Einspruch

Geraldine Rauch: Rücktritt reicht nicht

Joel Ben-Joseph Foto: privat

Einspruch

Geraldine Rauch: Rücktritt reicht nicht

Erneut hat die Präsidentin der Technischen Universität Berlin bewiesen, dass sie die Interessen ihrer jüdischen Studierenden ignoriert. Doch das Problem geht über die Hochschulleitung hinaus

von Joel Ben-Joseph  29.10.2025 16:46 Uhr

Die Präsidentin der Technischen Universität Berlin (TU), Geraldine Rauch, steht erneut in der Kritik. Schon im vergangenen Jahr likte sie einen X-Beitrag mit antisemitischem Inhalt. Obwohl sie öffentlich Besserung versprach, folgte nun ihr nächster Fehltritt. In einer internen E-Mail distanzierte sie sich von einer an der TU geplanten Veranstaltung, der sie »islamfeindliche Tendenzen« unterstellte.

Das ist absurd: Die jüdisch-kurdische Frauen-Allianz »Pek Koach« wollte lediglich ihre Broschüre über islamistische Juden-, Frauen- und Queerfeindlichkeit vorstellen.

Nun fordern einige den Verzicht Rauchs auf eine erneute Kandidatur für das Präsidentschaftsamt, das im November neu besetzt wird. Aber wer sich damit zufriedengibt, übersieht das eigentliche Problem: An der TU werden islamistische Narrative verharmlost und kurdische wie jüdische Perspektiven ignoriert. Das zeigte sich auch, als vergangenes Jahr der Historiker Uffa Jensen gegen den Widerstand jüdischer Organisationen zum Antisemitismusbeauftragten der TU ernannt wurde.

Solange die Universität nicht auf die Betroffenen eingeht, wird ein Wechsel an der Spitze wenig verändern.

Solange die Universität nicht auf die Betroffenen eingeht, wird ein Wechsel an der Spitze wenig verändern. Pek Koach und jüdische Studierendengruppen haben ihre Forderungen in einer gemeinsamen Stellungnahme klar formuliert: Die Universitätsleitung müsse das Gespräch suchen und garantieren, dass jüdische und kurdische Stimmen auf dem Campus nicht mehr unterdrückt werden.

Sie werfen Rauch zudem vor, autoritäre und antisemitische Kräfte am Campus zu stärken. Denn mit ihrer Mail hatte sie sich mit der Diffamierungskampagne von »Not In Our Name TU« gemein gemacht – einer Gruppe, die den Terror der islamistischen Hamas als »legitimen Widerstand« glorifiziert. Das ist ein weiteres Beispiel dafür, wie tief das Problem der TU reicht. Dieses muss endlich angegangen werden, und zwar unabhängig davon, wer die Leitung der Universität künftig übernimmt.

Der Autor ist Philosophiestudent in Berlin und bei der antisemitismuskritischen Gruppe »Tacheles HU« aktiv.

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