Berlin

Streit an der TU um Beschlüsse der studentischen Vollversammlung

Das Hauptgebäude der Technischen Universität (TU) auf der Straße des 17. Juni in Berlin Foto: picture alliance / Jörg Carstensen

Nach einer studentischen Vollversammlung mit mehr als 500 Teilnehmern ist an der Technischen Universität Berlin eine Kontroverse über mehrere verabschiedete Forderungen entbrannt. Der Allgemeine Studierendenausschuss (AStA) forderte das Präsidium der Hochschule auf, die Beschlüsse umzusetzen. Die jüdische Studentengruppe Tacheles übte dagegen scharfe Kritik und verlangte den Rücktritt des AStA.

Im Mittelpunkt der Vollversammlung standen zunächst die Schließung von Universitätsgebäuden, der Wegfall von Lernräumen und studentischen Cafés sowie die Situation der Lehre. Die Teilnehmer sprachen sich unter anderem gegen weitere Raumschließungen aus und forderten mehr Transparenz über die Gründe für die Maßnahmen. Zudem verlangten sie Ersatzräume für ausgefallene Lehrveranstaltungen sowie eine Verlängerung der Regelstudienzeit und zusätzliche Prüfungsversuche für betroffene Studierende.

Darüber hinaus bekräftigte die Versammlung die Forderung nach einer strikten Einhaltung der Zivilklausel der Universität. Nach Auffassung der Studierenden dürften die Probleme bei der Gebäudesanierung nicht als Rechtfertigung für militärische Forschung oder die Annahme von Drittmitteln aus der Rüstungsindustrie dienen.

Kooperation mit Israel

Für besondere Aufmerksamkeit sorgte ein weiterer Beschluss, der sich gegen Kooperationen mit mehreren israelischen Hochschulen richtet. Die Vollversammlung forderte das Präsidium und die betroffenen Fakultäten auf, bestehende institutionelle Beziehungen unter anderem zum Technion, zur Tel Aviv University, zur Hebrew University of Jerusalem, zur Ben-Gurion University of the Negev und zur Bar-Ilan University auszusetzen und durch ein unabhängiges Ethikkomitee überprüfen zu lassen. Während der Untersuchung sollten die Partnerschaften ruhen.

Lesen Sie auch

Zudem sprach sich die Versammlung dafür aus, sämtliche Kooperationen mit Einrichtungen zu beenden, die nach den Ergebnissen einer solchen Untersuchung Verbindungen zur Rüstungsindustrie hätten oder gegen internationales Recht beziehungsweise Menschenrechte verstoßen würden.

In einem Schreiben an die Hochschulleitung erklärte der AStA, die Beschlüsse seien das Ergebnis einer erfolgreichen Vollversammlung. Als Vertretung der Studenten appelliere man an das Präsidium, sich der Forderungen anzunehmen. »Die Zukunft aller Studierenden an der TU muss durch genug Flächen für Lehre und Lernen und eine transparente und solidarische Universität gesichert werden«, heißt es in der Erklärung.

»Diskriminierungsfrei und kritisch«

Widerspruch kam von der jüdischen Studentengruppe Tacheles. Diese forderte den Rücktritt des derzeitigen AStA. »Ein funktionierender AStA muss diskriminierungsfrei, kritisch und transparent sein und seine Aufgaben als studentisches Hochschulgremium ernst nehmen«, erklärte die Gruppe.

In einer Stellungnahme kritisierte Tacheles insbesondere die Forderung nach der Aussetzung von Kooperationen mit israelischen Universitäten. »Akademische Boykotte schaffen keinen Diskurs und schließen Individuen aus«, erklärte die Gruppe. Weiter hieß es: »Schade, dass anstatt sich auf die Verbesserung der Studienbedingungen zu konzentrieren, die studentische Vollversammlung für antisemitische Beschlüsse genutzt wird.«

Eine Reaktion des Präsidiums der Technischen Universität Berlin auf die Beschlüsse der Vollversammlung lag zunächst nicht vor. im

Krieg

Trump droht Mullahs mit »vollständiger Kontrolle« der iranischen Öl-Industrie

Darüber hinaus kündigte der US-Präsident auch weitere Angriffe an

 11.06.2026

Berlin

Jüdischer Juristenverband als herausragende soziale Initiative ausgezeichnet

Die Organisation jüdischer Juristen ist eines von 25 Projekten, die vom Verein »startsocial« für ihr Engagement gewürdigt wurden. Gastgeber der Ehrenveranstaltung war Bundeskanzler Friedrich Merz

 11.06.2026

Pro & Contra

Soll die Bevölkerung in der Schweiz auf 10 Millionen begrenzt werden?

Ja, sagt Jessie Katz: »Sie anzunehmen sollte schon nur aus dem Grund, um die Sicherheit für die jüdische Bevölkerung zu verbessern.« Nein, findet Zsolt Balkanyi-Guery: »Ein Einwanderungsstopp verspricht nur vordergründig Sicherheit und ist für jüdische Menschen keine Antwort auf die tatsächlichen Herausforderungen des Antisemitismus.«

von Jessie Katz, Zsolt Balkanyi-Guery  11.06.2026

Washington D.C.

Bill Gates: Epstein hat mich erpresst

Der Sexualstraftäter habe sein Wissen um seine Untreue ausnutzen wollen, sagt der Microsoft-Mitgründer. Er räumt aber auch Fehler ein

 11.06.2026

Dresden

Kampagne soll Neugier auf jüdisches Leben wecken

Die Initiative soll mehr Wissen über Judentum und Israel vermitteln

 11.06.2026

Hass auf der Bühne

»Hofnarr der Hamas«: Bassem Youssef tritt heute in Berlin auf

Der amerikanisch-ägyptische Comedian relativiert die Hamas-Verbrechen vom 7. Oktober und verbreitet Verschwörungsmythen über Israel. Nun werden Forderungen nach einer Absage seiner Vorstellung im Tempodrom laut

von Imanuel Marcus  11.06.2026 Aktualisiert

Ramallah

Externe Prüfung geht von Ende der palästinensischen Terror-Renten aus

Vorläufige Erkenntnisse deuten darauf hin, dass Sozialleistungen der PA nicht mehr an die Dauer von Haftstrafen sogenannter »Märtyrer« gekoppelt sind

 11.06.2026

Tirana

Tausende protestieren gegen Kushner-Projekt an der Adria

In der albanischen Hauptstadt gehen Tausende Menschen auf die Straße, um ihre Stimme gegen das umstrittene Bauvorhaben an der Adriaküste zu erheben

 11.06.2026

Nahost

USA greifen erneut Ziele im Iran an, Teheran meldet Attacken auf US-Stützpunkte

Präsident Trump sagt, die USA hätten den Iran »heftig getroffen«. Für den Fall, dass Teheran einem von Washington vorgeschlagenen Abkommen nicht zustimmt, droht er mit weiteren Angriffen

 11.06.2026