Meinung

Entlarvte Gesinnung

Nicole Dreyfus Foto: Claudia Reinert

Meinung

Entlarvte Gesinnung

Ausgerechnet jener Schweizer Politiker, der sich im Parlament gegen das Hamas-Verbot stellte, lädt die französische Abgeordnete und Israelhasserin Rima Hassan nach Bern ein

von Nicole Dreyfus  04.06.2026 13:46 Uhr

Nächste Woche soll die französische Europaabgeordnete Rima Hassan das Schweizer Parlament besuchen, wie die Schweizer Zeitung »Sonntagsblick« vermeldete. Die notorische Israelhasserin, die vor der Verwendung antisemitischer Klischees genauso wenig zurückschreckt wie vor der Verherrlichung der Terrororganisation Hamas, wurde von der parlamentarischen Freundschaftsgruppe Schweiz-Palästina nach Bern eingeladen. Die Einladung stößt bei Parlamentariern aus allen Lagern, einschließlich der Sozialdemokratischen Partei (die Jüdische Allgemeine berichtete) auf Unverständnis und Ablehnung.

Dahinter steht Carlo Sommaruga, der sozialistische Ständerat aus Genf. Er ist der Vorsitzende der Gruppe, die nach dem 7. Oktober 2023 gerade noch auf eine Handvoll linker Parlamentarier zusammenschrumpft war und kurzzeitig vor dem Aus stand. Sommaruga begründet in einem Schreiben, woraus der »Sonntagsblick« zitierte, die Einladung damit, dass den Parlamentariern ein Austausch über »die Kriminalisierung der internationalen Solidarität mit dem palästinensischen Volk« ermöglicht werden sollte.

Sommaruga scheint offensichtlich kein Problem damit zu haben, dass Rima Hassan die Untaten der Hamas in den heiligen Hallen des Parlaments rechtfertigt.

Dabei blendet er aus, dass gegen Rima Hassan in Frankreich mehrere Strafverfahren laufen, unter anderem wegen Terrorverherrlichung. Wenn der Kampf gegen Terrorismus die besagte Kriminalisierung von Palästinasolidarität sein soll, die Sommaruga kritisiert, dann zeigt der Jurist Sommaruga ein merkwürdiges Rechtsverständnis, welches seine eigentliche Gesinnung entlarvt.

Er scheint auch offensichtlich kein Problem damit zu haben, dass Rima Hassan die Untaten der Hamas, einer in der Schweiz verbotenen Terrororganisation, in den heiligen Hallen des Parlaments rechtfertigt. Ein Parlament, das fast einstimmig, die Hamas in der Schweiz verboten haben will.

Das entsprechende Verbot wurde Ende 2024 in der großen Kammer des Schweizer Parlaments mit nur fünf Gegenstimmen deutlich angenommen. In der kleinen Kammer des Parlaments stimmte nur ein Parlamentarier gegen ein Verbot der Hamas in der Schweiz, die am 7. Oktober 2023 über 1200 Menschen bestialisch tötete und 251 verschleppte. Dieser eine Parlamentarier heißt Carlo Sommaruga.

Lesen Sie auch

18 Monate später lädt just dieser Parlamentarier eine Person ins Parlament ein, die nicht müde wird zu bekräftigen, dass der Hamas-Terror, wenn auch ein Verbrechen, so doch »legitim« sei. Aus der Sicht Sommarugas sei Hassans Einladung wiederum »legitim«, da sie sich wie er sagt, für die »palästinensische Sache« einsetze. Ein Schelm, der aus diesen Aussagen und dem Abstimmungsverhalten schließen könnte, auch Sommaruga könnte im Hamas-Terror eine legitime palästinensische Reaktion sehen.

Noch ist unklar, ob Rima Hassan überhaupt im Bundeshaus eintreffen wird. Fest steht aber schon jetzt, dass sie vermutlich vor leeren Rängen referiert. Sicher ist auch, dass Carlo Sommaruga in der ersten Reihe sitzen wird. Die beiden werden sich dann darin bestätigen können, dass sie boykottiert werden, weil der palästinensische Terror kriminalisiert wird, und wie der jüdische Staat am besten boykottiert wird.

Immerhin die Wirrungen um den Besuch von Rima Hassan in Bern entlarven einen Teil der Palästina-Aktivisten im Parlament und ihre Gesinnung. Das hat zumindest etwas Erhellendes.

dreyfus@juedische-allgemeine.de

Rückkehr

Wiener Stadttempel nach Restaurierung wiedereröffnet

Nach mehr als zehn Monaten Bauzeit konnte die jüdische Gemeinde in Wien wieder in ihre Synagoge zurückkehren. Nun steht ein großes Fest an - auch zum runden Jubiläum des größten Gotteshauses seiner Art in Österreich

von Johannes Peter Senk  10.09.2026

9/11

Das Gift des Terrors

Ein Vierteljahrhundert nach den islamistischen Anschlägen auf Amerikas Zentren der Macht findet tatsächlich ein Regime Change statt. Allerdings nicht in den Täterländern, sondern in den USA. Ein persönlicher Rückblick

von Hannes Stein  10.09.2026

Schweiz

Neues Holocaust-Memorial in Bern

In Bern soll bis Ende 2027 eine Gedenkstätte für die Opfer des Nationalsozialismus errichtet werden, das den Namen »Unfolded minute« trägt

von Nicole Dreyfus  09.09.2026

Emirate

Generation Golf

Dubai boomt als Reiseziel für Israelis. Doch schon vor dem Beitritt zu den Abraham-Abkommen ist eine Gemeinde gewachsen, für die der jüdische Alltag in einem arabischen Land Normalität ist

von Mark Feldon  09.09.2026

Meinung

Ein Sonntag genügt!

Was gehen uns in der Schweiz die Wahlen in Sachsen-Anhalt an? Auf den ersten Blick nicht viel. Auf den zweiten wird klar: Das Problem ist nicht nur die Partei selbst

von Zsolt Balkanyi-Guery  08.09.2026

Nachruf

Gloria Steinem: Ein Leben im Dienst der Gleichberechtigung

Die Journalistin und feministische Aktivistin starb im Alter von 92 Jahren. Mit ihrem Magazin »Ms.« veränderte sie den Blick auf Frauen nachhaltig

 04.09.2026

Schweiz

»Für mich ist ein Traum in Erfüllung gegangen!«

Der neunjährige Nathan Hertig ist eines von 25 jüdischen Kindern des FC Hakoah Zürich, die die Profis des FC Zürich ins Stadion begleiten durften. Im Interview erzählt er von diesem Erlebnis

von Nicole Dreyfus  03.09.2026

Terezín 2050

Theresienstadt: Zwischen Gedenken und Weiterleben

Einst Habsburger Festung, dann NS-Ghetto, heute tschechische Kleinstadt: Terezín (Theresienstadt) ist Erinnerungsort und lebendige Stadt zugleich. Internationale Forscher suchen nach Perspektiven für den Spagat zwischen Vergangenheit und Zukunft

 03.09.2026

Ungarn

Jüdisches Leben nach Orbán

Die neue Regierung verspricht eine Null-Toleranz-Politik gegenüber Judenhass – und Partnerschaft auf Augenhöhe

von György Polgár  03.09.2026