Frankreich

Undercover bei Israelfeinden

Nora Bussigny Foto: picture alliance / abaca

Die französische Journalistin Nora Bussigny hat mit ihrem neuen Buch Les Nouveaux Antisémites (Die neuen Antisemiten) eine Untersuchung über zeitgenössischen Antisemitismus vorgelegt, der sich nach ihrer Analyse zunehmend aus antirassistischen und antikolonialen Diskursen speist. Das Buch ist vier Monate nach seinem Erscheinen ein Bestseller. »Libération« und andere französische Medien besprachen es.

Bussigny beschreibt darin ihre verdeckten Recherchen in sogenannten »propalästinensischen« Aktivistengruppen, an Universitäten sowie bei Demonstrationen seit dem 7. Oktober 2023. Die Autorin war nach eigenen Angaben fast zwei Jahre lang undercover unterwegs, um die ideologischen Schnittstellen zwischen islamistischen Akteuren und Teilen der radikalen Linken zu dokumentieren. In diesen Milieus werde Israel systematisch delegitimiert und antisemitische Positionen würden unter dem Deckmantel von Antizionismus und Intersektionalität normalisiert.

In dem Buch schildert Bussigny Ereignisse bei Demonstrationen gegen die »zionistische Entität« und beschreibt deren Organisatoren. Zudem berichtet sie von feministischen und linken Zusammenhängen, in denen der Hamas-Terror relativiert und sexualisierte Gewalt vom 7. Oktober geleugnet wurde.

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Die Veröffentlichung hat in Frankreich eine breite Debatte ausgelöst. Kritiker werfen der Autorin methodische Verkürzungen und pauschale Zuschreibungen vor. Das Medienportal »Arrêt sur images« veröffentlichte eine ausführliche Gegenrecherche. Juristische Schritte gegen Bussigny gibt es bislang nicht. Sie braucht allerdings Personenschutz.

Im Oktober wurde die Journalistin von einer parlamentarischen Untersuchungskommission zu möglichen Verbindungen zwischen politischen Bewegungen und islamistischen Netzwerken angehört. Eine nicht öffentliche Sitzung lehnte sie ab.

Bussigny, die für die Publikationen »Le Point« und »Franc-Tireur« arbeitet, hatte sich bereits in früheren Publikationen mit radikalen politischen Milieus beschäftigt.

Der Verlag Albin Michel beschreibt das Buch als »bewusst schwer erträglich« in der Lektüre und sieht gerade darin seinen Erkenntniswert. Bussigny zeichne das Bild einer Eskalation nach dem 7. Oktober 2023, in der sich politische Radikalisierung, gesellschaftliche Polarisierung und strategische Mobilisierung überlagerten. im

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