Seit dem 7. Oktober 2023 wird lautstark – und auch häufig zurecht – über den Antisemitismus in migrantisch geprägten Vierteln, linken Hausprojekten oder gratismutigen Künstlerkreisen diskutiert. Ist vom rechten Antisemitismus die Rede, dann vermutet man ihn in den ostdeutschen Bundesländern.
In den letzten Tagen ging nun ein Fall durch die Medien, der zeigt, dass diese Perspektive einer Korrektur bedarf. Auf eine Anfrage für ein Hotelzimmer im Bayerischen Wald erhielt ein aus Israel stammender Mann über die Plattform Booking.com die Antwort: »Entschuldigung, in unserem Hotel sind keine Juden erlaubt.«
»Saujud!« gehört auf dem bayrischen Dorf zum Standardrepertoire der Beleidigungen.
So widerwärtig und in höchstem Maß verurteilenswert der Vorfall auch sein mag: Wer selbst aus Bayern kommt und dort längere Zeit weit abseits der größeren Städte verbracht hat, den dürfte nicht allzu sehr wundern, dass die als ebenso gemütlich wie grantig geltenden Bewohner des bayrischen Hinterlands zu so etwas fähig sind. Man könnte hier beispielsweise anführen, dass »Saujud!« auf dem bayrischen Dorf zum Standardrepertoire der Beleidigungen gehört.
Oder sich an den Fall des stellvertretenden bayrischen Ministerpräsidenten Hubert Aiwanger erinnern, der mit einem antisemitischen Flugblatt in Verbindung gebracht wurde, das sein Bruder zu Schulzeiten verfasst haben soll. Das Flugblatt sei, so hieß es damals von Seiten des Bruders, bloß eine »überspitzte Form der Satire« gewesen, mit dem Ziel, einen »offen linksradikalen Lehrer« zu provozieren. Antisemitismus? Nein, ein Lausbubenstreich!
Freilich kommt all dem nur anekdotische Evidenz zu. Doch hier liegt möglicherweise das Problem: Eine Studie, die sich explizit mit der Verbreitung antisemitischer Ressentiments in den ländlichen Regionen Bayerns beschäftigt, fehlt bislang. Der Vorfall im Bayerischen Wald könnte ein Anlass sein, hier genauer hinzusehen. Bis dahin gilt: »Nix gwiss woas ma ned.«
stork@juedische-allgemeine.de