Kommentar

Hätte er doch einfach geschwiegen

Musiker Michael Schulte Foto: picture alliance / CHROMORANGE

Michael Schulte aus Buxtehude ist der erfolgreichste deutsche Teilnehmer des »Eurovision Song Contest« (ESC) der letzten Jahre. Er belegte 2018 in Lissabon mit »You Let Me Walk Alone« den vierten Platz. Und Schulte ist ein geschichtsbewusster Künstler. Auch 2018 erschien das Musikhörspiel und Album zum Projekt »Die Kinder der toten Stadt – Musikdrama gegen das Vergessen«.

Schulte singt und spricht die Hauptrolle des Albert. Das Stück erzählt vom Schicksal der Kinder im Ghetto Theresienstadt, ihrem Leben dort und ihrer Ermordung in den Todeslagern der Nazis.

Umso unverständlicher ist Schultes Statement, das er der Deutsche Presse-Agentur (dpa) zum Thema gab. Dort sagte Schulte, angesprochen auf die Boykottkampagne gegen Israel: »Der Künstler aus Israel kann per se natürlich nichts dafür, dass er aus Israel kommt.« Allerdings, so Schulte, wäre es wohl »besser gewesen, wenn Israel mal aussetzt, auch im eigenen Interesse und für den Künstler«.

»Progressive« Seelen

Mit seinem Statement spricht Schulte gewiss etlichen Bundesbürgern aus der Seele – und steht damit exemplarisch für das aktuelle deutsche Dilemma im Umgang mit Juden. Geschichtsbewusst werden die Verbrechen der Schoa eingeordnet und betrauert – samt all ihrer Toten. Dass lebende Juden, in Israel zumal, einen zweiten Vernichtungsversuch erfolgreich verhindern, das hingegen ist »progressiven« Seelen hierzulande schon lange suspekt. Und so werden Israels Abwehrschlachten gegen Hamas, Hisbollah, Iran und Co. dämonisiert. 

Weil Israel sich also weder durch Islamisten vernichten lassen noch auf den ESC verzichten möchte, boykottieren Irland, Island, Niederlande, Slowenien und Spanien den diesjährigen Song Contest. Deutschland, größter ESC-Geldgeber, hat da einmal klare Kante gezeigt und gedroht, den Wettbewerb nicht mehr zu finanzieren, falls Israel ausgeschlossen werde. So kann Noam Bettan im Mai in Wien mit »Michelle« ins ESC-Rennen gehen.

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Zeitgleich mit der Schulte-Äußerung übrigens haben 1000 Künstler und Topstars wie Helen Mirren, Mila Kunis, Amy Schumer, Gene Simmons und Boy George eine Petition für Israels Verbleib in der Eurovision unterzeichnet. 

Weshalb Schulte sich ausgerechnet jetzt geäußert hat, bleibt ein Rätsel. Ihm womöglich auch. »Auf der anderen Seite nervt es mich auch, dass es zu so einem Thema gemacht wird. Am Ende sollte es um die Musik gehen. Und je mehr die in den Hintergrund gerät, desto trauriger macht mich das«, zitiert ihn dpa weiter. Hätte er doch einfach geschwiegen.

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