Berlin

Anne-Frank-Tag: Bildungsstätte sieht Antisemitismus-Flut im Internet

Deborah Schnabel, Direktorin der Bildungsstätte Anne Frank Foto: picture alliance/dpa | Andreas Arnold

Die Sozialen Medien werden laut der Direktorin der Bildungsstätte Anne Frank, Deborah Schnabel, zunehmend mit Antisemitismus überschwemmt. »Welche Langzeitauswirkungen die Flut antisemitischer Codes in Social-Media-Kommentarspalten, Wehrmachts-Kitsch auf Instagram oder holocaustverharmlosende Posts auf das Geschichtsbild junger Menschen haben, ist noch nicht mal ansatzweise erforscht«, sagte Schnabel anlässlich des deutschlandweiten Anne-Frank-Tags.

Zugleich verschiebe der Rechtsruck der vergangenen Jahre auch die Grenzen des Sagbaren mit Blick auf den Holocaust: »Schlussstrich-Rhetorik und offen geschichtsrevisionistische Positionen sind auf dem Vormarsch, auch in digitalen Räumen, in denen junge Menschen heute maßgeblich ihr Politik- und Geschichtsverständnis ausbilden.«

Dabei sei Antisemitismus für fast alle Ideologien anschlussfähig, so Schnabel. »Wir erleben aktuell, dass sowohl rechtsextreme als auch islamistische und linke Gruppen antisemitisch agieren, antisemitische Narrative und Codes aber zugleich in der sogenannten Mitte der Gesellschaft fest verankert sind.«

Lesen Sie auch

Anne-Frank-Tag mit Teilnahmerekord

Am diesjährigen Anne-Frank-Tag beteiligen sich mehr als 126.000 Schülerinnen und Schüler aus 843 Schulen - das ist laut des Anne-Frank-Zentrums in Berlin ein Rekord zum 10-jährigen Bestehen des Aktionstags gegen Antisemitismus. Das Motto in diesem Jahr lautet »Geschichte erzählen«.

»In unserer Bildungsarbeit, gerade mit Jugendlichen und jungen Erwachsenen, erleben wir nach wie vor, dass Anne Frank großes Identifikationspotenzial für junge Menschen hat«, so Schnabel. »Ihre Geschichte und ihr Tagebuch sind ein Türöffner für Gesprächsräume über den Nationalsozialismus, Antisemitismus und Rassismus, aber auch über gegenwärtige Identitätsfragen und Diskriminierungserfahrungen heutiger Jugendlicher.«

Der Schulaktionstag findet jährlich am Geburtstag Anne Franks (1929-1945) statt. Das jüdische Mädchen gehört zu den bekanntesten Holocaust-Opfern. Durch ihr im Versteck vor den Nazis geschriebenes Tagebuch wurde sie posthum weltberühmt. Anne Frank starb im Februar 1945 im Konzentrationslager Bergen-Belsen im Alter von 15 Jahren an den Folgen der Lagerhaft. kna

Bonn

Bundeszentrale für politische Bildung streicht Studienreisen nach Israel

 04.08.2026

Berlin

Nach antisemitischer Beschimpfung: Polizeilicher Staatsschutz ermittelt

Nach Beleidigungen gegenüber Gästen und Beschäftigten des jüdischen Kulturschiffs MS Goldberg auf dem Berliner Wannsee hat die Polizei Ermittlungen wegen Volksverhetzung aufgenommen

 04.08.2026

Kommentar

Politische Pünktchensammler

Ewig bewegte Palästina-Aktivisten wie Javier Bardem und israelische Politiker nutzen den Massenansturm auf Ceuta für politisch unwürdige Spielchen

von Nils Kottmann  04.08.2026

Justiz

Israel-Kritik mit Swastika und Davidstern? Könnte durchgehen

Für das Pfälzische Oberlandesgericht ist Schmähkritik an Israel samt Verwendung von Hakenkreuzen und Holocaustvergleichen nur dann strafbar, wenn die Gegnerschaft zur NS-Ideologie nicht offensichtlich ist. Vielen geht das Urteil zu weit

von Michael Thaidigsmann  04.08.2026

Spanien

Hakenkreuz auf Maimonides-Statue in Córdoba geschmiert

Der Bürgermeister der Stadt verurteilte den Vorfall scharf und sprach von einem Hasssymbol mit einer besonders schwerwiegenden Botschaft

 04.08.2026

Magdeburg

Dieter Hallervorden, Sven Schulze und der Wahlkampf in Sachsen-Anhalt

Die Christdemokraten setzen bei ihrem Wahlkampf in Sachsen-Anhalt auf Unterstützung des anti-israelischen Komikers Dieter Hallervorden

 04.08.2026

Berlin

Mehr als 1000 Juristen sprechen sich für AfD-Verbotsverfahren aus

Die Experten haben einen offenen Brief an die Bundesregierung und die Bundestagsabgeordneten unterzeichnet

 04.08.2026

Potsdam

Ex-Regierungssprecher Uwe-Karsten Heye ist tot

Der Journalist und Autor prägte als Gründer von »Gesicht Zeigen!« den Kampf gegen Rechtsextremismus. Nun ist seine Stimme verstummt

 04.08.2026

Dessau-Roßlau

Schulze: Ich habe eine andere Meinung zum Thema Völkermord

Auftritte des Kabarettisten Dieter Hallervorden bei CDU-Veranstaltungen in Sachsen-Anhalt hatten bei den Christdemokraten teils für große Irritationen gesorgt. Der Spitzenkandidat verteidigt das Format

 04.08.2026 Aktualisiert