Berlin

»Eine Zierde der Stadt«

Sitz der Berliner Gemeinde: Die Neue Synagoge in der Oranienburger Straße Foto: picture-alliance/ ZB

Mit ihren teilvergoldeten Kuppeln prägt die Neue Synagoge in der Oranienburger Straße bis heute das Berliner Stadtbild. Einst war sie die größte und schönste Synagoge in Deutschland und das selbstbewusste Zeugnis der Juden Berlins. Das Gotteshaus stelle »alles in den Schatten, was die christlichen Kirchen unserer Hauptstadt aufzuweisen haben«, erklärte 1865 der Schriftsteller Theodor Fontane. Es sei eine »Zierde der Stadt«.

Akten von hunderten jüdischen Gemeinden, zahlreiche Familien-Nachlässe, Ausstellungen und Veröffentlichungen machen das Centrum Judaicum in Berlin auch heute noch zu einem der wichtigsten Orte jüdischen Lebens in Deutschland. Am 7. Mai vor 30 Jahren wurde die Informationsstelle für jüdisches Leben im denkmalgeschützten Gebäude der Neuen Synagoge in der Oranienburger Straße gegründet - nach mehrjährigem Wiederaufbau. Eine Dauerausstellung über die Geschichte der Synagoge und des jüdischen Lebens, eine Bibliothek und ein Archiv sind hier untergebracht. Als gemeinsame Einrichtung der jüdischen Gemeinde und des Landes Berlin ist es zudem Sitz der jüdischen Gemeinde.

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»Symbol für das Selbstverständnis«

Das Gebäude ist dabei für die Stiftung von zentraler Bedeutung - »wir haben es zum wichtigsten Objekt erklärt«, sagte Direktorin Anja Siegemund bei der Eröffnung der neuen Dauerausstellung 2018. »Die Synagoge ist Symbol für das Selbstverständnis, deutsch, berlinerisch und jüdisch zu sein.« Der Name der Schau »Tuet auf die Pforten« soll dabei Sinnbild für die Offenheit der Einrichtung sein. Das Bibel-Zitat stand in hebräischen Schriftzeichen bereits auf dem Portal der historischen Synagoge.

Seit 1995 gab es 78 Ausstellungen und 4,1 Millionen Besucher. Im Eingangsbereich drängen sich täglich zahlreiche Schulklassen und Touristen, um die Sicherheitskontrollen zu durchlaufen. Neben der Architektur gibt es Fundstücke aus der Synagoge, Infotafeln, Filme sowie Zeitzeugeninterviews zu sehen. Normalerweise kann von April bis September auch die Kuppel besichtigt werden; zur Zeit ist sie allerdings geschlossen.

Die Synagoge sollte einst in seiner Pracht das gestiegene Selbstbewusstsein der jüdischen Bevölkerung zum Ausdruck bringen. Schon die Namen der Architekten zeigen, dass der Bau nicht als Vorhaben einer Randgruppe gesehen wurde wie heute mancher Moscheebau: Zunächst war es Chefsache von Eduard Knoblauch (1801-1865), einem Mitglied der preußischen Akademie der Künste, dann des preußischen Hofbaurates Friedrich August Stüler (1800-1865), des »Architekten des Königs«.

Ungewöhnliche Architektur

Sie schufen ein ungewöhnliches Werk, das unter den preußisch-strengen Ziegelbauten der Umgebung hervorstach. Der Kuppelbau weist zahlreiche orientalisch anmutende Elemente auf. Als Inspiration diente die Alhambra, die maurische Residenz im südspanischen Granada. Von den gewaltigen Ausmaßen des ehemaligen Synagogenhauptraumes mit 3.200 Sitzplätzen kann man sich auch heute noch auf der Freifläche hinter den restaurierten Gebäudeteilen im Rahmen einer Führung überzeugen.

Im Zuge der Pogrome vom November 1938 wollten Nationalsozialisten auch das architektonische Symbol des Berliner Judentums in Schutt und Asche legen. Es loderten schon Flammen, als der Streifenpolizist Wilhelm Krützfeld einschritt. Unter Hinweis auf den Denkmalschutz alarmierte er die Feuerwehr, die den Brand löschte. Heute erinnert eine Gedenktafel an der Synagoge an den Gesetzeshüter.

Den Folgen des NS-Regimes entging die Synagoge dennoch nicht. Britische Bomben verursachten 1943 große Schäden. Nachdem man später, im Jahr 1958, den Synagogenhauptraum gesprengt hatte, standen nur noch die an der Straße gelegenen Gebäudeteile. Von einst 170.000 Mitgliedern schrumpfte die Berliner jüdische Gemeinschaft nach Mord und Vertreibung im Dritten Reich auf einige tausend Menschen, von denen nur wenige in Ost-Berlin lebten.

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Ihrer erinnerte sich das SED-Regime in seinen letzten Jahren, um sein internationales Ansehen zu verbessern. So fand 1988, fast genau ein Jahr vor dem Mauerfall, die symbolische Grundsteinlegung für einen Wiederaufbau statt. Dann überschlugen sich die politischen Ereignisse. Sie stellten die Weichen für die Zukunft der Synagoge neu - das Centrum Judaicum wurde gegründet. kna

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