Erfurt

»Echte« Deutsche: AfD streitet über Höcke-These

Björn Höcke, Chef der rechtsextremen AfD Thüringen Foto: picture alliance/dpa

Äußerungen von Björn Höcke, dem Chef der rechtsextremistischen AfD Thüringen, über West- und Ostdeutsche haben in der Partei eine Diskussion ausgelöst. Hintergrund ist ein Interview Höckes mit der Schweizer »Weltwoche« und Herausgeber Roger Köppel.

Dort hatte der AfD-Politiker als wichtige Ursache für gesellschaftliche Polarisierung und Ost-West-Unterschiede gesagt: »Im Osten sind die Menschen noch Deutsche, im Westen haben sie über Jahrzehnte eine Ersatzidentität gefunden und haben sich von der amerikanischen Kultur völlig usurpieren lassen«. Usurpieren bedeutet, etwas zu verdrängen und seinen Platz einzunehmen.

Höcke, selbst Westdeutscher, zitierte außerdem einen Satz, den er »irgendwo gelesen« habe, der gut reinpasse: »In der westlichen Republik gibt es deutsch sprechende Amerikaner oder wohnen deutsch sprechende Amerikaner und im Osten der Republik wohnen deutsch sprechende Deutsche.« Der Amerikanismus sei eine Antithese zum Deutschtum, sagte er auch. 

Interne Kritik: »absolut falsch und töricht« 

AfD-Fraktionsvize Beatrix von Storch sagte dem Portal »The Pioneer«: »Wir sind eine einige unteilbare deutsche Nation. Die Vollendung der inneren Einheit Deutschlands ist unser oberstes Ziel. Wir spalten sie nicht, weder politisch, geistig noch kulturell.« Der AfD-Verteidigungspolitiker Rüdiger Lucassen, der sich in der Vergangenheit schon offene Auseinandersetzungen mit Höcke geliefert hatte, kritisierte ihn für seine Aussagen.

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Er könne sich »nicht mehr erklären, was in ihn gefahren ist«, sagte der frühere hochrangige Bundeswehroffizier und nannte Höckes Aussage herabwürdigend. Seine Einschätzung, Westdeutsche seien »in Wahrheit verkappte Amerikaner«, nannte Lucassen »absolut falsch und töricht«. Das sei SED-Sprech.

Der Erste Parlamentarische Geschäftsführer der AfD-Bundestagsfraktion, Bernd Baumann, sagte auf Nachfrage vor Journalisten, man sei hier im Bereich des Wahlkampfs und der Zuspitzung und verwies auf den AfD-Mitgründer Alexander Gauland, der Höcke einst als Nationalromantiker bezeichnet habe.

Einheit als große Chance

Direkt Bezug nehmen wollte der Hamburger auf Höckes Aussage nicht, sagte aber: Im Westen habe man eine andere Erziehung genossen. Da habe man natürlich diesen Ansatz einer gewissen Entnationalisierung, sagte Baumann. 

AfD-Vize Kay Gottschalk antwortete auf eine Journalisten-Nachfrage, ob er sich als usurpiert von der amerikanischen Kultur fühle, er betrachte die deutsche Einheit als große Chance für Deutschland als Makler zwischen Russland und den USA. Er selbst sehe sich »als gesundes Produkt einer damals noch intakten westdeutschen Schule, die eigenes Denken und eigene Schlussfolgerungen ermöglicht hat«. dpa/ja

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