Hintergrund

Diffamierungskampagne von Deborah Feldman: »Hier soll ein Kollege als Person diskreditiert werden«

Philipp Peyman Engel bei der Preisverleihung in Berlin
JA-Chefredakteur Philipp Peyman Engel Foto: Wolfgang Borrs

Der Chefredakteur der »Jüdischen Allgemeinen«, Philipp Peyman Engel, hat Behauptungen der Autorin Deborah Feldman zu einer angeblichen Konstruierung seiner Biografie zurückgewiesen.

Der JA-Chefredakteur sprach von einer »Rufmordkampagne«. Er stellte klar, dass seine Mutter, die aus dem Iran stammt, durch Geburt zweifelsfrei jüdisch ist – und zwar nach jüdisch orthodoxem Verständnis. »Ich bin nach jüdisch orthodoxem Verständnis durch Geburt ebenfalls zweifelsfrei jüdisch«, unterstrich Engel.

Unter anderem Zertifikate der Orthodoxen Rabbinerkonferenz Deutschland (ORD), der Conference of European Rabbis und der Jüdischen Gemeinde zu Berlin sowie der Israelitischen Cultusgemeinde Zürich (Engel pendelt zwischen Berlin und Zürich) bestätigen diese Angaben.

Feldman zieht Engels Jüdischkeit in Zweifel

Zuvor hatte Deborah Feldman einen mehrseitigen Text für die nach 32 Jahren am Dienstag vergangener Woche erstmals wieder erschienene Zeitschrift »Weltbühne« verfasst, die von dem Unternehmer und Verleger der »Berliner Zeitung«, Holger Friedrich, herausgegeben wird. In dem Text, der auch in der Online-Ausgabe der Berliner Zeitung erschienen ist, zieht Feldman Engels Jüdischkeit und die seiner Mutter in Zweifel.

Bereits im April dieses Jahres hatte Deborah Feldman auf Instagram nahegelegt, Philipp Peyman Engel sei ein »Kostümjude«, also nicht jüdisch. Dagegen ging Engel anwaltlich vor. Die Behauptung hielt Feldman, bekannt für ihr autobiografisches Buch Unorthodox, danach nicht weiter aufrecht und löschte ihren Post.

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Vom Zentralrat der Juden in Deutschland, dem Herausgeber der Jüdischen Allgemeinen, hieß es in einem Statement, man stehe zu »100 Prozent« hinter Philipp Peyman Engel. Feldman verbreite »unwahre Behauptungen« über den Chefredakteur, sie ziehe seine jüdische Identität in Zweifel.

Dokumente der ORD und von Engels jüdischen Gemeinden widerlegen Feldman

»Es ist nicht das erste Mal, dass Feldman mit einer Diffamierungskampagne gegen Personen vorgeht, die ihr unliebsame Meinungen vertreten«, betonte der Zentralrat. Betroffen waren unter anderem die Publizistin Sarah Cohen-Fantl, der Pianist Igor Levit und die Schriftstellerin Mirna Funk, die gegen Feldman eine einstweilige Verfügung erwirkt hat. Auf einem viel kritisierten Social-Media-Post stellte Feldman zudem die Jüdischkeit der allermeisten jüdischen Zuwanderer aus der Sowjetunion infrage.

Der Zentralrat ergänzte: »Die jüdische Herkunft Engels und die seiner Mutter von Geburt an sind zweifelsfrei durch Unterlagen nachgewiesen – worüber Frau Feldman vor Veröffentlichung informiert wurde.« Die Zeitschrift Weltbühne wiederum teilte mit, die Behauptung, Feldman ziehe die jüdische Identität des Chefredakteurs in Zweifel, sei »eine Unterstellung und entspricht nicht den Tatsachen«. Und: »Die Herausgeber der Weltbühne stehen zu 100 Prozent hinter ihrer Autorin.«

Feldman ist in der ultraorthodoxen Gemeinschaft der Satmarer Juden in New York aufgewachsen, die auch als Sekte bezeichnet wird. Bekannt wurde Feldman durch ihren autobiografischen Roman Unorthodox. In ihrem Text für die Weltbühne stellte Feldman einen Bezug zu einer Kritik des JA-Chefredakteurs Engel an dem Journalisten Fabian Wolff her.

Feldman ist in der ultraorthodoxen Satmar-Sekte aufgewachsen

Wolff hatte 2023 öffentlich gemacht, dass er – anders als zuvor von ihm öffentlich dargestellt – doch kein Jude sei. In einem Essay zu diesem Fall hatte Engel von »Kostümjudentum« gesprochen.

Der deutsch-jüdische Verein »WerteInitiative« teilte mit, es gehe Feldman darum, »eine der profiliertesten jüdischen Stimmen in Deutschland zu delegitimieren«. Andersdenkende dürften nicht »zum Ziel persönlicher Herabwürdigung« gemacht werden. Feldman bediene sich »der gefährlichen Praxis, jüdische Identität öffentlich zu bestreiten – und füttert dabei Misstrauen, trägt zur innerjüdischen Spaltung und somit zur Schwächung der mehrheitlichen, jüdischen Standpunkte in Deutschland bei«.

Philipp Peyman Engel, so die WerteInitiative weiter, stehe »für eine klare, liberale und verankerte Stimme innerhalb der jüdischen Gemeinschaft. In seinen Haltungen erkennen sich fast alle jüdischen Bürgerinnen und Bürger Deutschlands wieder«.

Auch der Verband Jüdischer Journalistinnen und Journalisten (JJJ) stellte sich hinter den Chefredakteur der JA. Engel sei »das Ziel einer Kampagne, mit der die Autorin Deborah Feldman versucht, seine journalistische Glaubwürdigkeit zu beschädigen. Zunächst in Social-Media-Posts und jetzt in einem Artikel der Zeitschrift ›Weltbühne‹ (...)«, teilte der Verband mit.

Journalistenverband: Der Abdruck wertet einen »faktenfremden Feldzug journalistisch auf«

Weiter hieß es: »In den Angriffen von Deborah Feldman, die mit ihrer radikalen antiisraelischen Haltung medial sehr präsent ist, sehen wir vor allem den Versuch, einen Kollegen als Person zu diskreditieren, weil ihr dessen politische Haltung missfällt. Tatsächlich ist die Jüdische Allgemeine unter der Leitung ihres Chefredakteurs Philipp Peyman Engel zu einer der wichtigsten Diskurs-Plattformen zu jüdischen Themen
und zu Israel geworden.«

Die Diffamierung Engels gelte daher nicht allein ihm als Person,
sondern ziele »auf alle Journalistinnen und Journalisten, in deren Arbeit eine differenzierte Haltung gegenüber Israel zum Ausdruck kommt«. Der Verband Jüdischer Journalisten beklagte weiter, Feldmans Kampagnen zur »Enttarnung« vermeintlicher »falscher Juden« trügen zunehmend obsessive Züge und heizten das judenfeindliche Klima, insbesondere im Netz, »weiter gefährlich an«.

Durch den Abdruck ihres »diffamierenden Textes« in der Weltbühne und der Berliner Zeitung werde ein »persönlicher, faktenfremder Feldzug journalistisch aufgewertet«. ja

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