Meinung

Macklemores Kunstfreiheit: Den Preis zahlen die Juden

Macklemore (hier auf dem Lollapalooza in Paris) warf auf dem Deichbrand-Festival Israel einen Genozid vor. Foto: picture alliance / abaca

Es kam am Wochenende, wie es kommen musste: Der US-amerikanische Rapper Macklemore bezeichnete vor 60.000 Menschen auf dem Deichbrand-Festival Israel als Kolonialstaat und bezichtigte das Land, einen Genozid in Gaza durchzuführen. Alle vorherigen Warnungen – auch die des Zentralrates der Juden – wurden von den Veranstaltern in den Wind geschlagen. Deren Krisenmanagement in den vergangenen zwei Wochen diente einzig dem Zweck, das Event so geräuschlos wie möglich über die Bühne zu bringen.

Aus diesem Grund bestellten die Betreiber des Festivals eine halbgare, entlastende Antisemitismus-Analyse bei der Bildungsstätte Anne Frank. Deren Leiter Meron Mendel lieferte bereitwillig. Er sprach sich öffentlich für den Auftritt des Sprechgesangsinterpreten aus. Verbote würden laut dem Pädagogen nur den Antisemiten in die Hände spielen, da es den betroffenen Künstlern ermögliche, »sich als Opfer einer vermeintlichen Cancel-Culture« darzustellen. Wie falsch man doch liegen kann.

Macklemore inszenierte sich als verfolgte Unschuld – die moralische Zugabe zur musikalischen Darbietung.

Am vergangenen Sonntag erklärte Macklemore lauthals auf der Bühne, dass Sponsoren und deutsche Behörden versucht hätten, ihm den Mund zu verbieten. Das Publikum applaudierte dem Schauspiel. Routiniert spulte der Agitator die perfekt eingeübte Opferrolle ab, gerahmt von Palästina-Fahnen und Kufijas im Publikum. Die Inszenierung als verfolgte Unschuld war von vornherein geplant – als moralische Zugabe zur musikalischen Darbietung.

Als weiteren Grund, dieser Show keinen Riegel vorzuschieben, gab Mendel an, dass dies nun mal der Preis sei, »den wir dafür zahlen, dass wir in einer freien Gesellschaft leben dürfen«. Auftrittsverbote seinen nicht mit den Prinzipien einer liberalen Demokratie vereinbar. Was Mendel aber dabei geflissentlich unter den Tisch fallen lässt: Den Preis dieser Freiheit zahlen allein die Juden. Das bedeutungsschwanger vorgetragene »Wir« duckt sich in den entscheidenden Momenten vor dieser Einsicht geschickt weg. So wie am vergangenen Sonntag auf dem Deichbrand-Festival.

Der Autor ist freier Journalist in Berlin.

Meinung

Es reicht!

Im Angesicht der brutalen und mutmaßlich antisemitisch motivierten Gewalttat bei Würzburg muss endlich über Verantwortlichkeiten geredet werden

von Volker Beck  22.07.2026

Meinung

Ist der neue jüdische Außenminister nur ein Feigenblatt?

Großbritanniens neuer Premier Andy Burnham hat Ed Miliband zum Außenminister ernannt. Dass nun ein jüdischer Politiker für die Nahostpolitik zuständig ist, könnte auch ein Feigenblatt sein

von Michael Thaidigsmann  21.07.2026

Kommentar

Absage an Danger Dan und Igor Levit: Das ZDF hat absolut richtig gehandelt

Nicht alles, was nicht justiziabel ist, muss auch gesendet werden. Schon gar nicht unverhohlene Aufrufe zur linksextremen Gewalt und Verherrlichung der »Hammerbande«-Terroristen

von Philipp Peyman Engel  18.07.2026 Aktualisiert

Kommentar

Warum ich mit der SPD fertig bin

Eine späte Einsicht ist besser als gar keine, oder?

von Imanuel Marcus  18.07.2026

WM-Nachlese mit Marcel Reif

»Man muss Infantino zum Teufel jagen und die FIFA auflösen«

Der Moderator und Fußballexperte spricht im Interview über seine persönlichen Highlights und Enttäuschungen der WM, über surreale Argentinier und die Sinnhaftigkeit der Trinkpausen

von Michael Thaidigsmann  17.07.2026

Essay

Der Flüchtlingsstatus der Palästinenser muss endlich enden

Wer über Asyl spricht, muss auch über die Bedingungen sprechen, unter denen Schutz wieder entfallen sollte

von Steven Guttmann  16.07.2026

Meinung

So markiert man Feinde

Die sogenannte Studie der Rosa-Luxemburg-Stiftung zur UNRWA enthält entlarvende Widersprüche. Sie konstruiert eine angebliche Kampagne gegen das Palästinenserhilfswerk und stellt dessen Kritiker in die rechte Ecke

von Rebecca Schönenbach  16.07.2026

Meinung

Die Fußball-WM war ein voller Erfolg

Schon jetzt steht fest, dass die Weltmeisterschaft 2026 unvergesslich bleiben wird. Zumindest, wenn man die Kriterien des Fußballphilosophen Nick Hornby zugrunde legt

von Elke Wittich  15.07.2026

Kommentar

Sichere Hochschule auch für Jüdinnen und Juden!

Sicherheit ist zentral, aber auch Respekt vor Arbeitsruhegeboten. Wer Prüfungen auf hohe jüdische Feiertage legt, verlangt von Juden, für ihre Religionsausübung Nachteile beim Studienfortschritt in Kauf zu nehmen

von Volker Beck  15.07.2026