Granatapfel

Die jüdischste Frucht

Foto: Marco Limberg

Granatäpfel schmecken nicht nur hervorragend, sie haben zudem in der jüdischen Kunst, Literatur und Tradition eine geradezu magische Anziehungskraft.

Die süßen roten Früchte, die in der Bibel und im Talmud erwähnt werden, werden häufig als Symbol für Mizwot verwendet und mit Überfluss und Glück gleichgesetzt. Sie werden besonders mit Rosch Haschana und den Wünschen für ein süßes neues Jahr in Verbindung gebracht. Hier sind acht jüdische Fakten zur jüdischen Frucht.

Grundnahrungsmittel Noch mehr als die saftigen Kerne schätzen Juden seit Langem den Saft des Granatapfels. In der Antike wurde er als Färbemittel für Kleidung und als Zutat für Tinte verwendet. Granatapfelmelasse war auch ein wichtiger Bestandteil der jüdischen Küche: Ihre herbe, spritzige Süße verlieh vielen Gerichten einen unverwechselbaren Geschmack, bevor Zitronen den Nahen Osten erreichten.

Die Kochbuchautorin und Lebensmittelhistorikerin Claudia Roden schildert das so: »Der dicke dunkelbraune, fast schwarze Sirup aus sauren Granatäpfeln wird von (jüdischen) Familien aus Syrien, Iran und Irak für süß-saure Gerichte verwendet.« (The Book of Jewish Food: An Odyssey from Samarkand to New York With More than 800 Ashkenazi and Sephardi Recipes).

sieben Granatäpfel gehören zu den sieben Früchten, die in der Tora eng mit dem Land Israel verbunden sind. Bevor die Israeliten das Land betraten, schickten sie eine Gruppe von Männern aus, um die Gegend zu erkunden. Die Männer kehrten mit Trauben, Granatäpfeln und Feigen ins Lager der Israeliten zurück: Kostproben der Früchte, die in Israel wuchsen (4. Buch Mose 13).

Später, als die Juden bereit waren, das Land Israel zu betreten, sagte Moses ihnen, was sie zu erwarten hätten. Diesmal waren die Granatäpfel Teil einer Liste von sieben Nahrungsmitteln, die im Land Israel heimisch sind und die für dessen Reichtum stehen: »ein Land des Weizens, der Gerste, der Trauben, der Feigen und des Granatapfels; ein Land der Öl-Oliven und des Dattel-Honigs …« (5. Buch Mose 8,8).

Noch heute sind viele Orte in Israel nach Granatäpfeln (Hebräisch: Rimonim) benannt: Gat Rimon (ein Moschaw in Zentralisrael), Ein Rimon (Naturschutzgebiet im Süden Israels) und Beit Rimon (ein Kibbuz im Galil im Norden Israels) sind Beispiele.

schönheit In einigen der eindrucksvollsten Beschreibungen von Anmut in der Bibel werden Granatäpfel als Metapher für die Schönheit einer Frau verwendet. In König Salomos Hohelied wird das Volk Israel mit einer Frau verglichen, die in ihren Mann verliebt ist (der das Göttliche repräsentiert). »Deine Stirn hinter deinem Schleier (schimmert) wie ein Granatapfel …« (Hohelied 6,7).

Auch der Talmud greift, wenn er von einem besonders attraktiven Menschen spricht, zu einer Granatapfelmetapher und vergleicht ihn mit einem Kelch, der mit rubinroten Granatapfelkernen gefüllt ist (Baba Metzia 84a).

mizwot Jeder, der schon einmal einen Granatapfel aufgeschnitten hat, weiß, dass diese köstliche Frucht mit Hunderten von winzigen Kernen gefüllt ist. Seit Jahrtausenden verwenden Juden die Kerne des Granatapfels als Metapher für die vielen Gebote der Tora.

Der talmudische Rabbiner Resch Lakisch war einer der Ersten, der diese Verbindung herstellte. Er stellte fest, dass Juden Mizwot verrichten, und sagte: »Selbst die leeren Menschen unter euch sind so voll von Mizwot, wie der Granatapfel voll von Kernen ist« (Sanhedrin 37a).

tempel In den Tagen der alten Tempel in Jerusalem trug der Kohen Gadol – der Hohepriester, der das Amt im Tempel ausübte – ein prächtiges Gewand, das mit 72 goldenen Granatäpfeln (durchsetzt mit 72 goldenen Glocken) geschmückt war, die vom unteren Teil seines Gewandes herabhingen (2. Buch Mose 34,34). Diese erinnerten an eine Reihe von geschnitzten Granatäpfeln in der Nähe der massiven geschnitzten Säulen des Tempels.

Der Tanach beschreibt die Architektur des Ersten Tempels, der von König Salomo erbaut wurde: »Er machte Säulen, zwei Reihen rundherum, um die Kapitelle mit Granatäpfeln zu bedecken« (1. Könige 7,18).

granatapfelstadt Als sich Juden zum ersten Mal außerhalb des Landes Israel niederließen, nahmen sie oft Granatapfelsamen mit und pflanzten sie in ihren neuen Häusern ein. Eine solche Gruppe jüdischer Siedler gründete im Altertum eine Stadt in Südspanien.

Der ursprüngliche Name dieser Stadt ist heute nicht mehr bekannt, aber als die Mauren 711 n.d.Z. auf die Iberische Halbinsel vordrangen, stießen sie auf diese jüdische Siedlung und gaben ihr, als sie die vielen Granatapfelbäume der Juden sahen, einen arabischen Namen, der »Granatapfel« bedeutet: Gharnata al Yahud – »Granatapfelbäume der Juden«. Dieser Name blieb haften und entwickelte sich mit der Zeit zu Granada.

münzen Ein Motiv aus drei Granatäpfeln erschien auf jüdischen Münzen während der Hasmonäerzeit (2. bis 1. Jahrhundert v.d.Z.). Auch in der Neuzeit erschien ein Granatapfel auf den Ein-Lira-Münzen, die von 1952 bis 1980 als israelische Währung verwendet wurden.

segensspruch An Rosch Haschana sprechen Juden auf der ganzen Welt einen Segensspruch über Granatäpfel, bevor sie ihr festliches Mahl beginnen. Da die Granatäpfel mit einem Leben voller Mizwot assoziiert werden, ist es Tradition, den Wunsch auszusprechen, dass unser kommendes Jahr so voll von Mizwot und guten Taten sein möge, wie ein Granatapfel voller Kerne ist.

Einige Juden essen Granatäpfel auch als »neue Frucht«. Es ist Tradition, an Rosch Haschana eine Frucht zu essen, die man mindestens einen Monat lang nicht gegessen hat. Wenn Sie schon lange keine Granatäpfel mehr gegessen haben, sind sie die ideale »neue Frucht« für die Rosch-Haschana-Tafel.

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