Meinung

Notbremse gegen Antisemitismus

Debora Eller

Eigentlich sollte man meinen, dass an den Hochschulen die besten Voraussetzungen für die Entwicklung kritischen Denkens gegeben sein sollten. Wirft man einen Blick in die Hörsäle, so zeichnet sich ein anderes Bild ab. Die Hochschulen scheinen Ausbildungszentren für den antisemitischen Nachwuchs geworden zu sein. Die Hochschulleitungen sehen vielerorts diesen Entwicklungen seit dem 7. Oktober 2023 gleichgültig oder überfordert zu. Dabei ist das Problem hausgemacht.

Der akademische Antisemitismus findet sich bereits bei so manchen Autoren, die in Seminaren gelesen werden. Der israelbezogene Antisemitismus wird nicht etwa von außen an die Universitäten gebracht. Letztere sind ohnehin Teil einer Gesellschaft, in der der Antisemitismus fortbesteht. Zudem zeigt sich seit Jahren schon ein aktivistischer Antizionismus an westlichen Universitäten, der sich wissenschaftlich gibt. Während einst in Studierendenparlamenten über Nahost zumindest noch gestritten wurde, ist heutzutage der Genozid-Vorwurf gegen Israel fast Minimalkonsens.

Neue Studierende werden über das Thema »Israel-Palästina« politisiert.

Neue Studierende werden über das Thema »Israel-Palästina« politisiert. Politisch-aktivistische Veranstaltungen in den Einführungswochen locken mit sozialen oder unibezogenen Themen und wenden diese auf das Thema Israel, à la »Wir sind für eine Zivilklausel an der Uni – weil hier sonst an Waffen geforscht wird, mit denen Israel einen Genozid begeht«. Emanzipatorische Gruppen, die antisemitismuskritisch sind, werden offen angefeindet und schaffen es meist ohnehin nicht in das Studierendenparlament oder in den AStA, womit sie auch keine Gelder für eigene Veranstaltungen bekommen.

Es braucht eine Notbremse. Die Hochschulleitungen müssen den Antisemitismus ihrer Mitarbeiter und Studierenden als das ernst nehmen, was er ist: eine Gefahr für jüdisches Leben in Deutschland.

Die Autorin arbeitet am Tikvah Institut und publiziert zu den Themen feministische Theorie, Kritik des Antisemitismus und Psychoanalyse.

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