Hiphop

Rapper Pashanim: »Free Palestine« als Verkaufsschlager

Rapper Pashanim während eines Konzertes auf der Bühne
Rapper Pashanim während eines Konzertes Foto: picture alliance / FLORIAN WIESER / APA / picturedesk.com

Lounge Musik – so heißt das neue Album des Berliner Rappers Pashanim. Sein Erfolg hat in den vergangenen Jahren in Deutschland nicht nur im Rap, sondern in der gesamten deutschen Musikindustrie Maßstäbe gesetzt. Mit Singles wie »Hauseingang«, »Airwaves« oder »Sommergewitter« erschuf Pashanim ab 2020 insbesondere unter jüngeren Menschen einen Hype um sich, der bis heute anhält.

Doch auf seinem neuen Album »Lounge Musik« rappt der gebürtige Berliner wiederholt über den israelisch-palästinensischen Konflikt. Dabei kokettiert er auch mit dem palästinensischen Terrorismus. So heißt es in einer Textstelle auf dem Song Kalter Krieg: »Carlos, der Schakal, ’75 OPEC-Geiselnahme. Du siehst Polizeischikane bei der Gaza-Demo live«

Gemeint ist die Geiselnahme von 62 Menschen, darunter elf Erdölministern, bei einer Konferenz der Organisation der erdölexportierenden Länder (OPEC) im Dezember 1975 in Wien. Angeführt von Ilich Ramírez Sánchez – dem »Schakal« – und unter Beteiligung der beiden Deutschen Hans-Joachim Klein und Gabriele Kröcher-Tiedemann forderten die Geiselnehmer insbesondere die Ölstaaten im Nahen Osten auf, den bewaffneten palästinensischen Widerstand zu unterstützen und von einer Normalisierung der diplomatischen Beziehungen zu Israel abzusehen. Drei Menschen verloren dabei ihr Leben.

Sehr direkt rappt Pashanim die gängigen Parolen »Free Falastin« oder »Free Westbank«.

Auch darüber hinaus finden sich auf Pashanims neuem Album zahlreiche Referenzen zu Palästina. Auf fünf der insgesamt 17 neuen Songs findet das Thema Erwähnung. Sehr direkt rappt Pashanim die gängigen Parolen »Free Falastin« (im Song »Es wird ein heißer Sommer«) oder »Free Westbank« (»Augenblick«). Wahlweise wird der Krieg in Gaza mit dem in der Ukraine verglichen und eine deutsche Doppelmoral angeklagt: »Hipster lieben Ukrain, doch sagen nix zu Falastin« (»Maradona«). Im Musikvideo zur Singleauskopplung »Augenblick« wird zudem mit Palästinaflagge und Palästinensertuch posiert.

Das ist auch deshalb höchst bedauerlich, weil kaum ein anderer Rapper in den vergangenen Jahren derart erfolgreich über die eigene Szene hinaus und gleichzeitig derart beliebt in der eigenen Rap-Szene ist. Pashanim verzichtet auf die klassische Promophase mit Interviews und schafft ein Mysterium um sich, dass Teil seines Erfolgsgeheimnisses ist. Gleichzeitig versteht er es, seine Musik an die modernen Vermarktungsmechanismen anzupassen: Fast kein Song geht länger als zwei Minuten, was günstig für die Vermarktung auf den Streamingplattformen ist. Gleichzeitig schafft er es, dass Songs wie »Shababs botten« auf Tiktok genutzt und gehypt werden.

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Mit seiner Themenwahl ist Pashanim im Rap keineswegs einzigartig: Es geht um teure Autos und Klamotten, Erfolg und Reichtum, ums Drogendealen, um Frauen, um die Heimat Berlin und die eigenen kurdischen Wurzeln, um Armut und Erfahrungen mit Rassismus in Deutschland. Pashanims Alleinstellungsmerkmal ist vielmehr seine anekdotische Erzählweise, eine Vielzahl verstreuter popkultureller Referenzen in seinen Texten.

Das neue Album »Lounge Musik« von Pashanim schließt in vielerlei Hinsicht an sein altes Erfolgsrezept an. Die gleichen Themen, keine große Promo, keine Interviews. Stattdessen gab es zum Release eine selbst moderierte 20-minütige Radioshow bei KissFM, bei der Pashanim zunächst seine Familie und ganz Berlin grüßt und dann selbst Updates zum Berliner Wetter und Berliner Verkehr gibt.

Der deutsche Synchronsprecher von James Bond

Zu seinem neuen Album befragen lässt er sich dabei vom deutschen Synchronsprecher von James Bond, Dietmar Wunder, den Pashanim nur mit »James« anspricht. Die gesamte Show spiegelt Pashanims Suche nach Ästhetik und Authentizität und eine inszenierte Nähe zum Zuhörer wider.

Für Pashanim ist alerdings »Palästina« als Topos nicht wirklich neu. Insbesondere nach dem Aufflammen einer Empörungswelle über den Krieg Israels in Gaza gegen die Hamas nach dem Terrorangriff am 7. Oktober 2023 erwähnte Pashanim das Thema immer wieder und nutzte gängige Parolen und Symbole in seinen Texten und Videos (»Superjung«, »6561«, »Zizou 06«). Im September 2025 beteiligte er sich als Künstler an der »All eyes on Gaza«-Großdemonstration in Berlin. Vor dem diesjährigen Eurovision Song Contest (ESC) – bei dem viel über die Teilnahme Israels diskutiert wurde – postete Pashanim nur das Statememt »Kein ESC«.

Pashanims neues Album Lounge Musik ist ein weiterer besorgniserregender Beleg dafür, wie tief die einseitige und unterkomplexe Empörung über Israel in der deutschen Popkultur angekommen ist.

Pashanims neues Album Lounge Musik reiht sich in dieser Hinsicht in seine Entwicklung ein. Nicht nur die Vielzahl an Erwähnungen und Referenzen, sondern auch das Kokettieren mit Terrorismus zeigen, wie weitreichend sich die propagierte Solidarität mit Palästina zu einem zentralen Bestandteil einer popkulturellen Ästhetik entwickelt hat, die sich millionenfach vermarkten lässt.

In dieser Hinsicht ist Pashanims neues Album Lounge Musik ein weiterer besorgniserregender Beleg dafür, wie tief die einseitige und unterkomplexe Empörung über Israel in der deutschen Popkultur angekommen ist. Eine Haltung für Palästina und gegen Israel – was auch immer das inhaltlich bedeutet – ist vielerorts zum guten Ton in Kunst und Kultur geworden.

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