Meinung

Wo bleibt Deutschlands Unterstützung für die Iraner?

Saba Farzan

Meinung

Wo bleibt Deutschlands Unterstützung für die Iraner?

Bisher äußerte sich der Bundeskanzler schmallippig zu den Protesten gegen die Mullahs. Es wird Zeit, dass er aus Europa Druck auf die Mullahs macht

von Saba Farzan  11.01.2026 11:34 Uhr

Auch wenn man nicht viel erwartet, kann man trotzdem sehr enttäuscht werden. Das aktuelle Statement von Bundeskanzler Merz zu den historischen Entwicklungen im Iran ist bedauerlicherweise eine solche Enttäuschung. Seit nun zwei Wochen demonstrieren mutige Iraner in Massen und unter Lebensgefahr für ihre Freiheit und um den Islamismus, der ihr Land besetzt und Terror in die ganze Welt gebracht hat, zu beenden.

Ein für allemal: Das, was die Iraner da vollbringen, ist nichts Geringeres als die Abwicklung der islamischen Revolution von 1979 – eine bürgerliche Freiheitsbewegung für säkulare, liberale und marktwirtschaftliche Werte. Gerade deshalb bleibt Merz‘ gemeinsames
Statement mit dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron und dem britischen Premierminister Keir Starmer hinter den historischen Ereignissen weit zurück. Erst tagelanges Schweigen und dann ein viel zu mildes Äußern gegenüber dem iranischen Regime. Sorge, Appell und Grundrechte – das war’s. Mehr war nicht drin.

Der iranisch-amerikanische Menschenrechtsaktivist und Künstler Arash Sobhani beschrieb seine Enttäuschung auf X so: »Ihr Europäer seid immer besorgt, aber handelt nie. Nur wird irgendwann Sorge ohne Handeln zu einer Form von Vermeidung.« Und beim Iran sieht es tatsächlich nach einer Vermeidungstaktik des deutschen Regierungschefs aus.

Obwohl dieser Kanzler auch anders kann, wenn er will. Bei der Frage zur Nutzung der eingefrorenen russischen Gelder in Belgien für die tapfere Ukraine ist der Bundeskanzler vorgeprescht. Merz hat mit leidenschaftlicher Initiative versucht, von den europäischen Ländern eine Erlaubnis für die Ukraine zu bekommen, die eingefrorenen Gelder zu benutzen.

Ja, Merz ist letztlich damit gescheitert und doch auch nicht. Denn der Kanzler hat eine öffentliche Debatte angestoßen, Führungsverantwortung gezeigt und wenigstens dafür gesorgt, dass diese Gelder Putins dauerhaft eingefroren bleiben.

Lesen Sie auch

Eine solche Federführung würde man sich von Friedrich Merz auch beim Iran wünschen. Was müsste passieren? Auf nationaler Ebene muss der iranische Botschafter in Berlin zur persona non grata erklärt und ausgewiesen werden. Auch sollte sich Friedrich Merz mit den Iran-Experten der Foundation for Defense of Democracies und der National Union for Democracy in Iran (NUFDI), treffen und austauschen. Ebenso mit Aktivisten wie dem Musiker Arash Sobhani.

Auf EU-Ebene muss sich der deutsche Regierungschef dafür einsetzen, dass die Revolutionsgarden auf die Terrorliste kommen und dafür, dass das Regime diplomatisch isoliert wird. Wahrscheinlich wird diese robuste Politik an Frankreich scheitern, dessen Nahostpolitik schon seit Jahren zerstörerisch ist und eigentlich Wiedergutmachung leisten müsste, für die Beherbergung des Ajatollahs in den letzten anderthalb Jahren vor der islamischen Revolution.

Merz würde mit seinem Einsatz für die Iraner den Mitgliedern der EU signalisieren, dass Deutschland wahrhaftig aus seiner Geschichte die richtigen Konsequenzen gezogen hat: Dort, wo der Antizionismus entschieden bekämpft wird, steht dieser deutsche Kanzler an der Seite von Millionen freiheitsliebender Iraner. Es wäre eine echte Zeitenwende in der bisher fehlgeleiteten Iranpolitik.

Wenn nicht jetzt, wann dann?

Die Autorin ist Theaterwissenschaftlerin und lebt in Berlin.

Meinung

Antisemitismus nach bayrischer Art

Ein Hotel im Bayerischen Wald verschickt eine antisemitische Nachricht an einen Touristen aus Israel. Das könnte eine Gelegenheit sein, Antisemitismus auf dem bayrischen Land zum Thema zu machen. Ein Kommentar

von Leon Stork  09.06.2026

Meinung

Nein, ein Davidstern ist keine Provokation

Im Amtsgericht Flensburg wurde einer Frau der Zutritt zum Saal nur unter der Bedingung gewährt, dass sie ihre Kette mit einem jüdischen Symbol ablegt. Das ist keine Auslegungsfrage, sondern ein Justizskandal

von Annabelle Ganapol-Vučelić  09.06.2026

Daniel Jositsch, Zürcher SP-Ständerat, am letzten Donnerstag, dem Tag seines Austritts aus der Partei

Meinung

Daniel Jositsch und der Preis der Klarheit

Daniel Jositsch verlässt nach seiner Nichtnomination in den Ständerat die SP. Der Fall zeigt, wie eng der Raum für sozialliberale und proisraelische Stimmen in der Linken geworden ist, nicht nur in der Schweiz

von Zsolt Balkanyi-Guery  08.06.2026

Kommentar

Der Hass trägt heute Palästinaflaggen

Wie der kulturelle Boykott Israels die Ausgrenzung von Juden normalisiert

von Sarah Maria Sander  07.06.2026

Meinung

Libanon: Zwischen Anschein und Wirklichkeit

Wer den aktuellen Konflikt verstehen will, darf den Zedernstaat nicht als tragisches Opfer Israels lesen

von Jacques Abramowicz  07.06.2026

Wolf J. Reuter

Juden haben Hausverbot

Ausgerechnet in einem Prozess gegen einen Antisemiten würde einer Jüdin der Zutritt verwehrt, weil sie einen Davidstern um den Hals trug. Keine der Erklärungen für diesen Skandal ist beruhigend

von Wolf J. Reuter  05.06.2026

Meinung

Sicherheitsrat? Wichtiger ist, dass Deutschland Weltmeister wird!

Deutschland scheitert in New York mit seiner Bewerbung für den UN-Sicherheitsrat - und die versammelte Schwarmintelligenz weiß auch warum. Spoiler-Alert: Es hat etwas mit Annalena Baerbock zu tun. Oder mit Israel

von Michael Thaidigsmann  04.06.2026

Meinung

Entlarvte Gesinnung

Ausgerechnet jener Schweizer Politiker, der sich im Parlament gegen das Hamas-Verbot stellte, lädt die französische Abgeordnete und Israelhasserin Rima Hassan nach Bern ein

von Nicole Dreyfus  04.06.2026

Pawel Erenburg

Digitale Gewalt: Gutes Gesetz mit Hürden

Die Bundesregierung plant ein Gesetz gegen Hass und Hetze im Internet. Damit es wirken kann, sollte aber von Anfang an die Finanzierung von Anlaufstellen für Betroffene mitgedacht werden

von Pawel Erenburg  03.06.2026