Vancouver

Boy George für Unterstützung Israels und der jüdischen Gemeinschaft geehrt

Boy George Foto: picture alliance / Captital Pictures

Boy George hat in Vancouver über die persönlichen und beruflichen Folgen seines öffentlichen Eintretens für Israel und die jüdische Gemeinschaft gesprochen. Der Sänger war Ehrengast einer Veranstaltung in der Synagoge Temple Sholom, zu der rund 800 Menschen kamen. Anlass war unter anderem die Veröffentlichung seines neuen Songs »We Will Dance Again«, mit dem er seine Solidarität mit Israel und den Opfern des Hamas-Terrors vom 7. Oktober zum Ausdruck bringt.

Der 65-Jährige machte laut einem Bericht der Publikation »The Canadian Jewish News« deutlich, dass er bei der Veröffentlichung des Liedes nicht über mögliche Konsequenzen für seine Karriere nachgedacht habe. Er habe die Reaktion der Öffentlichkeit nicht vorhergesehen und den Song zunächst ohne Rücksprache mit anderen veröffentlicht. »Ich verspreche euch, bei der Erinnerung an meine Mutter, ich hatte keine Ahnung, was passieren würde«, sagte Boy George in Vancouver. »Ich habe nicht darüber nachgedacht.«

Die Folgen ließen allerdings nicht lange auf sich warten. Boy George berichtete von abgesagten beruflichen Engagements, dem Verlust seines langjährigen Plattenlabel-Managers und dem Ende langjähriger Freundschaften. Hinzu kamen heftige Angriffe im Internet und Forderungen, seine Konzerte abzusagen.

Auftritt trotz Protesten

Dass er nun wisse, welchen Preis seine Haltung haben könne, ändere daran nichts. »Ich bin hier, um zu sagen, dass meine Freunde, die ich liebe, wunderschöne Menschen sind, und ich werde ihnen nicht den Rücken kehren«, sagte er.

Nur zwei Tage vor der Veranstaltung im Temple Sholom hatten Boy George und Culture Club in Vancouver vor Tausenden Menschen gespielt. Versuche von israelfeindlichen Aktivisten, das Konzert wegen seiner Unterstützung Israels und der Opfer des Hamas-Angriffs abzusagen, war gescheitert. Rund 40 Demonstranten protestierten vor dem Veranstaltungsort. Die Polizei war mit zahlreichen Kräften präsent. Das Konzert selbst verlief jedoch ohne erkennbare Zwischenfälle.

Die jüdische Gemeinde wollte Boy George anschließend persönlich dafür danken, dass er sich trotz des Gegenwinds öffentlich positioniert. Organisiert wurde der Abend von Rabbi Dan Moskovitz gemeinsam mit der Jewish Federation of British Columbia und dem kanadischen Centre for Israel and Jewish Affairs.

»Mensch« und Verbündeter

Moskovitz hatte Boy George zuvor kontaktiert und ihn zu einem Treffen mit der jüdischen Gemeinschaft eingeladen. Der Rabbi bezeichnete die Veranstaltung als Ausdruck von »Dankbarkeit und Liebe für einen Mann und seine Musik, für ein Lied, das gesungen werden musste«. Boy George sei ein »Mensch«, ein Verbündeter und ein Freund der jüdischen Gemeinde, sagte Moskovitz.

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Als Boy George mit seinem markanten übergroßen gelben Hut und blauem Augen-Make-up den Saal betrat, wurde er von den Besuchern begeistert empfangen. Unter ihnen waren auch zahlreiche langjährige Culture-Club-Fans.

Der Entstehung des Songs ging ein für Boy George zunächst eher unangenehmer Moment voraus. Im Sommer war er in New York von der Zeitschrift Tablet für seine Unterstützung der jüdischen Gemeinschaft ausgezeichnet worden. Er habe sich bei der Ehrung beinahe wie ein Betrüger gefühlt, erzählte er. »Ich dachte einfach: Warum bekomme ich diesen Preis? Ich habe doch nichts getan«, sagte er.

Pro-israelische Botschaft

Kurz darauf begann er an einem Freitagabend zu Hause, »We Will Dance Again« zu schreiben. Der Titel greift eine Aussage auf, der für Überlebende des Nova-Musikfestivals nach dem Massaker vom 7. Oktober zu einem Symbol des Weiterlebens geworden ist.

Während der Song entstand, habe er schnell entschieden, ihn sofort zu veröffentlichen. Selbst seinen jüdischen Manager habe er bewusst nicht um Rat gefragt, weil er befürchtete, dieser könnte ihm von der Veröffentlichung abraten. »Ich dachte: Weißt du was? Ich muss ihn jetzt veröffentlichen«, erinnerte sich Boy George.

Zunächst stellte er das Lied selbst über soziale Medien und vorübergehend auch über Bandcamp zur Verfügung. Die Plattform nahm es später mit der Begründung herunter, dass an seiner Entstehung teilweise künstliche Intelligenz beteiligt gewesen sei. Boy George widerspricht dieser Erklärung und vermutet, dass die pro-israelische Botschaft der eigentliche Grund gewesen sei.

Persönliche Beziehungen

Einige Unterstützer zahlten für den Download freiwillig weit mehr als den angegebenen Preis, teilweise Hunderte oder sogar Tausende Pfund. Darauf sei es ihm jedoch nicht angekommen. »Wenn ich etwas schreibe und es mich emotional berührt, dann denke ich, dass es da draußen auch jemanden geben wird, dem es gefällt«, sagte er.

Der Musiker sieht den Song zugleich als Möglichkeit, sich künstlerisch von der Nostalgie rund um Culture Club zu lösen. Eine professionelle Veröffentlichung von »We Will Dance Again« sei geplant. In Vancouver sang er das Lied erstmals öffentlich vor Publikum.

Auf die Frage, warum er sich überhaupt zu diesem Thema geäußert habe, verwies Boy George auf seine langjährigen persönlichen Beziehungen zur jüdischen Gemeinschaft. Viele seiner jüdischen Freunde kenne er bereits seit seiner Jugend; mit ihnen und ihren Familien habe er auch jüdische Feiertage verbracht. im

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