Meinung

»Glückwunsch« zum Genozid-Vorwurf

Anika Schmütz

Meinung

»Glückwunsch« zum Genozid-Vorwurf

Solange die Grüne Jugend einseitig gegen Israel gerichtete Beschlüsse fasst, kann sie kein Partner im Kampf gegen Antisemitismus sein

von Anika Schmütz  26.07.2026 09:59 Uhr

Die Grüne Jugend (GJ) hat auf ihrem Länderrat am 12. Juli beschlossen, sich der Einschätzung nicht näher genannter »Expert:innen« anzuschließen, »dass der israelische Staat im Gazastreifen einen Genozid an der palästinensischen Bevölkerung verübt«. Man könnte darüber sprechen, wie absurd eine solche »politische« Genozid-Einstufung ist – zumal die GJ selbst betont, dass dies eigentlich eine juristische Frage sei, die sie gar nicht beantworten könne.

Aber es geht in dieser Frage gar nicht um eine juristische oder inhaltliche Beantwortung. Der apodiktisch erhobene Genozid-Vorwurf gegen Israel war von Anfang an da – er besteht ja nicht erst seit dem 8. Oktober 2023. Er ist hier ein reiner Propaganda-Begriff, dessen Verwendung mit ehrlichem Erkenntnisinteresse nichts zu tun hat.

Es geht in dieser Frage nicht um eine juristische oder inhaltliche Beantwortung.

Ziel der Hamas ist es nicht nur, die eigene genozidale Absicht zu verschleiern, sondern Israel mit dem Genozid-Vorwurf genau das Verbrechen zu unterstellen, dessen Opfer die Jüdinnen und Juden durch die Schoa selbst wurden. Israel soll durch diese Form der Täter-Opfer-Umkehr als das Böse schlechthin gebrandmarkt werden.

Die grauenvolle Situation der Zivilbevölkerung in Gaza wird durch das Erheben dieses Vorwurfs kein bisschen verbessert. Es handelt sich wohl eher um »Virtue Signalling«, also das Zurschaustellen moralischer Werte. Dann sollte sich die Grüne Jugend aber auch ernsthaft fragen, wessen Werte sie da teilt.

Als Mitglied von Bündnis 90/Die Grünen weiß ich, dass die GJ jahrelang sehr gute antisemitismuskritische Bildungsarbeit geleistet hat. Sie tut dies aber leider in den vergangenen Jahren immer weniger. Das ist gerade jetzt, wo diese mehr denn je gebraucht würde, umso dramatischer. Es bleibt zu hoffen, dass diejenigen, die sich innerhalb dieses Verbandes weiterhin dafür starkmachen, in Zukunft mehr Unterstützung erfahren. Solange die GJ aber solche Beschlüsse fasst, kann sie für uns als Junges Forum kein Partner im Kampf gegen Antisemitismus sein.

Die Autorin ist Bundesvorsitzende des Jungen Forums der Deutsch-Israelischen Gesellschaft.

Meinung

Elif Eralp und der »Spiegel«: Alles nur eine böse rechte Kampagne!

Die Spitzenkandidatin der Linken in Berlin offenbart aus Versehen ihre Angst vor dem Umfeld der eigenen Partei – und entlarvt den Vorwurf, Opfer einer Kampagne zu sein

von Wiebke Hollersen  30.10.2026

Meinung

Elif Eralp und die Angst

Die Linken-Politikerin traut sich nicht, Terrorsympathisanten beim Namen zu nennen. Wer nicht einmal die Israelfeinde in den eigenen Reihen bekämpfen kann, kann auch keine Stadt regieren

von Philipp Peyman Engel  29.10.2026

Meinung

Alice Weidel und die AfD-Leaks

Einer Partei, in deren Reihen NS-Verbrechen relativiert werden, dürfen der Schutz jüdischen Lebens und die Pflege der Erinnerungskultur niemals anvertraut werden.

von Michaela Dudley  28.10.2026

Meinung

Wieder ein »kleiner Geländegewinn«

Die Linken-Abgeordnete Vanessa Emde hat es erneut geschafft, die Regierungsunfähigkeit ihrer Partei zu demonstrieren

von André Anchuelo  28.10.2026

Analyse

Israel hat die Wahl

Der jüdische Staat stimmt heute über eine neue Knesset ab. Alles deutet auf eine Richtungsentscheidung hin

von Guy Katz  27.10.2026 Aktualisiert

Essay

Der Druck der Straße: Kann Frankreich seine Juden noch schützen?

Eine Republik, die ihre Rathäuser nicht schützen kann, wird auch ihre Juden nicht mehr lange beschützen können, meint unser Gastautor

von Rabbiner Pinchas Goldschmidt  23.10.2026

Glosse

Beim »Spiegel« kann man jetzt mit der Nazi-Kartei chatten

Das Hamburger Nachrichtenmagazin hat nachgelegt: Nun gibt es einen Chatbot, mit dessen Hilfe der Leser mit der NSDAP-Mitgliederkartei interagieren kann. Dafür verdient der »Spiegel« Lob, Grimme-Preis und Dank, findet unser Autor

von Michael Thaidigsmann  21.10.2026

Meinung

Keine Wahlen in Palästina: Armutszeugnis für den Westen

Mahmud Abbas hat die Wahlen in den Palästinensergebieten erneut um ein Jahr verschoben und bricht damit seine Zusagen. Wann zieht man in Europa endlich Konsequenzen?

von Jacques Abramowicz  20.10.2026

Kommentar

Eine unheilvolle Allianz

Wenn wie in Frankreich die radikale Linke und Islamisten Juden für Israels Politik verantwortlich machen, ist eine Grenze überschritten

von Simone Rodan  20.10.2026