Kommentar

Antisemitismus im »Safe Place«: Die Kunstakademie Düsseldorf macht’s möglich

Kunst darf provozieren. Kunst darf unbequeme Fragen stellen. Und natürlich sollte eine Kunstakademie Räume für kritisches Denken öffnen. Aber was sie nicht sollte, sind diskursive Räume für Ideologien zu schaffen, die Menschenfeindlichkeit salonfähig machen.

Es sollte überflüssig sein betonen zu müssen, dass dies in einer demokratischen Gesellschaft nicht geschehen darf. Doch vergangene Woche ist genau das in Düsseldorf passiert. Die Kunstakademie Düsseldorf hat an der Einladung der palästinensischen Filmemacherin Basma al-Sharif trotz massiver Proteste und erdrückender Beweise an al-Sharif festgehalten.

Einer Künstlerin, die nicht davor zurückschreckt, das rote Hamas-Dreieck in den sozialen Medien zu teilen oder von Israel als zionistischem Gebilde und vom Genozid in Gaza zu sprechen, eine Bühne zu geben, ist bereits hochproblematisch. Hier werden Narrative kolportiert, denen deutliche antisemitische Muster zugrunde liegen. Sie als »Israelkritik«, »politische Kunst« oder »Diskursangebot« zu verpacken, ist zu einer modernen Tatsache geworden und beweist einmal mehr, wie schnell Antisemitismus für Meinungsfreiheit missbraucht wird.

Doch genau hier hätte – vor allem von Seiten der Kunstakademie Düsseldorf – eine differenzierte Auseinandersetzung mit Antisemitismus stattfinden sollen. Stattdessen konnte Hass »im geschützten Diskursraum« und damit verschleiert im Kunstraum vorgetragen – und letztlich auch ästhetisiert – werden.

Umso bedenklicher, geradezu heuchlerischer, ist die offizielle Stellungnahme der Kunstakademie, in der es heißt: »Für Antisemitismus gibt es an der Kunstakademie Düsseldorf keinen Platz. Wir verurteilen unmissverständlich jede Form von Antisemitismus, Ausländerfeindlichkeit, Rassismus und gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit.«

Wenn eine Kunstakademie eine Person wie al-Sharif einlädt, weiß die Institution ganz genau, wen sie einlädt. Was bringen solche Stellungnahmen überhaupt? Es sind Reinwaschungen ohne Wert, denn sie jonglieren mit floskelhaften Entschuldigungen, die keineswegs mehr glaubwürdig sind.

Eine Institution wie die Kunstakademie Düsseldorf weiß zudem auch, dass Antisemitismus kein abstraktes Problem ist, sondern Teil einer Geschichte. Auch dass Antisemitismus ein Problem der gesellschaftlichen Gegenwart ist, sollte ihr und ihrer Trägergremien bewusst sein. Aber sich öffentlich gegen Antisemitismus zu positionieren und ihn gleichzeitig als Kunst oder Meinungsfreiheit zu etikettieren, grenzt an Zynismus.

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Antisemitismus wird nicht harmlos, nur weil man ihn Kunst oder Meinungsfreiheit nennt. Es ist ein Fakt, dass Antisemitismus für Jüdinnen und Juden in Deutschland, aber auch anderswo, zu einer traurigen Realität geworden ist. In einer Stellungnahme mit ein paar Sätzen abzuhacken, dass dafür kein Raum zur Verfügung steht und gleichzeitig von Kontextualisierung und Diskursräumen zu sprechen, sorgt verständlicherweise bei Jüdinnen und Juden für Irritation und Frust.

Bemühungen, sich im Kampf gegen Antisemitismus einzusetzen, werden mit ebensolchen Auftritten und Stellungnahmen zunichtegemacht – umso mehr, als dass es sich um eine renommierte und öffentliche Hochschule handelt.

Meinungsfreiheit schützt Kritik, aber nicht Menschenfeindlichkeit, wo zu auch Antisemitismus zählt. Er gilt als rote Linie und ist keine austauschbare Perspektive, die je nach Narrativ und Diskurs variiert. Nicht im Hörsaal, nicht im Ausstellungsraum und nicht unter dem Deckmantel künstlerischer Freiheit. Auch eine Hochschule kennt diese Grenzen.

dreyfus@juedische-allgemeine.de

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