Interview

»Lachen statt verzweifeln«

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Interview

»Lachen statt verzweifeln«

Ein Gespräch mit der Meme-Künstlerin ruth__lol über jüdischen Humor, die komische Seite des Antisemitismus und eine Leerstelle in den sozialen Medien

von Joshua Schultheis  26.02.2026 12:52 Uhr

ruth__lol, Sie betreiben einen sehr erfolgreichen Account auf Instagram, wo Sie regelmäßig Bilder mit lustigen Sprüchen, sogenannte Memes, veröffentlichen. Was macht diese Kunstform aus?
Ein gutes Meme verdichtet komplexe Sachverhalte auf eine Weise, die etwas beim Betrachter auslöst. Es spricht eine Wahrheit so aus, dass sich die Menschen verstanden und gesehen fühlen, und hat dabei nie einen Anspruch auf Ganzheitlichkeit. Wenn es richtig gut läuft, dann schafft es ein Meme, einen Impuls zu setzen, etwas noch einmal zu überdenken. Der Ausgangspunkt bei meiner eigenen Arbeit ist oft ein Schmerz, der durch das Meme in eine Form gebracht wird, über die sich lachen lässt.

Sie thematisieren häufig den alltäglichen Antisemitismus, den Juden hierzulande erleben. Was ist daran komisch?
Es gibt kaum eine facettenreichere Diskriminierung als Antisemitismus. Das kann man schon lustig finden, dass sich der Hass auf Juden so hartnäckig hält und sich die Antisemiten immer wieder etwas Neues einfallen lassen. Gleichzeitig lässt es einen so ohnmächtig zurück, dass man eigentlich keine andere Wahl hat, als Witze darüber zu machen. Wenn ich mich entscheide, über etwas zu lachen, anstatt daran zu verzweifeln, gibt mir das ein bisschen Kontrolle zurück.

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Das ist klassischer jüdischer Humor.
Das höre ich öfter, mir selbst war das aber lange nicht bewusst. Jemand meinte mal, ich würde im digitalen Raum weiterführen, was wir Juden eigentlich immer schon gemacht haben. Das hat mich sehr bewegt.

Fühlt man sich als jüdische, antisemitismuskritische Meme-Künstlerin in den sozialen Medien nicht manchmal einsam?
Gerade in den vergangenen zweieinhalb Jahren hat es sich tatsächlich oft einsam angefühlt. Immer wieder schreiben mir Personen mit reichweitenstarken Accounts, dass sie meine Arbeit gut finden. Öffentlich sagen sie das aber nicht. Ich glaube, es ist für viele ein unangenehmes Detail, dass ich jüdisch bin. Andererseits gibt es sehr viel positive Resonanz auf meine Memes. Offenbar besetze ich eine Leerstelle, die es in den sozialen Medien zuvor gegeben hat. Das setzt mich ganz schön unter Druck, hat aber auch etwas von Community Building.

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Sie teilen gegen alle Antisemiten aus, egal ob bürgerliche, rechte oder linke. Macht Sie das zur Zielscheibe?
Ja, total. Mich trifft der Hass aus dem gesamten politischen Spektrum. Ich werde beleidigt, mir wird mit Klagen gedroht, und mein Account wird bei Instagram so häufig gemeldet, dass er permanent mit einem Shadowban belegt ist, also eine gedrosselte Reichweite hat.

Geben Sie deshalb Ihren echten Namen und Ihr Gesicht nicht preis?
Sicherheit ist ein Grund dafür. Ein anderer ist, dass ich den Vibe und das Konfrontative meiner Memes und die Persona ruth__lol auch in die analoge Welt mitnehmen will.

Mit der Social-Media-Künstlerin sprach Joshua Schultheis.

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