Argentinien

Antisemitische Verschwörungstheorien nach Waldbränden

Ex-General César Milani Foto: picture alliance/AP Photo

Nach schweren Waldbränden in der argentinischen Region Patagonien haben antisemitische Verschwörungstheorien für Empörung gesorgt. Mehrere prominente Vertreter der Opposition, darunter der frühere stellvertretende Armeechef César Milani, verbreiteten unbelegte Behauptungen, wonach Israelis für die Brände verantwortlich seien. Argentinische Medien berichteten.

Milani sprach in sozialen Netzwerken von einem »ausländischen Staat«, der von Anwohnern als Verursacher benannt werde, und illustrierte seinen Beitrag mit einem Bild von Präsident Javier Milei, der eine israelische Flagge schwenkt. Konkrete Beweise legte er nicht vor. Die Andeutung wurde jedoch weithin als antisemitisch motivierte Schuldzuweisung verstanden.

Scharfe Kritik kam aus der jüdischen Gemeinschaft Argentiniens. Der Abgeordnete Waldo Wolff, eine der bekanntesten jüdischen Stimmen des Landes, griff Milani frontal an. »Du warst schon immer ein Feigling«, schrieb Wolff. Milani verstecke seinen Antisemitismus hinter vagen Formulierungen, weil er sich nicht traue, Israel offen zu nennen. Wolff erklärte zudem, Milani sei »eine Schande für die überwältigende Mehrheit des argentinischen Volkes«.

Falschmeldung als Auslöser

Auch der linksgerichtete Aktivist Luis D’Elía heizte die Stimmung an. Er schrieb: »Die Israelis ziehen umher und brennen Patagonien nieder«. D’Elía steht seit Jahren in der Kritik, unter anderem wegen seiner Nähe zum Iran und im Zusammenhang mit der juristischen Aufarbeitung des Bombenanschlags auf das jüdische Gemeindezentrum AMIA im Jahr 1994.

Lesen Sie auch

Auslöser der Gerüchte war eine Falschmeldung in einer Radiosendung, in der behauptet wurde, zwei Israelis hätten die Brände gelegt. Die Moderatorin zog ihre Aussagen später zurück, entschuldigte sich öffentlich und erklärte, sie habe sich auf eine falsche Quelle gestützt. Dennoch hatten sich die Vorwürfe in sozialen Netzwerken bereits rasant verbreitet.

Besonders absurd waren Behauptungen über eine angeblich eingesetzte israelische Militärgranate. Faktenchecker stellten klar, dass es sich bei dem gezeigten Sprengkörper um ein argentinisches Modell handelte. Die Provinzregierung bestätigte diese Einschätzung offiziell.

»Dunkle Seite Argentiniens«

Präsident Javier Milei verurteilte die Vorwürfe scharf. Die Instrumentalisierung Israels und der Juden zur Attacke auf seine Regierung sei kein Zufall, erklärte er. »Sie benutzen Israel und die Juden, um die Regierung anzugreifen – und das ist völlig außer Kontrolle geraten.« Milei sprach von der »dunklen Seite Argentiniens«.

Auch der Präsident des jüdischen Dachverbands DAIA, Mauro Berenstein, warnte vor den Folgen solcher Behauptungen. »Ohne Beweise auf ›zwei Israelis‹ zu zeigen, ist unverantwortlich und gefährlich. Es erzeugt Stigmatisierung, verstärkt eine antijüdische Erzählung und Hass«, sagte er. »Eine Lüge ist keine Meinung. Das werden wir nicht akzeptieren.«

Währenddessen kämpfen Einsatzkräfte weiterhin gegen die Brände, die bereits mehr als 3500 Hektar Land zerstört haben. Regenfälle haben die Lage zuletzt etwas entspannt, doch die Sorge in der Region bleibt groß. im

Bundesrat

Länder: Aufrufe zur Vernichtung Israels sollen strafbar werden

Der Bundesrat hat am Freitag einen Vorschlag Hessens gebilligt, wonach die öffentliche Leugnung des Existenzrechts Israels bestraft werden soll. Ob ihn die Bundesregierung aufgreift, ist noch unklar

von Michael Thaidigsmann  10.07.2026

Warschau

Vor 85 Jahren wurden die Juden von Jedwabne ermordet

Ein Massaker 1941 belastet das Verhältnis von Juden und Polen: Anstifter waren Deutsche, doch die Täter waren Polen. Ein Ex-Präsident hat zu dem Gedenktag eine klare Botschaft

 10.07.2026

Ramallah

Abbas kündigt Wahlen an

Der Chef der Palästinensischen Autonomiebehörde legt den 28. November als Termin für die Neuwahl des Parlaments fest, 2027 soll auch über die Präsidentschaft neu abgestimmt werden.

 10.07.2026

Großbritannien

»Wir haben das nicht richtig gemacht«

Andy Burnham, designierter Nachfolger von Keir Starmer als Labour-Chef und Premierminister, kündigt eine Kurskorrektur in der britischen Nahostpolitik an

von Michael Thaidigsmann  10.07.2026

Hamburg/Haifa

Netanjahu bremst Milliarden-Fusion von Hapag Lloyd und Zim

Hapag-Lloyd würde die israelische Reederei gerne übernehmen. Doch der israelische Ministerpräsident hat Sicherheitsbedenken

 10.07.2026

Hamburg

Ein Jahr nach Beginn des Block-Prozesses kein Ende in Sicht

Am 11. Juli 2025 startete am Landgericht der spektakuläre Prozess um die Entführung der Block-Kinder. 63 Verhandlungstage gab es seither. Was ist noch offen?

 10.07.2026

Tirana

Albaniens Premier gibt Millionen für Kanye-Konzert aus

Ein geplanter staatlich geförderter Auftritt spaltet das Land – und verstärkt die ohnehin seit langem wachsende Kritik an Ministerpräsident Rama. Die jüdische Gemeinde will eine Absage

 10.07.2026

New York

Bericht: Israel warnte USA vor neuem iranischem Anschlagsplan gegen Trump

Seit der Tötung des iranischen Generals Qassem Soleimani Anfang 2020 droht der Iran Trump mit Vergeltung

 10.07.2026

Islamabad/Doha

Vermittler wollen Atomgespräche zwischen USA und Iran retten

Pakistan, Katar und andere Staaten bemühen sich laut einem amerikanischen Pressebericht, die jüngste Eskalation einzudämmen

 10.07.2026