Filmfestivals

Regisseurin: Filmfeste müssen politische Debatten aushalten

Die Regisseurin Valeska Grisebach Foto: picture alliance/dpa

Bei der Berlinale gab es immer wieder politische Diskussionen, die teils das eigentliche Festivalprogramm überschatteten. Wird das beim nun startenden Filmfest in Cannes ähnlich? Filmfestivals und Demokratien müssten solche politischen Debatten aushalten, wie Valeska Grisebach, die deutsche Regisseurin im diesjährigen Cannes-Wettbewerb, der Deutschen Presse-Agentur sagte.

Nach der Berlinale war über die Zukunft des Festivals und der Intendantin Tricia Tuttle diskutiert worden. Hintergrund waren Kontroversen über Äußerungen zum Nahostkonflikt während der Berlinale. Festivals müssten politische Vereinnahmungen aushalten, sagte Grisebach, die 2023 Teil der Internationalen Jury der Berlinale war. Sie habe die Form von Schlussfolgerung, die kurz im Raum stand, Tuttle habe ihren Job nicht gut gemacht, als sehr kurzsichtig und eigentlich auch als fehl am Platz empfunden, sagte Grisebach. 

Es seien sehr komplizierte Zeiten. Gerade in Tuttles Position sei hohe Diplomatie gefordert und in der Schnelligkeit der Reaktion menschlich den richtigen Ton zu finden. Grisebach sagte: »Den ganzen Diskurs um Gaza, Palästina, Israel, diese Form von Zensur, die plötzlich dadurch entsteht, dass sofort gesagt wird, man stehe auf einer Seite, empfinde ich schon als sehr hinderlich, um der Sache nahezukommen.«

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Bei den letzten Ausgaben der Berlinale hatten einige Redner die Seite der palästinensischen Terrororganisation Hamas eingenommen. Dies zeigten sie auch, indem sie Terror-Symbole am Körper trugen.

Einladung in Wettbewerb »großes Geschenk«

Auch bei einer Pressekonferenz vor dem Start in Cannes war der Umgang mit politischen Debatten wie bei der Berlinale ein Thema. Festivaldirektor Thierry Frémaux sagte, persönliche politische Meinungen gehörten in die Filme. Das Festival betrachte diese Fragen als Angelegenheiten der Künstler. Auch nahm er den Berlinale-Jurypräsidenten Wim Wenders in Schutz, der für seine Aussage kritisiert worden war, Filmschaffende sollten sich aus der Politik heraushalten.

Grisebachs Film »Das geträumte Abenteuer« geht mit 21 anderen Filmen in das Rennen um die Goldene Palme. Er wird am Freitag (22. Mai) kurz vor Festivalende gezeigt und spielt in der Grenzregion zwischen Bulgarien, Griechenland und der Türkei. »Das geträumte Abenteuer« folgt einer Frau, die sich auf einen fragwürdigen Deal einlässt, um einem alten Freund zu helfen.

Die Einladung in den Wettbewerb sei für alle ein »großes Geschenk«, sagte die Regisseurin. Sie hätten es erst kurz vor der Programm-Pressekonferenz im April erfahren. »Es ist auch toll für alle Beteiligten und das große Ensemble des Films«. Die meisten von ihnen hätten zum ersten Mal in einem Film mitgespielt und sehr viel an Fantasie und Kraft reingesteckt. 2017 wurde Grisebachs Film »Western« in der Reihe »Un Certain Regard« in Cannes gezeigt. dpa/ja

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