Das Bundesinnenministerium hat die Zahlen zur politisch motivierten Kriminalität für das Jahr 2025 veröffentlicht. Bundesweit wurden laut Polizei 85.000 Straftaten erfasst — so viele wie nie zuvor. Damit hat sich die Zahl innerhalb eines Jahrzehnts mehr als verdoppelt. Mehr als die Hälfte der Delikte ist rechtsextrem motiviert, was einem Anstieg auf 42.544 Taten entspricht, darunter 1598 Gewaltdelikte.
Ein Anstieg um knapp 43 Prozent auf 1087 Gewaltdelikte wurde bei links motivierten Taten registriert. Die Zahl der mutmaßlich aus ausländischen Ideologien gespeisten Gewaltdelikte ging derweil um knapp 28 Prozent auf 704 zurück.
Besonders betroffen ist die jüdische Gemeinschaft. Mit 6548 antisemitisch motivierten Straftaten wurde auch in diesem Bereich ein neuer Höchststand erreicht. Ein Drittel aller als Hasskriminalität eingestuften Delikte richtet sich damit gegen eine Gruppe, die lediglich 0,3 Prozent der deutschen Bevölkerung ausmacht. Fast 19.500 Straftaten rechnete die Polizei 2025 der »fremdenfeindlichen Hasskriminalität« zu - etwa so viele wie im Vorjahr.
Auffällig ist zudem die starke Zunahme von Übergriffen im Umfeld des Bundestagswahlkampfs 2025. Mehr als 14.000 wahlbezogene Delikte wurden registriert — ebenfalls ein Zehn-Jahres-Hoch. Angriffe auf Wahlkreisbüros, Attacken auf Helferinnen und Helfer sowie Einschüchterungen Engagierter zeigen, dass demokratische Beteiligung selbst zunehmend ins Visier gerät.
»Rechter Straßenterror«
Lorenz Blumenthaler, Pressesprecher der Amadeu Antonio Stiftung, warnt vor einer gefährlichen Normalisierung: »Der rechte Straßenterror ist Realität: Wir sehen jedes Jahr neue Rekordzahlen und trotzdem bleibt der politische Aufschrei aus. Diese Gewalt wird hingenommen, als wäre sie normal. Das ist brandgefährlich.« Und weiter: »Hass und Hetze aus rechtsextremen Netzwerken, Kampagnenmedien und der AfD schlagen in reale Gewalt um. Das ist kein Zufall, sondern das Ergebnis einer politischen Radikalisierung.«
Die Amadeu Antonio Stiftung kritisiert, dass die Politik trotz anhaltend steigender Fallzahlen keine entschlossene Reaktion zeigt. Im Gegenteil: Präventionsprojekte und Beratungsstellen für Betroffene kämpften mit unsicherer Finanzierung, obwohl die Bedrohungslage wächst.
»Wer diese Zahlen sieht und nicht handelt, hat das Ausmaß der Bedrohung nicht verstanden oder will es nicht verstehen«, so Blumenthaler. »Dass sich ein Drittel aller Hasskriminalität gegen eine so kleine Minderheit richtet, ist ein untragbarer Skandal. Für Jüdinnen und Juden ist Antisemitismus Alltag geworden und die Politik findet darauf bis heute keine wirksame Antwort.« im (mit dpa)