Nachdem Boy George dem Trend Judenhass eine Absage erteilt und den Song »We Will Dance Again« veröffentlicht hat, ist der britische Musiker das neueste liebste Ziel antisemitischer Hysterie – nicht nur in seinem eigenen Land, in dem die Zahlen judenfeindlicher Angriffe auf einem Extrem-Hoch sind.
Boy George stellt auch klar, dass es keinen Mut brauche, um das zu tun, was er tut. Man müsse sich »einfach nur wie ein Mensch benehmen«.
Dabei hat der ehemalige Sänger der Band Culture Club und einst kurzzeitig berühmteste Popstar der Welt nichts Besonderes getan. Er hat schlicht mit seinen Mitteln festgestellt, dass es inakzeptabel ist, Massaker zu verherrlichen und menschenverachtenden Hass und Lügen zu verbreiten. Doch diese rationale, im Grunde den aufklärerischen Werten der westlichen Zivilisation entsprechende Feststellung sorgt derzeit für Beschimpfungen, Drohungen, abgesagte Theaterengagements, und, um es beim Namen zu nennen, Boykotte gegen den nichtjüdischen Künstler.
Weil Boy George Boy George ist – der Anfang der 80er-Jahre nicht nur Popgeschichte geschrieben, sondern auch der LGBTQ-Bewegung den Weg geebnet hat, und der Sänger einer Band war, die unter der Prämisse gegründet wurde, für alle Menschen Musik zu machen, egal welcher Herkunft oder Religion –, stellt er auch klar, dass es keinen Mut brauche, um das zu tun, was er tut. Man müsse sich »einfach nur wie ein Mensch benehmen«.
Und weil Boy George Boy George ist, endet der Song trotz des deprimierenden Themas nicht ohne Hoffnung: »Vertraut mir, wir werden wieder tanzen. Es wird keinen Krieg mehr geben.« Ganz am Ende versucht sich der Sänger sogar im Hebräischen.
On- und offline sorgt »We Will Dance Again«, dessen Titel vom Motto der Nova-Bewegung nach dem 7. Oktober 2023 inspiriert ist, für Begeisterung bei seinen israelischen und jüdischen Fans, und solchen, die es gerade werden. Weil es in unseren Zeiten offenbar doch etwas Besonderes ist, für die Aufrechterhaltung grundsätzlicher menschlicher Werte und Logik einzustehen. Deshalb: Danke, Boy George!
benchamo@juedische-allgemeine.de