Hamburg/Haifa

Netanjahu bremst Milliarden-Fusion von Hapag Lloyd und Zim

Foto: picture alliance / INSIDE-PICTURE

Der geplante Zusammenschluss zwischen Hapag-Lloyd und der israelischen Reederei Zim steht auf der Kippe. Wie der »Spiegel« berichtet, lehnen sowohl Ministerpräsident Benjamin Netanjahu als auch Verteidigungsminister Israel Katz das Geschäft in seiner bisherigen Form ab.

Ursprünglich hatte Deutschlands größte Containerreederei im Februar angekündigt, für den in Haifa ansässigen Konkurrenten 4,2 Milliarden Dollar zu zahlen. Der Deal sollte Hapag-Lloyd im globalen Wettbewerb weiter nach vorne bringen.

Grund für den israelischen Widerstand ist offenbar die Aktionärsstruktur von Hapag-Lloyd: Staatsfonds aus Katar und Saudi-Arabien sind dort mit gut zwanzig Prozent beteiligt. Diese Verbindung bereitet Teilen der israelischen Regierung Sorge, wie unter anderem das »Hamburger Abendblatt« berichtete.

»Verbindliches Merger-Agreement«

Verschärft wird die Skepsis durch ein weiteres Argument aus dem Verteidigungsministerium: Laut einem Bericht der »Deutschen Verkehrs-Zeitung«, der sich auf das israelische Wirtschaftsportal »Calcalist« stützt, wird befürchtet, dass Zim nach einer Übernahme vorwiegend auf Mittelmeerrouten reduziert würde – zulasten der bestehenden Verbindungen nach Asien und in die USA.

Lesen Sie auch

Auf der anderen Seite wirbt Israels Botschafter in Deutschland, Ron Prosor, ausdrücklich für den Zusammenschluss. Im »Abendblatt« erklärte er, die Partnerschaft werde die »strategische Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Israel stärken«.

Auch Hapag-Lloyd selbst signalisiert weiterhin Zuversicht. Ein Sprecher des Unternehmens ließ die Zeitung wissen: »Es gilt unverändert: Wir haben ein verbindliches Merger-Agreement mit Zim, dem die Aktionäre des Unternehmens zugestimmt haben, und wir arbeiten derzeit mit verschiedenen Aufsichtsbehörden daran, die erforderlichen Genehmigungen zu erhalten.«

Bereits bei der ursprünglichen Ankündigung im Februar war klar gewesen, dass die endgültige Umsetzung von der Zustimmung des Staates Israel abhängt. Genau an diesem Punkt hakt es nun offenbar. Sollte der Deal doch noch zustande kommen, entstünde ein Schwergewicht der internationalen Schifffahrt: Aus der aktuellen Nummer fünf (Hapag-Lloyd) und der Nummer zehn (Zim) der weltweiten Containerreedereien würde ein Unternehmen mit über 400 Schiffen, einer Kapazität von mehr als drei Millionen TEU (Twenty-foot Equivalent Unit) und einem jährlichen Transportvolumen von über 18 Millionen TEU. im

Kommentar

Ein Tag der Schande

Die Linkspartei, SPD und Grüne haben ihre Sondierungen beendet. Nun wollen sie in Berlin eine Regierung bilden

von Philipp Peyman Engel  17.10.2026

Berlin

Remmo: Koçak hat bei mir im Büro gesessen

Wie eng war der Kontakt des Linken-Bundestagsabgeordneten Koçak zur Großfamilie Remmo? Nach der Berliner Wahl kamen Chatnachrichten ans Licht, die er als Fehler bezeichnete. Gab es auch ein Treffen?

 16.10.2026

Berliner Sondierungen

Özdemir: Berliner Linke hat sich »radikalisiert«

Baden-Württembergs Ministerpräsident Cem Özdemir schaut mit Sorge auf die politischen Geschehnisse in der Bundeshauptstadt. Seiner Ansicht nach hat sich die Berliner Linke radikalisiert

 16.10.2026

Meinung

Keine Wahlen in Palästina: Armutszeugnis für den Westen

Mahmud Abbas hat die Wahlen in den Palästinensergebieten erneut um ein Jahr verschoben und bricht damit seine Zusagen. Wann zieht man in Europa endlich Konsequenzen?

von Jacques Abramowicz  16.10.2026

Bremens Bürgermeister Andreas Bovenschulte (SPD)

Rede des Bundesratspräsidenten

Bovenschulte zu AfD-Verbot: »Prüfen heißt nicht verbieten«

Seine letzte Rede als Bundesratspräsident nutzt Andreas Bovenschulte für einen Appell. Es geht darum, wie weit die Demokratie im Umgang mit der AfD gehen sollte – und warum kein Fehler passieren darf

 16.10.2026

München

Oberrabbiner Goldschmidt: »Wir können nicht immer wegrennen«

Jüdisches Leben in Europa hat eine Zukunft, aber nicht von allein. Dafür braucht es nach den Worten des Oberrabbiners Pinchas Goldschmidt Partner in den Regierungen und in der Zivilgesellschaft

von Barbara Just  16.10.2026

Meinung

Die Berliner Linke und ihr DDR-Vorleben

Linker Antisemitismus, Israelfeindschaft und Genozid-Vorwurf – all das gab es bereits in der DDR unter dem Regime der Linkspartei-Vorläuferin SED

von Steffen Alisch  16.10.2026

Staatsanwaltschaft

Der Bundestag hebt die Immunität von SPD-Abgeordnetem Adis Ahmetovic auf

Ermittler durchsuchen sein Büro und Wohnungen wegen des Verdachts verbotener Absprachen

von Leonard Fischer  16.10.2026

Annäherung

Warum die FPÖ auf ein Gütesiegel aus Israel hofft - Österreichs Rechte knüpfen Verbindungen zum Likud

Noch stehen in Österreich keine Wahlen an. Dennoch will die rechte FPÖ ihr aktuelles Umfrage-Hoch mit einer Strategie untermauern, die verwundert: Die einstige Altnazi-Partei sucht Unterstützung aus Israel

von Markus Schönherr  16.10.2026