Kino

»Palästina 36«

Szene aus »Palästina 36«

Es gibt Filme, deren Macher so viel Wert auf politische Botschaften legen, dass Handlung und Figuren zwangsweise auf der Strecke bleiben müssen. Palästina 36, gedreht von Annemarie Jacir und sogar ins diesjährige Rennen um einen Oscar geschickt, ist ein solcher Fall. Daran ändert selbst der Einsatz internationaler Stars wie Jeremy Irons oder Robert Aramayo herzlich wenig.

Thema der palästinensischen Regisseurin ist der arabische Aufstand gegen die britische Mandatsherrschaft und »Zionisten«, der 1936 begann. Im Mittelpunkt steht das fiktive Dorf Al-Basma und seine Bewohner, deren traditionelles Leben von den Briten in Gefahr gebracht wird, weil diese mit schmutzigen Tricks Land enteignen, um es jüdischen »Siedlern« zu überlassen. Das ist zwar historisch nicht belegbar, aber man kann es ja mal behaupten.

Auch die arabische Führung, von der stets die Rede ist, bleibt anonym, und das nicht ohne Grund.

Durch den Einsatz von viel digital aufgearbeitetem und koloriertem historischen Filmmaterial will Jacir die Authentizität von Palästina 36 untermauern. Auffällig ist, dass Juden darin so gut wie gar nicht vorkommen, obwohl Hunderttausende teilweise seit Generationen bereits dort lebten. Dieser Logik folgend wartet die Handlung auch mit keinem einzigen jüdischen Protagonisten auf. Das geschieht ganz bewusst. Es ist genau dieses Prinzip der Auslassung, mit dem Jacir arbeitet, wodurch vieles schnell zur Lüge wird: Juden gibt es nur als amorphe »Einwanderer« im Hintergrund, was sie automatisch zu Eindringlingen macht.

Auch die arabische Führung, von der stets die Rede ist, bleibt anonym, und das nicht ohne Grund – schließlich war der unsägliche Mufti von Jerusalem, Hadsch Amin al-Husseini, ihre Führungsfigur. Aber einen Hitler-Kollaborateur als Gründer der palästinensischen Nationalbewegung verschweigt man offenbar lieber.

Jacirs Botschaft: Der antikoloniale Kampf gegen Großbritannien von damals hält weiterhin an. Nur sind es jetzt die Israelis, die man loswerden will. Wie fahrlässig dabei ihr Umgang mit dem Thema ist, zeigt eine kleine Szene, die aber Pars pro Toto für den ganzen Film steht: Britische Soldaten fahren darin einen VW Kübelwagen, ein erst ab 1940 gebautes Fahrzeug der deutschen Wehrmacht. Ob das Zufall war oder intendiert, um eine Parallele zu konstruieren, darüber kann man jedenfalls spekulieren.

Bad Kissingen

Mazel tov in Unterfranken

Der »Kissinger Sommer« rückt zu seinem 40-jährigen Jubiläum jüdische Musik und Kultur in den Mittelpunkt. Intendant Alexander Steinbeis erklärt die Idee dahinter

von Maria Ossowski  10.06.2026

Schwäbisch Hall

Wenn Elefanten Synagogen tragen

In der kleinen Stadt sind die beiden einzigen erhaltenen Werke des Synagogenmalers Elieser Sussmann zu sehen – Paneele aus der Betstube von Unterlimpurg und der Frauenschul von Steinbach

von Michael Schleicher  09.06.2026

Interview

»Selbst ernannte progressive Linke haben offenbar das völkische Denken gelernt. Das ist alles so absurd«

Der Kabarettist Dieter Nuhr über den Erhalt des Leo-Baeck-Preises, Solidarität mit Israel und Kritik an seiner Person

von Detlef David Kauschke  09.06.2026

Fußball

Fußball auf dem Appellplatz von Buchenwald

Seit der Europameisterschaft 2024 erinnert die Gedenkstätte Buchenwald im Internet an Fußballer, Funktionäre und Spiele im ehemaligen Konzentrationslager. Der Appellplatz war Spielstätte, Häftlinge konnten kurz dem Lageralltag entfliehen

von Matthias Thüsing  09.06.2026

Hollywood

Zoë Kravitz jagt Bankräuber

In der Action-Komödien-Thriller »How to Rob a Bank« spielt die jüdische Darstellerin eine Software-Ingenieurin unter Hausarrest

 09.06.2026

Kulturkolumne

Über Langzeitbeziehungen und Affären

Warum ich Esther Perel verehre

von Laura Cazés  09.06.2026

Zeitgeschichte

Georges-Arthur Goldschmidt sieht Guillotine am Beginn der Schoa

Der französisch-deutsche Schriftsteller sagte in einem Interview »Diese Normalisierung der Todesstrafe hat Europa zerstört.«

 09.06.2026

Kino

Spielbergs »Disclosure Day« feiert Kinostart

Als Inspiration für dieses Projekt nennt der jüdische Regisseur einen »New York Times«-Artikel über geheime UFO-Programme des Pentagon

 09.06.2026

Berliner Revue

»Berlin, Du coole Sau!«: Sharon Brauner auf Tour

Es handelt sich um eine der aufwändigsten Bühnenproduktionen ihrer Karriere. Im Herbst beginnt die Deutschlandtournee

 08.06.2026