Der Betroffene könnte den Beruf dann nicht mehr ausüben.

Mehrere Ermittlungsverfahren

Nach Informationen des »Tagesspiegel« laufen gegen E. zudem mehrere Ermittlungsverfahren der Berliner Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts der Volksverhetzung. Bereits im November vergangenen Jahres soll ein Strafbefehl wegen Holocaustverharmlosung ergangen sein. Den Strafverfolgungsbehörden sei der Instagram-Account inzwischen »hinreichend bekannt«.

Auch die Betreuungsbehörde selbst soll wegen verschiedener Veröffentlichungen des Influencers das Landeskriminalamt eingeschaltet haben. Nach Angaben aus dem Bezirk wartet man nun auf die weitere strafrechtliche Entwicklung. ja

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