Pink zählt nicht unbedingt zu den Künstlern, die sich in den Sozialen Medien schnell aufregen. Aber selbst für die immer resolut und cool wirkende Musikerin scheint irgendwann das Maß voll zu sein. Und deshalb nutzte Alecia Beth Moore, wie Pink mit bürgerlichem Namen heißt, das jüdische Neujahrsfest Rosch Haschana, um sich ihrem Ärger über einen Repost mal Luft zu machen und ein paar Dinge sehr deutlich zu benennen.
»Ich habe mich eine Woche lang nicht öffentlich geäußert – was, wie ihr wisst, untypisch für mich ist«, so beginnt der Post von vergangenem Freitag. Es ging um Pinks Repost eines Instgram-Videos, der US-NGO »Stop_Antisemitism«, das einen Clip eines Macklemore-Auftritts enthielt und das mit diesem Kommentar versehen war: »Schrecklich, jüdische Fans kauften Tickets, um vergangenen Abend eigentlich Ed Sheeran in NJ singen zu hören, und nicht, um von Macklemores Anti-Israel-Propaganda überfallen zu werden. Stattdessen kam Macklemore mit Kufiya auf die Bühne, rief ›Free Palestine!‹, warf Israel fälschlicherweise einen Genozid vor und machte einen Mainstream-Event zu einem politischen Albtraum gegen den jüdischen Staat«.
Ich lasse mich lieber für das kritisieren, was ich tatsächlich gesagt habe.
Was dann folgte, waren laut Pink etliche Kommentare, auf die sie so reagierte, wie sie es eben tue, wenn sie verletzt sei, schreib sie: »Ich postete bissige Memes und tat so, als wäre alles in Ordnung. Das geht auf meine Kappe. Ein Repost ist kein eigenes Statement, und ein Meme ersetzt kein Rückgrat. Social Media verleitet uns alle dazu, oberflächlich und vorschnell zu handeln – das wissen wir. Aber ich lasse mich lieber für das kritisieren, was ich tatsächlich gesagt habe, als für das gehasst zu werden, was jemand anderes geschrieben hat.«
Daher wolle sie eines klarstellen: »Ich bin als Jüdin geboren. Ich habe mir das nicht ausgesucht, aber ich habe es auch nie verheimlicht. (...) Ein Repost und das Wort ›Jüdin‹ reichten ihnen offenbar aus, um sich den Rest zusammenzureimen.«
Sie teilte mit ihren Fans eine Erinnerung aus dem Jahr 2014. Ich war bei dem Grammys, als Macklemore seinen Song ›Same Love‹ rappte, zu dem 33 homo- und heterosexuelle Paare heirateten. Ich jubelte, keine Frage!» Vier Monate später, schildert die Künstlerin, habe Macklemore mit künstlicher «Hakennase, einem Bart und einem Melonenhut» performt. Er nannte es ein «zufälliges Kostüm». Aber jeder Jude hatte verstanden, was er sagen wolte, kommentiert Pink, die dieses Ereignis zwar zur Kenntnis nahm, es aber mit der Zeit vorbeiziehen lies. Der jüngste Auftritt Macklemores allerdings habe das Fass zum Überlaufen gebracht, deswegen repostete die Sängerin das Video der NGO.
Sie erheb nun als Jüdin das Wort, auch wenn ihr bewusst sei, wie einsam das machen kann. «Ich mache es trotzdem.» Denn in ihrem Land habe sich einiges verändert, und das könne sie an den Kommentaren ablesen. Das Wort Zionist werde von Leuten, die gar nicht wüssten, in und an was sie glaube, weil sie es ihnen nicht erzählt habe, wie ein Schimpfwort hingespuckt.
Sie spreche «weder für Israel noch für irgendeine Regierung. Das habe ich noch nie getan. Was ich im Oktober 2023 gesagt habe, entspricht nach wie vor genau meiner Überzeugung: Die Hamas ist eine Terrororganisation.» Die Palästinenser verdienten eine Zukunft, «die ihre Menschlichkeit und ihre Hoffnungen respektiert. Der Schutz unschuldigen Lebens steht an erster Stelle – überall –, und niemand sollte jemals den Tod eines Kindes feiern. Ganz gleich, wessen Kind es ist.» Pink, die selbst als UNICEF-Botschafterin für Kinder gearbeitet hat, habe «um jedes einzelne von ihnen getrauert, auf beiden Seiten der Front. Ich habe das nicht hinter einem Bildschirm getan, sondern bin zu diesen Kindern gegangen und habe sie in den Arm genommen.» Sie werde also keinen komplexen Krieg in einer Instagram-Bildunterschrift abhandeln, und sie werde keine Parolen nachplappern, nur um Follower zurückzuholen.
Aber sie könne vieles einstecken, da sie schon desöfteren als der Bösewicht galt. «Ich steck das weg, nur werde ich es nicht mehr leise machen, und ich erzpehe auch meine Kinder nicht auf diese Weise.»
Und jetzt, schrieb Pink am Erew Rosch Haschana werde sie für ihre Kinder das Abendessen zubereiten, werde Kerzen anzünden, Äpfel in Honig dippen, sich ein Glas Wein gönnen und dankbar sein. «Das ist meine Tradition, und die ist nun einmal jüdisch. Shana tova.»