Extremismus

AfD: Björn Höcke zitiert abermals Nazi-Parole

Björn Höcke, Vorsitzender der rechtsextremistischen Thüringer AfD Foto: picture alliance/dpa/dpa-Pool

Nachdem Thüringens AfD-Landespartei- und Fraktionschef Björn Höcke eine verbotene Parole aus der Nazi-Zeit im Landtag zitiert hat, geht die Thüringer Polizei dem Verdacht einer möglichen Straftat nach. Das bestätigte ein Polizei-Sprecher. Details nannte der Sprecher zunächst nicht. Zuvor hatte die »Bild« darüber berichtet. 

Eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft Erfurt sagte: »Wir haben kein Ermittlungsverfahren von Amts wegen eingeleitet. Sollte uns die Polizei Unterlagen dazu vorlegen, werden wir einen Prüfvorgang anlegen und prüfen, ob diese Äußerungen von Herrn Höcke strafbewehrt sein könnten.«

Landtagspräsident Thadäus König hatte Höcke am Mittwoch auf einen Ordnungsruf verzichtet und begründete seine Entscheidung damit, dass er nicht auf eine Provokation reagieren wollte.

Konkret geht es um Höckes Äußerungen vom Mittwoch, als im Landtag ein Misstrauensantrag der AfD gegen Ministerpräsident Mario Voigt (CDU) scheiterte. Höcke erläuterte noch vor der Abstimmung im Parlament seine Perspektive darauf, warum er wegen einer Wahlkampfrede im Jahr 2021 in Sachsen-Anhalt rechtskräftig verurteilt wurde. Das Motto der Parteifreunde sei damals »Alles für unsere Heimat« gewesen, erklärte Höcke. »Und diesen Dreiklang habe ich spontan durchdekliniert in der freigehaltenen Rede: «Alles für unsere Heimat, alles für Sachsen-Anhalt, alles für Deutschland.» Dafür bin ich rechtskräftig verurteilt worden«, sagte Höcke im Landtag. 

Das Landgericht Halle hatte im Mai und Juli 2024 jeweils Geldstrafen gegen Höcke verhängt, weil er die SA-Parole »Alles für Deutschland« bei Veranstaltungen genutzt hatte. Höcke, der vor seiner politischen Karriere Geschichtslehrer war, legte Revision ein. Der Bundesgerichtshof bestätigte im Jahr 2025 die zwei Verurteilungen.

Höcke genießt als Landtagsabgeordneter Indemnität und Immunität. Indemnität bedeutet, dass Abgeordnete nicht wegen einer Abstimmung oder einer Äußerung, die sie im Landtag tun, zur Verantwortung gezogen werden können. Für staatsanwaltliche Ermittlungen müsste Höckes Immunität aufgehoben werden. Über diese Aufhebung entscheidet, sollte es einen Antrag der Ermittlungsbehörde geben, der Thüringer Justizausschuss. Die Thüringer AfD wird vom Landesverfassungsschutz als gesichert rechtsextremistisch eingestuft und beobachtet. 

Landtagspräsident König erteilte Höcke für das Wiederholen der Parole keinen Ordnungsruf. Er sagte der »Bild«: »Es handelte sich zweifelsohne um einen Grenzfall, der zugleich eine Provokation darstellt. Im Sinne einer störungsfreien Durchführung des Misstrauensvotums, bei der das parlamentarische Ergebnis im Mittelpunkt stehen sollte, und des dargelegten Kontextes habe ich entschieden, nicht auf diese Provokation einzugehen und für dieses Mal keinen Ordnungsruf zu erteilen.«

Befreiung von der Schuld: Wenn Claudia Roth plötzlich wie Björn Höcke klingt

Eine Einordnung von Georg M. Hafner

 07.11.2026

Berlin

Merz fordert Ausreise bei Judenhass unter Muslimen

Bei einem Empfang jüdischer Sportler äußert sich der Kanzler deutlich zum Antisemitismus unter muslimischen Einwanderern

 07.11.2026

Iran-Krieg

Berichte: Explosionen in Gheschm und Dschask im Iran

Immer wieder gab es Spekulationen, dass die USA und Israel nach den Midterms erneut den Iran angreifen könnten. Die Ursache der Explosionen ist bisher unklar

 07.11.2026

Interview

Kann Israel ohne Amerikas Waffen bestehen?

Der Politikwissenschaftler Jonathan Rynhold erklärt, was ein Ende der US-Militärhilfe für Israels Sicherheit bedeuten würde und wie sich das Verhältnis zu Washington in Zukunft entwickeln könnte

von Sabine Brandes  07.11.2026

Meinung

Die Juden waren’s!

Claudia Roth und die jüdische Lobby: Eine kleine Chronik der Unschuld

von Andreas Büttner  06.11.2026

Interview

»Ich bezweifle, dass Claudia Roth es ernst meint mit dem Kampf gegen Antisemitismus«

JSUD-Präsident Ron Dekel geht mit der Grünen-Politikerin hart ins Gericht und wirft ihr vor, antisemitische Narrative salonfähig zu machen

von Michael Thaidigsmann  06.11.2026

Israelfeindliche Politikerin

Berliner Linke fordert Vanessa Emde zum Mandatsverzicht auf

Nach Wochen der Diskussion über den Umgang mit der direkt gewählten Abgeordneten, scheint die Parteispitze nun durchgreifen zu wollen

 06.11.2026

Vorwurf der Kampagne

Eklat um Claudia Roth: Nun reagiert der Zentralrat

Die Grünen-Politikerin bereut es, israelfeindliche Regisseure auf der Berlinale kritisiert zu haben und sieht die Schuld dafür beim Zentralrat der Juden

 06.11.2026

Berlin

Gregor Gysi für Rauswurf von Vanessa Emde

»Ich hoffe, dass wir sie ausschließen«, sagt Gysi über die wegen israelfeindlicher Aussagen umstrittene Abgeordnete

 06.11.2026