Als Noam Bettan am Dienstagabend beim Eurovision Song Contest in Wien seinen Song »Michelle« sang, gab es neben lautem Applaus auch deutliche Buhrufe aus dem Publikum, mehrere Zuschauer hielten auch demonstrativ Palästina-Flaggen in die Luft. Medienberichten zufolge musste die Polizei einige Demonstranten aus der Arena begleiten. Doch der Israeli ließ sich davon nicht aus dem Konzept bringen.
»Ich habe die Buhrufe gehört«, sagte er nach seinem Einzug ins Finale. Gleichzeitig habe er aber schnell auch die Unterstützung vieler Zuschauer wahrgenommen. »Die Menschen haben uns angefeuert und mir Energie gegeben.«

Besonders emotional sei für ihn das Ende des Songs gewesen. Bei der Zeile »Es gibt jemanden, der zuhört« habe er nach eigenen Worten vor allem an die Menschen in Israel gedacht. »Ich hatte wirklich das Gefühl, für den Staat Israel zu singen.«
Trotz der Spannungen sangen viele Zuschauer den Refrain von »Michelle« mit. Bettan erklärte später, er habe während des Auftritts gezielt nach israelischen Flaggen im Publikum gesucht. »Das hat mir Kraft gegeben«, sagte er.
Nach dem erfolgreichen Halbfinale bedankte sich der Sänger bei seinen Unterstützern in Israel und weltweit. »Danke an alle Menschen in Israel und an die jüdischen Communities überall auf der Welt«, sagte Bettan. »Danke, dass ihr für mich abgestimmt habt. Ich liebe euch.«
Israels Delegationsleiter: »Wir wollen ganz nach oben«
Israels Eurovision-Delegation hat nach dem Einzug ins Finale des Eurovision Song Contest in Wien derweil selbstbewusst den Blick nach vorne gerichtet. Delegationsleiter Yoav Tzafir sprach nach dem Auftritt von Sänger Noam Bettan von einem wichtigen Etappensieg – und formulierte bereits das nächste Ziel: den Gesamtsieg beim ESC. »Ynet« berichtete.

»Die erste und wichtigste Mission liegt hinter uns. Jetzt wollen wir ganz nach oben«, sagte Tzafir nach der Qualifikation. Bettan habe »den bestmöglichen Platz verdient«. Der Delegationsleiter war von Bettans Auftritt beeindruckt. »Die Reaktionen waren großartig. Es war ein perfekter Auftritt«, erklärte Tzafir. Besonders hob er hervor, dass sich der Sänger von den Störaktionen nicht habe beeinflussen lassen: »Noam ist ein echter Profi.«
Schutz für Delegation
Auch außerhalb der Arena blieb die Stimmung rund um Israels Teilnahme angespannt. In Wien fanden israelfeindliche Demonstrationen statt. Die österreichische Polizei hatte im Vorfeld angekündigt, Proteste in unmittelbarer Nähe der Halle zu untersagen und die israelische Delegation besonders zu schützen.
Neben Israel qualifizierten sich auch Griechenland, Finnland, Belgien, Schweden, Moldau, Serbien, Kroatien, Litauen und Polen für das ESC-Finale. Österreich ist Gastgeber des diesjährigen Wettbewerbs, nachdem Sänger JJ den ESC im vergangenen Jahr gewonnen hatte. im