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Glosse

Der Rest der Welt

Du bist, was du isst: außer bei Nathan’s Famous Foto: picture alliance / Sipa USA

Na? Haben Sie heute schon etwas zu sich genommen? Ein vollwertiges Frühstück mit saisonalem Obst vielleicht? Einen Kamillentee dazu? Danach ein, zwei Scheiben Vollkornbrot? Wahrscheinlich haben Sie das auch noch entspannt gegessen, so mit 32-mal kauen? Pff … wie langweilig.

Nehmen Sie sich ein Beispiel an Joey Chestnut und Miki Sudo. Das sind die beiden aktuellen Sieger des legendären »Nathanʼs Famous International Hot Dog Eating Contest«.

Das ist so eine Art »Jack Rabbit Slims Twist Contest« – nur mit Nathanʼs Würstchen, viel weniger Tanz, aber viel mehr Flecken. Und dieser Nathan’s Famous International … na, Sie wissen schon, Contest findet demnächst auch wieder statt – immer direkt am oder um den 4. Juli herum auf Coney Island.

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Und wahrscheinlich werden die Gewinner auch wieder Joey Chestnut und Miki Sudo heißen. Seit 2007 hält Chestnut – mit zwei Unterbrechungen – den Titel, seit 2014 – mit einer Unterbrechung – Miki Sudo. Chestnut aß in zehn Minuten 70,5 Nathan’s Hot Dogs mit Buns, Sudo 33 Hot Dogs mit Buns. Eines dürfte sicher sein: 32-mal kauen können die beiden bei der Menge an Wurst und Brötchen bestimmt nicht, von allem Vollwertigen will ich hier gar nicht erst anfangen.

Nathan’s – eine amerikanische Erfolgsgeschichte

Aber: Nathanʼs Famous ist eine amerikanische Erfolgsgeschichte, denn der Gründer der bekannten Wurstkette war Nathan Handwerker, ein polnisch-jüdischer Immigrant, der mit 20 Jahren in die USA kam und 1916 mit seinen eigenen Ersparnissen und denen seiner Frau Ida – insgesamt 300 Dollar waren das – einen kleinen Stand auf Coney Island errichtete. Der Rest ist wurstige Geschichte: Es ging konsequent bergauf, und heute, 110 Jahre nach der Gründung, ist Nathanʼs fast schon Kult (und ziemlich erfolgreich).

Was genau in der Wurst drin ist, das will vielleicht niemand wissen. Es zu wissen, ist ähnlich verzichtbar, wie sich die Videos der Eating Contests anzusehen. Man muss sich ja nicht freiwillig ekeln. Ich frage mich bei dem ganzen sinnlosen großen Fressen einfach: Wie stehen die Leute das durch? Sie haben wahrscheinlich keine Magenschmerzen und müssen morgens ganz sanft mit schon oben besungenem Kamillentee und schleimigem Porridge anfangen. Chestnut gab einmal an, seinen Magen an Trainingstagen mit Milch und anderen Flüssigkeiten zu weiten. Die seien gut verdaulich und würden ihn bei seinem Training unterstützen.

Der Wettbewerb ist so eine Art »Jack Rabbit Slims Twist Contest« – nur mit Nathanʼs Würstchen und viel weniger Tanz, versteht sich.

Miki Sudo isst zu ganz regelmäßigen Zeiten ganz durchschnittliche Sachen, sagte sie vor zwei Jahren einmal in einem Interview mit dem Kultursender »Fox News«: Hühnerbrust, Quinoa, Beilage. Sie nehme übrigens auch an Donut Eating Contests teil und wolle 50 Donuts hintereinander schaffen. An solchen Tagen sei sie ganz allein. So bekommt man irgendwie den heiß begehrten Mustard-Belt, den Senf-Gürtel, den Nathan’s Famous an die Sieger vergibt.

Ein Eating Contest allerdings, der gefiel mir sofort. Ich glaube sogar, dass ich bei ihm antreten könnte. Er passt zum Sommer, und man bekleckert sich auch nicht so, wie es beim Hot-Dog-Wettessen passieren kann. Es ist der Icecream Eating Contest. Miki Sudo schafft laut eigener Aussage 16,5 Pints in fünf Minuten.

Eine Pinte Eis sind ungefähr 300 Gramm. Summa summarum sind das gute fünf Liter – in unter acht Minuten. Brainfreeze habe sie aufgrund der Esstechnik – Löffel mit Eis nicht an den Gaumen kommen lassen – nicht. Und warm ist ihr danach sicherlich auch nicht. Also: Wo sind die fünf Liter Zitroneneis? Denn die nächste Hitzewelle kommt bestimmt. Katrin Richte

Programm

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