Dorset

»Shakespeare In Love« - Dramatiker Tom Stoppard gestorben

Sir Tom Stoppard (1937 - 2025) Foto: picture alliance / empics

Als junger Mann sah er Mick Jagger ähnlich: der ungezähmte Schopf, die vollen Lippen, die Vorliebe für fließende Mäntel. Nun, viele Jahre später, trauert der Rockmusiker selbst um Tom Stoppard - dem britischen Dramatiker, der ihm einst so ähnlich sah. »Er war unterhaltsam und auf eine ruhige Art sarkastisch. Ein Freund und Weggefährte, den ich immer vermissen werde«, teilte Mick Jagger der Nachrichtenagentur PA zufolge mit.

Im Alter von 88 Jahren ist der Dramatiker und Oscar-Preisträger in seinem Zuhause in der englischen Grafschaft Dorset im Kreise seiner Familie gestorben, wie die Nachrichtenagentur PA unter Berufung auf seine Agentur United Agents berichtete, die ein Statement auf ihrer Webseite veröffentlichte.

Stoppard werde für »seine Werke, für ihre Brillanz und Menschlichkeit«, aber auch für »seine Großzügigkeit und seine tiefe Liebe zur englischen Sprache« in Erinnerung bleiben, heißt es in dem Statement. Jagger teilte in einem X-Beitrag mit, er hinterlasse »ein beeindruckendes Werk voller Intellekt und Humor.«

Vom Flüchtlingskind zum Oscar-Preisträger

Geboren wurde Stoppard als Tomáš Straussler im heute tschechischen Zlín. Sein jüdischer Vater arbeitete als Arzt im Betriebskrankenhaus des Schuhkonzerns Bata. Der Inhaber rettete seine jüdischen Angestellten, indem er sie kurz vor der deutschen Besetzung im Jahr 1939 in Zweigstellen auf der ganzen Welt versetzte. Stoppards Familie gelangte nach Singapur, später nach Indien. Viele seiner Verwandten – das erfuhr er erst Jahrzehnte später – wurden in Konzentrationslagern umgebracht. 

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Mit 17 verließ Stoppard schließlich die Schule und arbeitete zunächst als Lokaljournalist in Bristol. Sein erstes Bühnenstück wurde 1964 als »Der Spleen des George Riley« in Hamburg uraufgeführt. 1967 stellte er schließlich sein bekanntestes Bühnenwerk »Rosenkranz und Güldenstern sind tot« vor. Das Drama über die beiden Freunde Hamlets aus William Shakespeares berühmter Tragödie erhielt im Jahr darauf den Tony-Award als bestes Theaterstück.

Stoppard brachte seine Liebe zum Theater mit Dutzenden Stücken zum Ausdruck, auch Hörspiele fürs Radio schuf er. Er übersetzte Arthur Schnitzler und Vaclav Havel ins Englische und wurde immer wieder von Hollywood angeheuert, um Drehbüchern den letzten Schliff zu geben - darunter Tim Burtons »Sleepy Hollow« und »Indiana Jones und der letzte Kreuzzug«. 

Auch im hohen Alter noch im Theater

1999 erhielt er schließlich zusammen mit Marc Norman den Oscar für das Drehbuch »Shakespeare In Love« mit Gwyneth Paltrow - ein Highlight seiner langen Karriere. Zwei Jahre zuvor wurde er für seine Verdienste im Bereich der Literatur der Nachrichtenagentur PA zufolge sogar von der verstorbenen Queen Elizabeth II. zum Ritter geschlagen.

Der berühmte Dramatiker hinterlässt vier Söhne, darunter den Schauspieler Ed Stoppard, und seine dritte Frau Sabrina Guinness, die er 2014 heiratete.

Das Schreiben fiel ihm im hohen Alter oft nicht mehr so leicht, wie er einst erzählte. »Als ich jünger war, konnte ich etwas Sinnvolles tun, wenn ich nur einen halben Tag Zeit hatte«, sagte er vor einigen Jahren der »Times«. »Jetzt brauche ich fünf Tage, um die Welt hinter mir zu lassen, und zwei Wochen, während derer ich mit niemandem spreche, um alles in meinem Kopf zu halten.«

Dass Stoppards Werke aus der Welt des Theaters auch künftig nicht wegzudenken sind, scheint angesichts seiner Vita wenig überraschend: Ab Januar 2026 ist etwa im Londoner Old Vic Theater eine Inszenierung seines Theaterstücks »Arcadia« zu sehen.

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